29.11.2014 06:15
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
«Wir wollen dann auch Gegenrecht»
Die Branchenorganisation Milch (BOM) hat den Richtpreis für A-Milch um 3 Rappen von 71 auf 68 Rp./kg gesenkt. Für Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten (SMP), entspricht dies der Marktrealität.

«Schweizer Bauer»: Ist die Richtpreissenkung für A-Milch ein guter oder ein schlechter Entscheid?
Hanspeter Kern: Gut oder schlecht? Aus preislicher Sicht ist es ein schlechter Entscheid. Aus Sicht der Akzeptanz der Marktkräfte ist es ein richtiger Entscheid. Gut ist es nie, wenn der Preis für die Bauern sinkt. Von Produzentenseite müssen wir feststellen, dass die Marktrealität unter dem Richtpreis ist. Es bringt nichts, wenn wir einen Richtpreis haben, den niemand bezahlen will. Indem wir einen Schritt auf die aktuelle Preisgestaltung gemacht haben und eingefordert haben, dass,  wenn es in die andere Richtung geht, wir das Versprechen der Verarbeiter haben, ist es ein verantwortungsvoller Entscheid.

Bereits in den letzten Monaten sind bei vielen Milchhandelsorganisationen die Preise gesunken. Geht bei denen der Preis jetzt nochmals runter?
Nein. Es heisst nicht unbedingt, dass der Preis runtergeht. Dort, wo er bereits gesenkt wurde, ist das kein Zeichen, dass der Preis runter muss. Der Preis wird dort runtergehen, wo Abnehmer und Verarbeiter sich immer an den Richtpreis gehalten haben.

Eine prospektive Markteinschätzung gab es schon früher beim BOM-Richtpreis. Die Industrie hat immer gebremst, wenn der Preis von der Markteinschätzung hätte steigen sollen. Was gibt Ihnen die Gewissheit, dass der Preis dann steigt, wenn er es von der Markteinschätzung her sollte?
Die prospektive Markteinschätzung haben wir immer gehabt. Sie wurde vor eineinhalb Jahren nicht eingehalten, als der Preis hätte steigen sollen. Die prospektive Markteinschätzung wurde aber auch nicht eingehalten, als wir im letzten Quartal den Preis hätten senken sollen. Damit herrscht Gleichstand. Jetzt sind wir auf einer neuen Basis. Dazu haben wir uns durchgerungen. Wir haben zwar die Bestimmung, dass der BLW-Milchpreisindex gilt, wenn man sich nicht einig wird. Aber wir haben jetzt gesagt, dass wir bereit sind, uns den Marktrealitäten zu stellen. Wir haben aber auch klipp und klar ausgehandelt, dass, wenn es in die andere Richtung geht, wir Gegenrecht haben.

Spielt der BLW-Index überhaupt noch eine Rolle?
Der Index spielt schon noch eine Rolle. Vom Index aus beginnt man den Richtpreis zu diskutieren. Wir gehen jetzt wirklich davon aus, dass der Richtpreis auch für die nächsten sechs Monate halten wird. Wenn wir die internationalen Prognosen anschauen, dann wird der Tiefpunkt etwa im Frühling erreicht, und der Preis wird danach wieder steigen.

Dann wäre es nicht günstig gewesen, aufgrund des Indexes in drei Monaten einen neuen Preis festzusetzen…
Ja. Wenn man den Index jetzt durchgedrückt hätte, dann wären wir absolut marktfremd gewesen. Die Differenz zwischen EU-Preis und Richtpreis war zu gross.

Konnten Sie damit noch Schlimmeres verhindern?
Persönlich habe ich wie jeder Milchbauer keine Freude, dass der Richtpreis runtergeht. Wir müssen aber schon akzeptieren, dass wir eine gewisse Parallelität mit dem EU-Milchpreis haben. Zwei Drittel unserer Milch sind im internationalen Wettbewerb. Wir sind zudem überzeugt, dass die Preise zwischen der silofreien Produktion und der Silo-Produktion im Gleichgewicht sein müssen. Denn wir sind angewiesen auf gute Qualitätskäse mit einem guten Preis. Wenn der Preis sich immer stärker annähert, dann sind die Produzenten nicht mehr bereit, die zusätzlichen Lasten der silofreien Produktion auf sich zu nehmen, wenn sie fast den gleichen Milchpreis haben.

Das ist ja auch für die Käser gut…
Es ist für die Käser gut, es ist aber auch für die Käsereimilchproduzenten gut. Es war eine klare Aussage der Käser, dass sie den Preis für silofreie Käsereimilch halten wollen.

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