8.02.2016 09:03
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
Milchmarkt
Wird bald im Ausland verbuttert?
Schweizer Molkereien haben hohe Verarbeitungskosten. Die Lactofama prüft deshalb, Milch im Ausland verpulvern zu lassen.

Es ist mittlerweile eine breit anerkannte Tatsache: Es ist zu viel Milch auf dem Markt, und zwar saisonal wie strukturell. Deshalb laufen in der Lactofama AG die Drähte heiss, um auch dieses Jahr zumindest das saisonale Ungleichgewicht durch Aufkäufe überschüssiger Milch abzufedern. Das hat sie letztes Jahr in beträchtlichem Umfang getan. Von Februar bis Mai 2015 hatte die Lactofama AG bei den Aktionären 67,5 Mio. Kilo C-Milch aufgekauft und exportiert.

Emmi 12 Rappen teurer

Ob die Lactofama dieses Jahr wieder intervenieren soll, ist in der Branche umstritten. Ebenfalls umstritten ist aber auch, ob sie die aufgekaufte Milch bei einem der grossen Milchverarbeiter in der Schweiz verarbeiten lassen soll. Der Grund: Die Schweizer Molkereien haben deutlich höhere Kosten in der Verarbeitung als ausländische. So bezahlte Emmi den Bauern für C-Milch im Januar nur 14 Rp./kg, während der Kieler Rohstoffwert ab Hof 23 Cent pro kg (26 Rp.) beträgt. Das ist eine Differenz von rund 12 Rp./kg.

Bei grundsätzlich gleicher Verwertung sind also Schweizer Molkereien offenbar 12 Rp. teurer als ihre deutschen Mitbewerber. Warum aber sollen immer nur die Schweizer Milchbauern ihre Kosten senken und Abschläge hinnehmen, nicht aber die Schweizer Molkereien? Diese Frage wirft offenbar die Nordwestschweizer Milchhandelsorganisation Miba in einem Brief an die Lactofama auf. Dem Vernehmen nach fordert die Miba darin, dass die Verwertung der Lactofama-Milch im Ausland geprüft werden soll. Damit könnten die Bauern Kosten sparen.

Anfrage wird geprüft

Tritt der Verwaltungsrat auf dieses Ansinnen ein und erfolgt eine Ausschreibung des Auftrags auch im Ausland? Stephan Hagenbuch, stellvertretender Direktor der Schweizer Milchproduzenten (SMP) und Geschäftsführer der Lactofama AG, dementiert  auf jeden Fall nicht: «Diese Themen sind uns bestens bekannt. Es werden alle sinnvollen Massnahmen geprüft.»

Hagenbuch bestätigt auch, dass die Schweizer Molkereien wesentlich teurer verarbeiten als ihre Konkurrenz im Ausland. «Es ist kein Geheimnis, dass eine Verarbeitung in der Schweiz grundsätzlich im schweizerischen Kostenumfeld stattfindet», bestätigt er. Es könnte aber Lactofama-internen Widerstand gegen die Verarbeitung im Ausland geben. In deren Verwaltungsrat sitzen Pirmin Furrer und Clément Moret. Furrer ist Geschäftsführer der Emmi-Hauptaktionärin ZMP, Moret ist Sekretär der Cremo-Hauptaktionärin FSFL. Emmi und Cremo wollen sich den Lactofama-Auftrag kaum entgehen lassen.

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