28.01.2016 08:56
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Weshalb ein Teil des Vorstandes gehen soll
Rund 160 Milchbauern unter der Führung von Roland Werner und Godi Siegfried beurteilen die Rolle der Thurgauer Milchproduzenten (TMP) rund um den Beitrag für Lactofama als kritisch. Sie fordern eine Abberufung eines Teils des Vorstandes. Siegfried und Werner haben ihr Vorgehen gegenüber schweizerbauer.ch begründet.

Rund 160 Milchproduzenten aus dem Gebiet der Thurgauer Milchproduzenten (TMP) haben die Beiträge an die Lactofama AG nicht bezahlt. Diese betragen 0,35 Rappen pro Kilogramm Verkehrsmilch.

TMP will Entsolidarisierung verhindern

Der Vorstand der TMP goutierte dieses Verhalten nicht. Er beschloss einstimmig, bei Nichterfüllung der statutarischen Verpflichtungen die betreffenden Mitglieder auszuschliessen. Der Vorstand sei nicht bereit, die Entsolidarisierung einer Minderheit hinzunehmen, so die Begründung. Den Bauern wurde zudem die Betreibung angedroht.

Die Mitglieder der PMO Züger/Forster haben einen Direktlieferantenvertrag mit klar definierter Jahresmenge beim jeweiligen Verarbeitungsbetrieb. Wird diese überschritten, wird  für Überschussmilch nur noch der halbe Preis bezahlt. «Dadurch halten wir Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht, und das Risiko der saisonalen Schwankungen haben wir bei den Verarbeitern angesiedelt», betonte Biomilchproduzent Godi Siegfried, Präsident der PMO Züger/Forster, gegenüber „Schweizer Bauer“ Ende November.

Vertrauen hat gelitten

Anfang Januar haben sich die Bauern versammelt. Man habe nichts gegen die gemeinsame saisonale Überschussverwertung, erklärte Godi Siegfried, der Präsident der PMO Züger/Forster. Das Vertrauen hat aber gelitten. Der Vorstand handle nicht in ihrem Sinne, sei überaltert oder stamme noch aus der Zeit der Kontingentierung und wisse nicht was es geschlagen habe, hiess es damals. 

Rund 130 Bauern haben ein Dokument unterschrieben, welches für die nächste TMP-Generalversammlung ein Abberufungsverfahren des Vorstandes verlangt. Nun wurden genügend Unterschriften gesammelt. Diese werden am Donnerstag auf der TMP-Geschäftsstelle überreicht.

TMP-Präsident soll gehen

„Wir sind seit längerem mit der Arbeit des TMP-Vorstandes im Bereich Milch unzufrieden. Das Verhalten, insbesondere jenes des Präsidenten, in der Lactofama-Angelegenheit hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, teilt Godi Siegfried am Donnerstagmorgen gegenüber schweizerbauer.ch mit.

Ein solches Verhalten sei nicht mehr akzeptierbar. „Wir fordern deshalb an der ordentlichen Generalversammlung vom 29. März 2016 die Abberufung vom Präsidenten und weiteren Mitgliedern des Vorstandes TMP“, betont Siegfried. Die Beweggründe zur Unterschriftensammlung sind im Kasten aufgelistet. 

Die Türe ist aber noch nicht ganz zugeschlagen. Man sei weiterhin bereit, unter Einbezug des gesamten Vorstandes, auf eine gemeinsame einvernehmliche Lösung hinzuarbeiten, so Siegfried.

Übergabe Unterschriften: Abberufung Teile des Vorstandes TMP

Weshalb wir Unterschriften gesammelt haben:

Fragen zur Lactofama als solches (nicht in Verantwortung TMP)
• Lactofama schafft Anreize, überschüssige Milch zu produzieren.
• Lactofama verhindert Anreize zu besseren Vermarktungsformen
• Lactofama widerspricht dem Reglement Segmentierung
• Lactofama schafft für Bauern mit exakter Vertragsproduktion ungerechtfertigte Doppelbelastung
• Lactofama hat, wenn schon als nötig empfunden, einen völlig unlogischen Kostenteiler (0.35 Rp. Basis / 0.1Rp. Aktionäre)

Fragen zur Beschlussfassung Lactofama (Verantwortung TMP)
• Undurchsichtiges Verhalten in der Bildung der Delegiertenstimmen
• Eindruck besteht, dass kritische Stimmen bewusst aussen vor gelassen wurden
• Keine Vernehmlassung unter den Marktorganisationen

Fragen zur Umsetzung Lactofama
• Kein Gespräch mit Meinungsträgern
• Von SMP geleitete Aussprache verdient den Namen nicht ("diktatorisches" Verhalten von SMP)
• Die laut TMP-Statuten bei Streitigkeiten vorgesehene Schlichtungskommission wurde nicht eingesetzt
• Es wurde ohne Ankündigung mit Ausschluss gedroht (einfache Methode, Andersdenkende auszuschliessen)
• Präsident TMP verspricht in Müllheim vor versammeltem Publikum keine Betreibungen
• Gesprächsangebot unsererseits nach Versammlung Müllheim wird nicht angenommen
• Plötzlich werden trotz anderslautendem Versprechen doch Betreibungsandrohungen verschickt

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