18.03.2016 06:09
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Milchmarkt
«Wieso stellen nicht mehr um?»
Der geplante Biomilchimport der Firma Züger bewegt. Auch die Züger-Lieferanten, dabei hätten sie es in eigenen Händen.

Der Saal im Casino Herisau AR war bis auf den letzten Platz besetzt. Gross war das Interesse an der diesjährigen Hauptversammlung der PMO Züger/Forster. Wohl mit ein Grund dafür war der geplante Import von Biomilch der Züger Frischkäse AG. Entsprechend zahlreiche kritische Voten, inklusive dasjenige eines PMO-Vorstandsmitgliedes, richteten sich an die Adresse Zügers.

Wer nicht liefert, verliert

Obwohl es sich «nur» um Veredelungsverkehr handelt, äusserten die Bauern unter anderem die Befürchtung, dass durch den Import sowohl der gute Ruf der Züger-Molkerei als auch derjenige der Schweizer Qualitätsprodukte aufs Spiel gesetzt werden könnte.  «Ich muss mich bis in die Westschweiz dafür rechtfertigen», hiess es etwa. 

Der CEO der Züger Frischkäse AG Christof Züger wies seinerseits auf die schlichte Notwendigkeit der Massnahme hin. «Fakt ist, wir haben im Sommer zu wenig Biomilch, wenn wir dies nicht überbrücken können und in dieser Zeit keinen Mozzarella nach Deutschland liefern können, brauchen wir diesem Kunden auch für den Rest des Jahres nichts mehr zu liefern.»

Preis für Biomilch nicht gestiegen

Betreffend Image hielt der Züger-Chef fest, dass erstens die Produkte mit importierter Milch nicht unter der Marke Züger verkauft werden würden und dass zweitens der Konsument vom Veredelungsverkehr kaum Notiz nehmen würde. «Unverständlich» ist für Christof Züger indes die Tatsache, dass in den vergangenen Monaten nicht mehr Lieferanten die Chance genutzt und auf Bio umgestellt hätten.

Daraufhin entgegneten ihm die Bauern, dass es halt eine Frage des Preises sei, sprich, dass wegen der knappen Menge der Preis eigentlich steigen müsste, dies ja aber nicht geschehe. Diese Überlegung wollte Züger wiederum nur bedingt gelten lassen. «Der Biopreis ist nicht gesunken, was relativ gesehen einem Aufschlag gleichkommt», erklärt Züger und schiebt nach, dass der Preisunterschied zwischen konventionell und bio nie grösser gewesen sei als heute.

Von Europa abhängig

Darüber hinaus hinge auch der Schweizer Biomilchpreis zu einem Grossteil vom europäischen Preisniveau ab, insbesondere bei Mozzarella-Exporten. «Ich hoffe aber, dass wir in zwei bis drei Jahren genügend Schweizer Biomilch haben werden und auf den zusätzlichen Import verzichten können», richtete Züger zum Schluss noch einmal einen Appell an die Produzenten.

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