5.03.2015 08:55
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Waadt
Windpark: Etappensieg für Umweltschützer
Das erste Windparkprojekt im Kanton Waadt steht im Gegenwind. Das Verwaltungsgericht hat einen Rekurs von Umweltschutzorganisationen teilweise gutgeheissen, weshalb der Kanton Waadt zusätzliche Abklärungen zum Lärm und zu den Auswirkungen auf die Vögel vornehmen muss.

Im Windpark in der Gemeinde Sainte-Croix im Jura oberhalb von Yverdon-les-Bains plant das Energieunternehmen Romande Energie sechs Windkraftanlagen. Das Projekt ist in der Gemeinde heftig umstritten, wurde von der Bevölkerung im Februar 2012 jedoch mit 53 Prozent an der Urne gutgeheissen.

Strom für 6100 Haushalte

Die sechs Windräder sollen 22 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren, was dem jährlichen Verbrauch von rund 6100 Haushalten entspricht. Nach dem Urteil des Kantonsgerichts dürfte sich der Baubeginn jedoch verzögern.

Die Umweltschutzorganisationen zeigen sich darüber erfreut. Der Kanton Waadt müsse beim ersten Bauprojekt für einen Windpark besonders beispielhaft vorgehen, hielten Helvetia Nostra und die Stiftung Landschaftsschutz am Mittwoch in einer gemeinsamen Medienmitteilung fest.

Fledermäuse und Höhe der Windräder

Nach Ansicht der Umweltschützer hätte zum Schutz der Vögel die Hälfte des vorgesehenen Gebiets von Beginn weg vom Planungsprozess ausgeschlossen werden müssen. Zudem sei die Fledermauspopulation im Frühling und Sommer, wenn die Tiere am aktivsten seien, nicht gemessen worden.

Aus dem Urteil der Verwaltungsabteilung des Kantonsgerichts gehe zudem hervor, dass die Windräder nicht höher als 100 Meter sein dürften, um das Landschaftsbild nicht zu gefährden. Beim Kanton rechne man jedoch mit 200 Meter hohen Anlagen, sagte Anne Bachmann von Helvetia Nostra auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Etappensieg

Es handle sich um das erste Mal, dass die Waadtländer Justiz anerkenne, dass die Abklärungen mangelhaft vorgenommen wurden, sagte Jean-Marc Blanc, Generalsekretär von Paysage Libre, der Dachorganisation der Gegner.

Das habe auch Auswirkungen auf andere Projekte, gegen die man kämpfe. Die Waadt wolle auf ihrem Kantonsgebiet langfristig 160 Windkraftanlagen von bis zu 150 Metern Höhe. Auch wenn nun ein Etappensieg gefeiert werden könne, sei der Konflikt damit noch nicht zu Ende, sagte Blanc.

Weiterzug vor Bundesgericht offen

Der Kanton nahm den Entscheid der Justiz zur Kenntnis und kündigte an, auf der Grundlage der verlangten zusätzlichen Abklärungen einen neuen Entscheid zu fällen.

Ob Romande Energie den Entscheid des Kantonsgerichts noch ans Bundesgericht weiterzieht, ist offen. Das Energieunternehmen will das Urteil erst im Detail analysieren und danach über einen allfälligen Weiterzug entscheiden.

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