1.01.2020 13:50
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Werden Sie 2020 investieren?
Das neue Jahr ist erst einige Stunden alt. Wir möchten von Ihnen wissen, ob Sie 2020 auf Ihrem Betrieb Investitionen planen und wenn ja, in welchem Bereich. Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Das vergangene Jahr war für die Landwirtschaft durchzogen. Das Sektoreinkommen lag 2019 um zwar 90 Millionen Franken höher als 2018 und nahezu 9% über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Massgeblich dazu beigetragen haben die höheren Preise für Schlachtschweine und die vielerorts gute Raufutterernte.

Probleme bei Obst und Gemüse

Schädlinge sorgten bei Gemüse und Obst für Ausfälle. Beim Gemüse sorgte das Wetter ab Juni zu Problemen. Wenig Licht und viel Regen gefolgt von einer Hitzeperiode haben das Wachstum der meisten Pflanzen nicht gefördert.

Beim Obst gab es andere Probleme. Beeren und Kirschen konnten zwar in grossen Mengen geerntet werden, der Markt blieb allerdings angespannt. 

Gute Getreideernte

Ein erfreuliches Jahr gab es beim Getreide. Beim Brotweizen fiel die Ernte mit rund 388’000 Tonnen etwas höher aus als im Jahr 2018. Insgesamt wurde Brotgetreide 2019 gemäss Swiss Granum bei 427’724 Tonnen (ohne deklassierte Brotweizenmenge) geerntet, das sind knapp 9000 Tonnen mehr als im Vorjahr. Um den Markt zu entlasten, wurde 22'000 Tonnen Getreide deklassiert.

Dank höheren Erträgen wurde auch mehr Futtergetreide eingefahren. Der Bedarf an inländischem Futtergetreide, insbesondere Futterweizen und Körnermais, übersteigt das Angebot jedoch weiterhin deutlich. Beim Raps lag die Erntemenge bei knapp 68’000 Tonnen. Grund für die tiefe Ernte ist laut Swiss Granum einerseits der dieses Jahr hohe Schädlingsdruck, andererseits der Frost im Frühjahr. Weil immer mehr Verarbeiter auf Palmöl durch Schweizer Rapsöl setzen, steigt die Nachfrage stetig. Dementsprechend sind Produzenten gesucht, da die Vertragsmenge bei weitem nicht erreicht wurde.   

Schweinefleischpreis erholt sich

Beim Fleisch konnten insbesondere die Schweinemäster von höheren Preisen profitieren. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Gesamtmenge Schweinefleisch bis Kalenderwoche 47 um 5,3 Prozent reduziert. «Diese Reduktion hatte auf die Marktpreise wie erwartet einen erfreulichen Einfluss», sagt Adrian Schütz von Suisseporcs gegenüber dem LID.

Die Produktion von grossem Rindvieh war 2019 rückläufig. In den ersten 10 Monaten des Jahres wurden weniger Stiere und Kühe sowie minim weniger Rinder geschlachtet als im selben Zeitraum 2018, einzig bei den Ochsen gab es ein Plus. Auch bei den Kälbern war ein Rückgang in der Produktion zu verzeichnen.

Investitionen können auf Basis ihrer Motivationsgründe unterschieden werden. Mit einer Ersatzinvestition beispielsweise werden Maschinen oder Anlagen ersetzt. Über eine Rationalisierungsinvestition werden Arbeitskräfte eingespart und mittels einer Diversifikationsinvestition soll ein weiteres Standbein aufgebaut werden. 

Milchpreise gestiegen

Wie in den Jahren zuvor nahm auch 2019 die Anzahl Milchbauern ab. Einen historischen Tiefstand erreichte 2019 die Anzahl Milchkühe. Mitte Jahr kam es zu einem Eklat, als die Migros und Emmi die Milchpreise senkten. Ab Spätsommer sind die Auszahlungen dann wieder gestiegen. Die Einführung des Grünen Teppichs per 1. September führte zu höheren Preisen. Geholfen hat dabei aber auch die rückläufige Milchmenge.   

«Wir sehen beim Grünen Teppich bis jetzt wirklich gute Resultate. Aber 2020 muss es weitergehen», sagt Reto Burkhardt, Kommunikationschef der Schweizer Milchproduzenten (SMP), zu «Schweizer Bauer». Die Milchprodukte in den Läden hätten im Herbst zum Teil aufgeschlagen, und im September seien auch die Molkereimilchpreise markant gestiegen.

2020: AP22+ und Anti-Pestizid-Initiativen

In diesem Jahr werden in der Landwirtschaft wichtige Pflöcke eingeschlagen. Der Bundesrat wird voraussichtlich sein Gesetzesprojekt zur Agrarpolitik 22+ im Februar 2020 zuhanden des Parlaments verabschieden. Wie Markus Ritter gegenüber der «NZZ» sagte, dürften die parlamentarischen Hauptdebatten zur AP 22+ im September und Dezember 2020 stattfinden. 

Auch in diesem dürfte das Volk über die «Trinkwasser-Initiative» sowie die «Anti-Pestizid-Initiative» befinden. Die Trinkwasser-Initiative verlangt, dass nur noch Landwirtschaftsbetriebe Direktzahlungen erhalten, die auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten und ihre Tiere ausschliesslich mit betriebseigenem Futter versorgen können.

Die Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» verlangt, dass der Einsatz von synthetischen Pestiziden in der landwirtschaftlichen Produktion, in der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Boden- und Landschaftspflege verboten wird. Auch die Einfuhr von Lebensmitteln, die synthetische Pestizide enthalten oder mithilfe solcher hergestellt worden sind, soll verboten werden. Bei einem Ja zu den Initiativen müssten sich viele Bauern neu ausrichten. 

Investitionen brauchen Sicherheit

Unter Beobachtung stehen die Bauern auch beim Tierwohl und Tierschutz. Zahlreiche Medienberichte im vergangenen Jahr haben die Landwirtschaft unter Druck gesetzt. Auch beim Klimaschutz und der Biodiversität wird der Druck auf Landwirtinnen und Landwirte steigen. 

Bei Investitionen werden finanzielle Mittel langfristig im Betrieb gebunden. Zudem wird oft die Produktionsrichtung für einige Jahre festgelegt. «Investitionen brauchen Sicherheit, aber die Bauern sind verunsichert und scheuen deshalb das Risiko einer Investition. Die Politik muss endlich erkennen, dass die Landwirte eine langfristige und verlässliche Planungssicherheit brauchen», sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied.

Stabile Rahmenbedingungen sind für die Schweizer Landwirtschaft zentral. Denn beständige Verhältnisse haben positive Effekte auf das Einkommen und damit auf die Investitionsbereitschaft der Landwirte. 

Wir möchten von Ihnen wissen, ob Sie in diesem Jahr Investitionen geplant haben und wenn ja, wo Sie den Schwerpunkt legen. Wie schätzen Sie die Lage ein? Lässt die wirtschaftliche Lage eine Investition zu? Oder warten Sie ab? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit

 

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