21.12.2014 07:11
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Organisationen
Werner Locher über Martin Haab und die Milchhändler
BIG-M-Sekretär Werner Locher hat eine warme und angenehme Stimme. Er kann aber deutlich werden, wie sich jeweils im BIG-M-Newsletter zeigt, aber auch im „Live“-Auftritt an der Hauptversammlung der BIG-M auf dem Hohenrain LU.

Er führte anstelle von Martin Haab, Präsident von BIG-M, durch die Versammlung, zu der rund drei Dutzend der mehrere Hundert BIG-M-Mitglieder angereist waren.  Hier eine Auswahl von Zitaten Lochers: 

Über BIG-M-Präsident Martin Haab:

„Er ist wirklich unser wichtigster Mann. So ein gutes Hirn hat keiner von uns, das muss ich einfach sagen. Wer ihn näher kennt, weiss das. Er hat übrigens im April ein Streitgespräch, ein Podiumsgespräch, das organisiert wird von der Bauernvereinigung Richenthal. Dort wird er auf BLW-Direktor Bernard Lehmann treffen. (…) Man hat ihn nicht gern auf dem Podium, weil er halt wirklich kompromisslos argumentiert und Sachen beim Namen nennt, wo andere halt lange Ausführungen machen.“

Zum Verhalten der Milchhandelsorganisationen am Markt:

„Wenn zuviel Milch vorhanden ist, läuft halt dieser Mechanismus. Das ist logisch. Ein René Schwager von der Nordostmilch hat Milch, die nicht bestellt ist, dann versucht er diesen Wagen irgend an einem Ort abzuladen. Und gibt ihn halt ein paar Rappen darunter, dann ist es halt eine B2 oder eine B3-Milch. Das ist klar, dass dann diese Milch das ganze Gefüge herunterreisst. Das ist einfach so. Es ist auch klar, dass René Schwager diese Milch nicht an einen schlechten Ort hin verkauft, an dem es eh nur 30 Rp. gibt. Er versucht sie irgendwo für 45 Rp. unterzubringen. Seine Aufgabe ist ja, dass er einen guten Preis hat. Da müssen wir uns nicht wundern, dass dies so läuft. Da müssen wir schon gar nicht einen Schuldigen suchen.“

Zu Milchhändlern ohne Milchbauern:

„Das Verrückte ist eigentlich das, und das ist zynisch, da ist ein bisschen Ironie dabei: Wenn das so weiterläuft, dass einfach viele Milchbauern aus der Milchproduktion aussteigen, dann sägen die Verarbeiter und Milchhandelsorganisationen ja an ihrem eigenen Ast, auf dem sie hocken. Denn wenn es von den Schweizer Bauern keine Milch mehr gibt, dann braucht es die Milchhandelsorganisationen nicht mehr. Da können sie dann noch lange eine Strategie beschliessen, ihre Milchmenge zu verdoppeln in der nächsten Zeit. Wenn die Bauern mit Melken aufhören, dann kommt diese Milch nicht mehr.“

Zur Frage, ob der Preis steigt, wenn noch viele Milchbauern aufgeben:

„Neben dem, dass es zu viel Milch hat, hört man immer wieder, dass viele aufhören. Denn jetzt hätten sie es noch mit den Direktzahlungen gesehen, und die Chauffeure sagen, sie hätten einen Drittel weniger geladen. Solche Geschichten geistern jetzt herum, da glaube ich nichts mehr: Ich möchte an den Zahlen sehen, was stimmt. Und vor allem: Wenn die Bauern in der Schweiz aufhören mit Melken, dann heisst das für die anderen noch überhaupt nicht, dass der Milchpreis steigt. (…) Ich frage: Wenn die EU-Quote abgeschafft ist und in der EU noch 27 Cent bezahlt werden, habt ihr dann das Gefühl, dass in der Schweiz der Milchpreis steigt?“

Zu den mittelfristigen Aussichten am Milchmarkt:

„Man muss ja bei den Milchhändlern und bei den Milchhändlern immer gute Stimmung verbreiten. Im deutschen TopAgrar kann man lesen: All die grossen Milchunternehmen sagen, sie hätten einfach mit dem Preis runter müssen. Aber das ändere nichts an der Tatsache, dass mittelfristig und langfristig die Aussichten auf dem Milchmarkt gut sind. Die wollen einfach immer positive Stimmung verbreiten, aber das ist eine Augenwischerei, das ist Kaffeesatzlesen.“

Überhaupt zur Kommunikation der Milchhandelsorganisationen:

„Wenn wir von BIG-M jeweils den Kieler Rohstoffwert zitieren, der ja viel höher ist, wenn man dies umrechnet auf das Schweizer Milchgeld, dann kommt immer die Antwort: „Ja dieser Kieler Rohstoffwert, da wird kein Kilogramm Milch gehandelt und das ist nur ein theoretischer Wert, der hat keine Bedeutung.“ Aber im letzten Nordostmilch-Info, da haben sie den Kieler Rohstoffwert drauf, wenn er nach unten geht. Jetzt ist er plötzlich wichtig, um das Heruntergehen plausibel zu machen, und dann wenn er uns eigentlich das Argument geben würde für eine Preissteigerung, dann ist er nicht relevant. Das sind alles so Kleinigkeiten, bei denen ich denke… Ich würde mich wahrscheinlich ein bisschen schämen, wenn ich an solchen Positionen arbeiten würde und einmal Hüst und einmal Hott predigen müsste. Ich könnte das nicht, da wäre ich wirklich nicht der Typ dazu.“

Zur aktuellen Ausrichtung der SMP:

„Das Problem ist, wenn man akzeptiert, dass es so laufen muss, wie das aktuell eben im SMP der Fall ist. Der gibt keine Gegensteuer mehr und ist schon gar nicht mehr gewillt, seine Position in der Öffentlichkeit zu markieren. Oder habt ihr ausser dieser Lactofama-Geschichte irgendetwas, eine Position des SMP gesehen oder gelesen, die nicht nur leere Worte sind? (…) Also es ist ein bisschen schlimm, dass der SMP halt auch die Weitsicht verloren hat. Dass er den Kopf nicht mehr aufheben kann, nicht mehr nach vorne schauen kann und nicht mehr sieht, was eigentlich Sache ist, welche Interessen er vertreten muss. Das ist wirklich bedenklich.“

Zur den Ehrengästen an der SMP-DV:

„Das Interessante ist ja, dass an der SMP-Delegiertenversammlung, die gewesen ist, die Industrievertreter in corpore als Ehrengäste eingeladen waren. Uns und die Uniterrre haben sie heuer nicht mehr eingeladen. Die will man nicht dabei haben, die stören den Frieden, mit der Industrie aber will man gut Wetter machen. Das ist kein Versehen oder ein Zufall, das ist so gewollt. (…) In der Zeitung konnte man ja lesen, was für ein Ton angeschlagen worden ist gegenüber denen, die andere Meinungen haben.“  

Allgemein zu Delegiertenversammlungen:

„An Delegiertenversammlungen könnt ihr schon aufstehen und etwas sagen, da werdet ihr einfach ‚obenabe geputzt‘. Da ist einfach die Frage, wer sich das antut. Auch bei kleineren Milchhandelsorganisationen ist dies immer wieder die Geschichte, dass jemand, der eine andere Meinung vertritt, vom Vorstand …. Die fühlen sich verpflichtet, dass sie das Credo der Marktliberalisierung beten und die fühlen sich dann natürlich persönlich angegriffen, wenn einer kommt und sagt „Halt, wir müssen doch, wir sollten doch“. Dann wird dieser einfach fertiggemacht. Da wird nicht mehr sachlich argumentiert. Das höre ich immer wieder von Kollegen, die sich an diesen Versammlungen noch getrauen, das Maul aufzutun. Die meisten sagen ja nichts mehr.“

Zum Ankemödeli des SMP:

„Eine Randbemerkung muss ich doch noch machen: Ich erhielt nun doch noch ein Ankemödeli vom SMP auf Ende Jahr zugeschickt. Wir haben das ganze Jahr nie miteinander gesprochen, seit Kern gewählt worden ist. Aber mit dem Ankemödeli kam ein Schreiben, in dem sie uns für die gute Zusammenarbeit dankten.“

Zur Lactofama AG:

„Dass unser Dachverband jetzt halt wirklich dermassen mit dem Rücken zur Wand steht, dass er einfach nichts anderes mehr weiss als Geld einzuziehen und mit dem Geld die Butter-Überschüsse zu entsorgen, das ist eine traurige Geschichte für mich. Und es zeigt auch die Ohnmacht dieser SMP-Führung, dass man wirklich nicht mehr vorwärts schauen kann und nicht mehr nachhaltige Lösungen bringt, sondern sich nur noch auf etwas Feuerwehr beschränkt. (…) Es beschäftigt uns sehr, dass dem SMP nichts Gescheiteres mehr in den Sinn kommt, als jetzt Geld einzuziehen, um die Überschüsse zu entsorgen.“ 

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