13.12.2018 09:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Zufferey
Bern
Wiesen- statt C-Milch
Im November 2019 soll der neue Milchverarbeitungsbetrieb fertig sein. Dann soll in der Naturpark-Käserei nicht nur Käse für den Export hergestellt, sondern auch Wiesenmilch für die Migros Aare abgefüllt werden.

Es muss wieder möglich sein, als Milchproduzent ein Einkommen zu erwirtschaften, das zum Arbeiten motiviert. Davon ist Hansueli Jungen, Landwirt aus Wimmis BE, überzeugt. Als Verwaltungsratspräsident ist er massgeblich in den Neubau der Naturpark-Käserei in Oey-Diemtigen involviert – die aber weit mehr wird als nur eine neue Käserei. Zumal man für die Kosten von fast 40 Millionen Franken um keinerlei Subventionen gebeten habe. 

6 Millionen Eigenkapital

Die rund 1900 Produzenten der Aaremilch AG, der Hauptaktionärin der Naturpark-Käserei und der Simmental-Switzerland AG als Betreiberin der Käserei und Vermarkterin der Käseprodukte, die dort hergestellt werden, müssen sich mit 6 Millionen Franken am Eigenkapital beteiligen. Etwa 20 Prozent oder rund 2 Millionen Franken am Aktienkapital hält auch die holländische Käsevermarkterin Royal A-Ware, und IP-Suisse hat ein Darlehen gewährt.

«Regionale, gute Käsespezialitäten gibt es in der Schweiz schon genug», meint Jungen, weshalb die neue Käserei in Oey-Diemtigen mit einem einzigartigen Konzept auffällt. Sie soll nicht nur eine Käserei werden, sondern auch eine Molkerei. «Es entstand aus der Idee, den Milchproduzenten wieder bessere Perspektiven zu geben, heute sind diese bestenfalls grenzwertig», meint er.  

In einem Jahr beginnt die Produktion

Im Mai sollen bereits die Einrichtungen installiert werden, sodass man am 1. November 2019 mit der Produktion beginnen kann. In der einen Hälfte des Gebäudes wird sich die Migros Aare einmieten, welche 5 Millionen Franken in eine Abfüllanlage für Wiesenmilch investiert (der «Schweizer Bauer» berichtete). Bei der Migros-Genossenschaft der Kantone Bern, Solothurn und Aargau sei Wiesenmilch nach den Bananen der am zweithäufigsten nachgefragte Artikel. Bisher wurde die Wiesenmilch bei Emmi im aargauischen Suhr abgefüllt. 

Wiesen- statt C-Milch 

Von der Wiesenmilch profitieren aus logistischen Gründen Bauern zwischen Thun und Spiez, die ganzjährig abliefern und rund 8 Millionen Liter Milch in diesen Kanal bringen. Weil für das Label Wiesenmilch auch die erschwerten Produktionsbedingungen abgegolten werden, etwa die Soja-freie Fütterung, sollen die Milchproduzenten sogar etwas mehr als nur den Vertragsmengenpreis bekommen. «Profitieren werden aber auch alle anderen 1900 Milchproduzenten der Aaremilch AG», betont Jungen, «weil dadurch der Grundpreis für alle Aaremilch-Produzenten gestützt werden kann.»

Für Hansueli Jungen ist letztlich die Idee hinter dem Käserei-Projekt wichtig. «Statt dass C-Milch in namenloser Pulvermilch verschwindet, suchten wir nach Lösungen für mehr Wertschöpfung und produzieren daher auch Käse mit einer Geschichte dahinter.» Hergestellt werden soll namentlich Bergkäse, Raclettekäse und speziell während der Produktionsspitze im Frühling auch Grosslochkäse. In einer Käserei in Reutigen läuft bereits schon die Vorproduktion, was vor allem dazu dient, die Abläufe durchzuspielen, damit in einem Jahr der Produktionsstart samt Export reibungslos funktioniert. Der Käse ist fast ausschliesslich für den Export vorgesehen.

Die jährlich verkäste Milchmenge soll rund 30 Mio. kg Milch betragen, die Käselagerkapazität bei 3500 Tonnen Hart- und Halbhartkäse liegen. 90% des Käses sollen in den Export gehen.

Logistik und Abpackung

Bis der Käse jedoch in den Regalen von europäischen oder gar weltweit tätigen Supermarktketten landet, bleibt er im Eigentum der Simmental-Switzerland AG. Die Zusammenarbeit mit Royal A-Ware beschränkt sich auf die Logistik und die Abpackung oder, um an Supermarktketten und an  andere Kunden heranzukommen. Auf diese Weise gerät der Naturpark, obschon die Naturpark Käserei AG Eigentümerin der Gebäude sein wird, etwas in den Hintergrund – denn für Jungen ist klar, dass der Name Simmental im Ausland bekannter sein dürfte als der Naturpark Diemtigtal. 

Einblicke für Zuschauer

Trotzdem ist Jungen davon überzeugt, dass der Naturpark Diemtigtal vom Werbeeffekt, den die neue Simmental-Switzerland-Käserei bringt, profitieren wird. Zumal man in der neuen Käserei auch den Mitarbeitern im Hygienebereich über die Schultern schauen kann. Von den für Besucher zugänglichen Bereichen der Käserei aus können zwar nur die Reifungskeller und das Salzbad direkt eingesehen werden, nicht aber der Bereich, wo der Käse produziert wird. Trotzdem wird man bis zu 100 Besuchern gleichzeitig das Handwerk des Käsens erklären können, die man mit Raclette, Fondue oder anderen am Ort hergestellten Käsegerichten sogar verköstigen kann. 

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