19.02.2015 07:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
«Wertschöpfung nicht vernichten»
Der Milchmarkt ist in der Krise. Die Milchbauern erhalten flächendeckend im Februar nur noch Milchpreise von um die 50 Rp./kg. SMP-Direktor Kurt Nüesch sagt, was sein Verband dagegen macht.

«Schweizer Bauer»: Auf ein relativ gutes Jahr 2014 folgte im Milchmarkt auf 2015 ein Absturz sondergleichen. Hat man dies nicht kommen sehen?
Kurt Nüesch: Man wusste seit letztem Sommer, dass es preislich aufgrund der Situation auf den internationalen Märkten eine Bewegung gegen unten gibt. Aber man konnte nicht voraussehen, in welch dramatischem Ausmass.

Die meisten Milchbauern erhalten derzeit nur noch rund 50 Rp./kg für ihre Milch. Wird der schwache Euro nicht für alles und jedes missbraucht?
Für mich war die Aufhebung des Mindestkurses ein Schock. Umgerechnet sank der EU-Milchpreis von einem Moment auf den anderen um 5 Rp./kg Milch. Hier geht es jetzt darum, den «Schaden» zu minimieren. Der Detailhandel und die Verarbeiter sind aufgefordert, nicht unnötig Wertschöpfung zu vernichten. Hier haben wir uns in den letzten Wochen stark engagiert und wehren uns vehement dagegen, dass die Milchbauern zu Restgeldempfängern werden.

Genau dies hat aber Emmi gegenüber seinen Aktionären kommuniziert. Dass diese nämlich Ende Jahr keine Gewinneinbusse haben sollen.
Für mich ist klar, dass sowohl Emmi als auch alle anderen Verarbeiter ihren Beitrag leisten müssen, um diese ausserordentliche Situation zu bewältigen. Da muss auch mal von den Gewinnzielen abgewichen werden. Ich stelle fest, dass die Verarbeiter in Bezug auf die weitere Entwicklung der Milchproduktion heute sensibilisiert sind wie noch nie. Sie wollen nicht, dass die professionellen, zukunftsgerichteten Betriebe im grossen Stil aus der Milchproduktion aussteigen.

Was ist Ihr Kommentar dazu, dass Emmi für C-Milch im Februar noch 10 Rp./kg bezahlt?
Wenn dies der Fall sein sollte, wäre es für mich nicht nachvollziehbar und inakzeptabel. Für uns hat aber der A-Preis Priorität. 

Auch der A-Milch-Preis liegt bei den Molkereien  mit rund 63 Rp./ kg rund  5 Rp./kg unter dem A-Richtpreis der Branchenorganisation Milch (BOM)…
Die effektiven Preise sind deutlich stärker gesunken als der Richtpreis, den wir aber bei 68 Rp./kg halten wollen. Ein Grund für die gesunkenen A-Preise ist auch das Schoggigesetz… 

…ja, aber Emmi zieht im Februar vom A-Preis von 63 Rp./kg noch einmal 4,1 Rp./kg für Frankenstärke und Schoggigesetz ab. Das gibt dann noch einen A-Preis von 58,9 Rp./kg, der damit 9 Rp./kg unter dem Richtpreis liegt. Muss man mit dieser Lücke einfach leben?
Es gibt noch rechnerische Korrekturen zu berücksichtigen. Tatsächlich bewegen sich die effektiven Auszahlungen aber in Richtung 55 Rp./kg, allerdings auch mit enormen Differenzen je nach Portfolio zwischen den Molkereien, aber auch in Abhängigkeit von Lademenge oder Gehalt.

Die genannten Entscheide bei Emmi wurden von Verwaltungsräten mitverantwortet, welche gleichzeitig als ZMP-Vertreter im SMP-Vorstand sitzen. Ist das aus Sicht der SMP noch glaubwürdig?
Also wir haben vom Preisbildungsmodell der Emmi-Direktlieferanten gesprochen. Was die ZMP machen, ist etwas anderes.

Wir reden von den Nicht-Emmi-Aktionären. Diese POs haben doch nicht bessere Preise als die Direktlieferanten?
Ich weiss, dass harte Verhandlungen zwischen den Direktlieferanten und Emmi, aber auch mit den anderen Vermarktungsorganisationen stattgefunden haben.

Aber SMP-Vorstandsmitglieder verantworten dies als Emmi-Verwaltungsräte mit.  
Die Preise wurden in der ersten Phase rein wechselkursbedingt teilweise wohl mehr gesenkt, als es gerechtfertigt war. Hier erwarte ich die entsprechenden Korrekturen. Das wurde auch deutlich deponiert.

Dass also auf März eine Korrektur nach oben passiert?
Je nach Entwicklung gehe ich davon aus, dass es Korrekturen geben wird. Es gibt aber auch weiter Preisdruck. Trotz allem bleibt die Segmentierung ein wichtiges Instrument. Dabei ist richtig, dass, wenn es funktionieren würde wie seinerzeit angedacht, es ja erwünscht wäre, dass der Preis für das letzte Kilo tief ist. Dann bräuchte es auch keine Lactofama, die C-Milch herauskauft. Aber das ist eben nicht der Fall. Auf den meisten Milchgeldabrechnungen wird oder würde ohne die Massnahmen der Lactofama gar keine oder nur wenig C-Milch ausgewiesen. Das widerspricht dem geltenden Reglement der BOM nicht, und wir können es in nächster Zeit nicht ändern.

Erklären Sie, weshalb es die Lactofama braucht.
Wenn C-Milch mit 20 Rp./kg bezahlt würde, ginge ein bedeutender Teil der Milch, die eigentlich in den C-Kanal gehen müsste, ins A- und B-Segment, oder sie geht, LTOplus-Regelung hin oder her, in die Billigkäseproduktion. In den kommenden Wochen dürfte weniger die hohe Milchproduktion das Problem sein, sondern wechselkursbedingt der Absatz. Die Einschränkungsmilch aus den Käsereien beispielsweise kommt zusätzlich auf den Milchmarkt.

Ein Problem ist auch, dass zu wenig Geld für den Rohstoffpreisausgleich übers Schoggigesetz da ist. Was fordern Sie hier?
Wir fordern zusammen mit der Branche die in Aussicht gestellte Erstattung von 85 Prozent und die dafür nötige Aufstockung von 70 auf 114,9 Mio. Fr. Ausserdem erwarten wir vom Bund zusätzliche Mittel für die Absatzförderung. Unser Marketing bereitet zurzeit mit Partnern diverse Massnahmen vor, um die Konsumenten in dieser Situation noch stärker zum Einkauf von qualitativ hochstehenden Schweizer Milchprodukten in der Schweiz zu animieren. Und dazu verlangen wir einen Ausgleich über zusätzliche Direktzahlungen. Sehr viele Milchproduktionsbetriebe erleiden mit der AP 14–17, dem Wechselkursschock und der gegenwärtigen Marktlage Einbussen von Zehntausenden von Franken und haben nur sehr beschränkte Möglichkeiten, dies zu kompensieren. Das ist gravierend und für viele dramatisch.

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