25.12.2014 10:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Tobias Humm
Milchmarkt
«Wir haben Freude an der Milchwirtschaft»
Hanspeter Egli lebt in Trachslau SZ am Fuss der Mythen auf einem Hof mit 40 ha Wiesland. Er ist ein klassischer Milchproduzent und seit 18. November 2013 Präsident der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO).

«Schweizer Bauer»: Sie sind Präsident der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (abgekürzt VMMO). Was ist Ihre Aufgabe?
Hanspeter Egli: Unser Verband setzt sich auf politischer Ebene für die Interessen der Milchproduzenten ein, wir sind so etwas wie eine Gewerkschaft der Milchbauern. Wir stehen dabei im Spannungsfeld zwischen Verbrauchern und Politikern und vertreten ein Viertel der schweizerischen Milchbauern mit ebenfalls einem Viertel der Milchproduktion.

Bleibt daneben Zeit für die Arbeit auf dem Hof?
Mein Sohn hat soeben die Lehrabschlussprüfung gemacht und ist von mir auf dem Hof angestellt. Sonst wäre das nicht möglich. Seit mehr als 20 Jahren bilden wir Lehrlinge aus, und mein Vater hilft in Spitzenzeiten gerne mit. Aber ich investiere viel Zeit ins Amt, ich will kein Papierpräsident sein, sondern etwas bewegen. Sonst macht so ein Amt keine Freude.

Warum sind Sie Milchproduzent?
Unser Hof hatte immer ein Milchkontingent, und schon mein Vater war ein leidenschaftlicher Züchter von Original Braunvieh (OB). Diese Rasse passt zum Hof mit den vielen steilen Wiesen. OB sind anpassungsfähige und ruhige Tiere und bringen auch mit weniger fettem Futter guten Ertrag. Beim Stallneubau vor drei Jahren haben wir uns entschieden, mit der Milchproduktion weiterzumachen, und haben dann die Weichen in diese Richtung gestellt.

Wie lange wird diese Betriebsform noch überlebensfähig sein?
Die sinkenden Milchpreise der vergangenen Jahre machen uns keine Freude. Doch wir versuchen, auf unserem Land zu überleben und eine möglichst günstige Produktion zu erreichen. Das Land ist gut arrondiert, keine der Parzellen liegt weiter als einen Kilometer vom Hof entfernt. Aber sicher sind wir ohne Bundeshilfe nie konkurrenzfähig zum europäischen Ausland. Ein wichtiger Faktor für den Entscheid, bei der Milchwirtschaft zu bleiben, ist die Freude an dieser Arbeit.

Wie gestaltet sich die Arbeitsverteilung auf einem Hof mit drei Generationen?
Ich bin der Betriebsleiter und trage die Verantwortung. Unser Sohn entscheidet im täglichen Arbeitsablauf selbstständig. Wenn einer von uns einen Entscheid fällt, dann wird dieser mitgetragen. Wer mitarbeitet, muss auch mitreden können.

Warum haben Sie Original-Braunvieh-Kühe und nicht Brown-Swiss-Kühe?
Da spielt Leidenschaft mit und natürlich die Qualität der Tiere. Die sind an unser Gelände angepasst.

Wäre in der Hanglage nicht eine Fleischrasse ein Vorteil? Aufhören mit Melken und Direktvermarktung mit Fleisch?
Direktvermarktung ist ein grosser Aufwand, sehr anspruchsvoll und für unsere Hanglagen nicht besser geeignet. Statt an den Metzger verkaufen wir junge Tiere an Betriebe, die Mutterkuhhaltung machen, wofür die OB eben auch sehr geeignet sind.

Was darf aus Sicht der Milchproduzenten absolut nicht passieren? Was würde die Existenz direkt gefährden?
Hier ist die gesamte produzierende Landwirtschaft im gleichen Boot. Wir sind heute nahe an einer Politik, bei der die produzierende Landwirtschaft für ihre Leistung bestraft wird. Gras direkt in eine Biogasanlage zu bringen, darf nicht besser rentieren, als es zu verfüttern und Milch oder Fleisch zu produzieren. Auch die Tatsache, dass eine Fläche mit Buntbrache mehr abwirft als die gleiche Fläche Getreide, macht mir Sorgen. Es kann doch nicht sein, dass eine Buntbrache, die keinerlei Risiko birgt, rentabler ist als Getreide, bei dem ein hohes Risiko besteht und das Pflege braucht. Ich habe an dieser Entwicklung auch unter dem Aspekt, dass eine Milliarde Menschen hungern, keine Freude. Nahrungsmittel sind doch etwas anderes als Industrieprodukte, und man sollte sie nicht an der Börse handeln.

Wo liegen Stärken und Schwächen der Milchwirtschaft im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Produktionsformen?
Die Schwäche der heutigen Situation ist, dass ein Bauer, der sein Einkommen verbessern will, haufenweise Gesetze kennen muss. Besser wäre es, wenn er dafür seine Produktionsmethoden verbessern würde. Wir müssen dafür sorgen, dass die nachfolgende Generation das Produzieren nicht verlernt. Die Stärken liegen in den natürlichen Bedingungen, einer hohen Wertschöpfung auch in den vor- und nachgelagerten Betrieben, in der Professionalität der Verarbeiter, und auch der Ausbildungsstand der Bauern ist in der Schweiz sehr gut.

Was brauchen die Bauern für die Zukunft?
Verlässlichkeit der Gesetzgeber. Das gibt uns Planungssicherheit. Wir sind beweglich, können aber nicht alle vier Jahre eine Kehrtwende vollziehen. Wir müssen langfristig in Gebäude und Maschinen investieren.

Wird Ihr Sohn, der soeben die LAP mit Bestnote gemacht hat, auch eine Zukunft in der Milchwirtschaft haben?
Ganz bestimmt. Unser Betrieb hat sich in der Vergangenheit immer weiterentwickelt. Mit dem Bau des neuen Laufstalls ist es uns gelungen, die Arbeiten sehr effizient zu erledigen. Ich glaube, dass die Konsumenten auch in Zukunft bereit sein werden, für gute Produkte einen fairen Preis zu bezahlen.

Zur Person

Meisterlandwirt Hanspeter Egli aus Trachslau SZ ist 48Jahre alt, verheiratet und hat 3 Kinder. Der Betrieb in der Bergzone II, den Egli mit seiner Familie  in zweiter Generation bewirtschaftet, umfasst 40 Hektaren, 60 Stück Rindvieh, davon 25 Kühe. Er ist Gemeinderat und seit November 2013 Präsident der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO). Bis März 2014 war er Präsident der Bauernvereinigung des Kantons Schwyz. Zu seinen Hobbys zählt er das Spielen im Musikverein und das Skifahren. thw/sal

 

 

 

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