5.06.2014 12:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Silvia Knobel-Gisler
Rumänien
«Wir haben Lehrgeld bezahlt»
Das Projekt Alpkäserei in Rumänien ist zum Selbstläufer geworden. Auch das Folgeprojekt Kuhherde ist nach Anfangsschwierigkeiten auf gutem Weg. Nun haben die Projektverantwortlichen weitere Ideen in Angriff genommen.

Das Alpkäsereiprojekt in Rumänien läuft in einem Jahr aus. Ein letztes Mal wird deshalb im Mai 2015 ein Weiterbildungskurs zur Alpkäseherstellung durchgeführt. Danach können geeignete Personen, allen voran der Bauer und der Käser des Vorzeigebetriebs, in Gheorgheni selber Kurse geben.

Denn bereits beim letzten Besuch in Gheorgheni konnte Projektleiter Koni Suter vor Ort «perfekten Käse» probieren, wie er selbst sagt. Dies auch, weil sich die Milchqualität dank ersten Weiterbildungskursen bereits stark verbessert habe. Der Käse sei gar so gut, dass er reissenden Absatz finde und nicht wie in der Schweiz zum Reifen behalten werde könne.

Fokus auf Neues richten

Der Altendörfler Stefan Knobel, Präsident der involvierten Stiftung Lebensqualität, weiss, dass die Bauern, die vor Ort Käse herstellen, jetzt richtig stolz seien – ans Auswandern denken sie nicht mehr. «Mit dem Käser auf dem Vorzeigebetrieb der Caritas haben sie jetzt einen ‹kleinen Koni› vor Ort», sagt Knobel schmunzelnd. Und mit ihm eine Anlaufstelle bei Fragen.

Gerade weil das Käsereiprojekt so gut laufe, sei es Zeit, den Fokus auf etwas Neues zu richten: in diesem Fall die Kuhherde auf dem Vorzeigebetrieb in Gheorgheni. «Wir haben bereits zehn Kühe gekauft – gute Kühe», sagt Suter. Er räumt aber auch ein, dass sie Lehrgeld hätten zahlen müssen. Die ersten Tiere, die sie erworben hatten, hätten nicht gehalten, was versprochen wurde. Sie seien zurückgegeben worden.

«Mitte Jahr reisen wir erneut nach Rumänien, um weitere Tiere zu kaufen. Vielleicht sogar Jährlinge, die können wir dann nach unserem Gutdünken besamen», blickt Suter in die Zukunft. Ziel sei es auch, Kontakte zu knüpfen, die zu einer langjährigen Zusammenarbeit mit Tierhändlern führen könnten.

Es fehlt noch an Geld

Der Kauf von weiteren kleineren Kuhherden soll mithilfe des Mythen-Fonds ermöglicht werden. Noch aber reiche das angesammelte Geld für die Umsetzung nicht aus. «Wir brauchen rund 300'000 Franken in der Kasse», so die Verantwortlichen. Begleitend möchten Koni Suter und Stefan Knobel in Gheorgheni den Aufbau einer Landwirtegenossenschaft vorantreiben. «Das gemeinsame Auftreten der Bauern ist wichtig für die Vermarktung», weiss Suter.

Gerade jetzt, wo sich ein Grossverteiler ähnlich wie Volg für die Produkte der Bauern in Siebenbürgen zu interessieren beginne. Dies könnte den Bauern den regelmässigen Absatz in den lokalen Dorfgeschäften ermöglichen und somit eine gesicherte Einnahmequelle generieren. Bis dahin sei aber noch ein sehr weiter Weg zurückzulegen.

Futterqualität verbessern

In der Zwischenzeit werden diverse Bildungsprogramme der Fachbereiche Tierhaltung, Tiergesundheit, Medikamenteneinsatz, Stallbauten und vieles mehr erarbeitet und übersetzt. Im Frühling dieses Jahres besuchte zudem der Ausserschwyzer Futterbauexperte Koni Gmünder die Region Siebenbürgen. Er sei zwar begeistert von der Situation vor Ort, habe aber auch Verbesserungspotenzial vor allem betreffend Schnittzeitpunkt und Lagerung des Futters erkannt.

So hielt Gmünder ein erstes Referat und hat direkt erste Massnahmen zur Verbesserung der Futterqualität eingeleitet. «Aufgrund seiner Analyse vor Ort entsteht nun das Bildungsprogramm 2014 – Futterbau –, welches diesen Sommer den Bauern abgegeben wird», erklärt der Projektverantwortliche Koni Suter. Zuerst müsse es aber übersetzt werden. Mitte September ist eine Vorstellung der Rumänien-Projekte der Stiftung Lebensqualität im Dorfgaden Altendorf geplant.

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