26.06.2013 13:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Witterung
Witterung: Versicherer erwarten künftig mehr Schäden
Überschwemmungen, Stürme und andere Naturkatastrophen werden in der Schweiz künftig mehr Schäden anrichten als bisher. Davon gehen der Schweizerische Versicherungsverband (SVV) und der Bund aus. Um sich dagegen zu wappnen, investieren die Versicherer mehr in die Prävention.

Vorausschauende Massnahmen seien zwingend, sagte David Bresch, Leiter Nachhaltigkeit beim Rückversicherer Swiss Re, am Mittwoch vor den Medien im Berner Mattequartier. Prävention sei zwar nicht gratis, aber dennoch «billiger als zuwarten». Geschehe nichts, so bestehe die Gefahr, dass übermässige Schäden zur Norm und die Grenzen der Versicherbarkeit erreicht würden, mahnte Bresch. 

Schadenpotenzial nimmt zu

Auch Lucius Dürr, Direktor des Versicherungsverbandes, warnte davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Schweiz verfüge mit der Elementarschadenversicherung zwar über ein sehr gutes Instrument. Die Versicherungsdeckung sei hoch und die Prämien dank dem Solidaritätsprinzip bezahlbar. Es gebe aber weitere Aufgaben, die angepackt werden müssten. 

Das Schadenspotenzial nehme zu, sagte Josef Hess, Vizedirektor des Bundesamtes für Umwelt (BAFU). Versicherer, öffentliche Hand und die Bevölkerung müssten daher ihren Teil dazu beitragen, damit das Sicherheitsniveau erhalten und fallweise verbessert werden könne. 

Bereits in den letzten zehn Jahren sei viel in die Prävention investiert worden, sagte Hess. Eigentlich müsste die Schadenssumme daher sinken, dies sei aber nicht der Fall.

Mehr Schäden wegen Wirtschaftswachstum 

Die Zunahme der Schadensfälle ist laut Bresch von Swiss Re vor allem auf das Wirtschaftswachstum zurückzuführen. Da beispielsweise mehr gebaut wird, können auch an mehr Gebäuden Schäden entstehen. 

Als weiterer Faktor kommt laut Bresch der Klimawandel ins Spiel. Dessen Auswirkungen auf extreme Naturereignisse lassen sich zwar bisher noch nicht belegen. Um die zukünftigen Schäden abzuschätzen, müssten aber die ökonomische Entwicklung und die Klimaveränderung berücksichtigt werden. 

Naturgefahrengerechtes Bauen

Damit die Kosten in Zukunft nicht aus dem Ruder laufen, engagieren sich die Versicherer beispielsweise in Hochwasserschutzprojekten oder bei der Aufforstung von Schutzwäldern. Zudem investieren sie in die wissenschaftliche Erforschung des Klimawandels und dessen Auswirkungen. 

Eine wichtige Präventionsmassnahme ist laut BAFU-Vizedirektor Hess zudem das naturgefahrengerechte Bauen. In der dicht besiedelten Schweiz sei es nicht möglich, in Gefahrengebieten überhaupt nicht zu bauen. Mit erhöhten Lichtschächten und weiteren einfachen baulichen Massnahmen können die Schäden aber minimiert  werden. 

Prävention zahlt sich aus 

Bund und Versicherer engagieren sich laut Hess deshalb darin, die Kompetenz zu diesem Thema beispielsweise bei Planern und Ingenieuren zu stärken. 

Dass sich Prävention auszahlt, zeigte sich bei den starken Regenfällen Anfang Juni: Die präventiven Massnahmen hätten dazu geführt, dass weniger Schäden entstanden seien, sagte Martin Wüthrich vom Versicherungsverband. Das Unwetter hatte damals einen Schaden von rund 40 Millionen Franken angerichtet.

Jeder zweite Schweizer wegen Naturgefahren beunruhigt  
 
Gut jede zweite Schweizerin und jeder zweite Schweizer fühlt sich beunruhigt durch die Naturkatastrophen in den letzten Jahren. Das zeigt eine vom Versicherungsverband am Mittwoch veröffentlichte Studie des Meinungsforschungsinstituts Demoscope. Im Vergleich zu 2008 stieg der Wert um fast zehn Prozentpunkte an. 

Rund ein Drittel der Befragten gaben an, dass die Schäden aus Naturkatastrophen auf menschliche Eingriffe in die Natur zurückzuführen sein. Knapp jeder Dritte sah die Klimaerwärmung als Ursache, jeder Vierte führte die Katastrophen auf «Launen der Natur» zurück. 

Wie die Umfrage weiter zeigt, finden zwei Drittel der Befragten, dass die Prävention von Naturkatastrophen Aufgabe des Staates sei. Knapp ein Drittel sah dies als Aufgabe der privaten Versicherungen an, ein Fünftel als Aufgabe jedes Einzelnen.

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