Mittwoch, 2. Dezember 2020
20.12.2013 09:00
Herkunftsbezeichnung

Wo Alp drauf ist, ist selten Alp drin

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Von: Daniel Salzmann

Schweizer Firmen werben gerne mit dem Image der Berggebiete. Nicht immer ist aber in Berg- und Alpenmilchprodukten Milch aus dem Berggebiet drin. Das widerspricht zwar der Berg- und Alpverordnung. Doch die gilt im Ausland nicht.

Schneebedeckte Berge, behornte Kühe am Weiden, Kinder in Tracht – wer die Verpackungen der Schweizer Villars-Schokolade betrachtet, gewinnt fast den Eindruck, diese Schokolade werde in Alphütten produziert. Caillers stellt einen «Souvenirs»-Schoggi-Würfel her, der mit Bildern von Matterhorn, Eiger und blühenden Bergwiesen geschmückt ist. Lindt&Sprüngli bietet kleine Schöggeli gar in einer Milchkanne an, in die das Matterhorn, Edelweiss und Enziane graviert sind.

In Deutschland – nicht in der Schweiz – verkauft die Firma eine 300-Gramm-Tafel Milchschokolade als «Schweizer Alpenvollmilch-Schokolade». Der Mondelez-Konzern stellt in Deutschland Milka-Schokolade her und wirbt mit dem folgenden Slogan: «Milka-Alpenmilch ist der leckere, zart schmelzende Schokoladengenuss aus 100% Alpenmilch.»

Kaum Alpmilch drin

Zwar enthalten die Schweizer Schokoladenprodukte in aller Regel Schweizer Milch in der Form von Pulver und Kondensmilch, doch nur in den seltensten Fällen stammt diese von einer Alp beziehungsweise aus dem Sömmerungsgebiet. Die Älpler, welche die hoch gelegenen Weiden pflegen, sie von Steinen befreien, die Bergbauern, welche die steilen Hänge mühsam mähen und sie vor dem Waldeinwuchs schützen – sie alle profitieren nicht oder höchstens indirekt, indem dadurch Milch-Lieferkanäle bestehen oder Steuern anfallen.

Für Milch und Milchprodukte schreibt die Schweizerische Berg- und Alpverordnung (BAIV) vor, dass für die Verwendung der Bezeichnungen «Berg» und «Alp» sowie Ableitungen davon die Kriterien der BAIV erfüllt werden muss. Das bedeutet, dass «Alpenvollmilch» auch tatsächlich Alpmilch sein muss.

Und diese BAIV ist der Grund dafür, dass Lindt die genannte Milchschokolade nur in Deutschland als «Alpenvollmilch-Schokolade» bezeichnet. Der «Swiss Alp Cheese» von Emmi, der auch alles andere als ein Alpkäse ist, profitiert von einer Ausnahmeregelung der BAIV, weil die Marke schon seit Langem registriert ist.

Auch Swissmooh mit Alp

Auch wer in der chinesischen Stadt Quingdao den Swissmooh-Laden betritt, wähnt sich in den Schweizer Bergen. Pressebilder von der Ladeneröffnung im Mai zeigen, dass grossflächig Poster mit Schneebergen, grünen Weiden und behornten Kühen aufgehängt sind. Dasselbe Bild prangt auf allen Swissmooh-Verpackungen, darunter steht der Slogan: «100% pure swiss milk.»

Auf der Swissmooh-Homepage war bis am Montag noch der Slogan «100% swiss alpine milk» zu lesen, der unzulässig gewesen wäre, denn Swissmooh verarbeitet nicht ausschliesslich Alpmilch und profitiert von Exportförderbeiträgen des Bundes. Nach einer Anfrage des «Schweizer Bauer» wurde der Slogan ersetzt. Der Alp-Slogan stamme noch aus einer früheren Phase, und zwar aus der Werbung, klärt René Schwager, Geschäftsführer der Nordostmilch AG, auf, in deren Besitz die Swissmooh ist.

Nordostmilch: A-Richtpreis – Emmi: B-Richtpreis

«Wenn wir in China ein Milchprodukt verkaufen wollen, müssen wir auf das Berg-Image der Schweiz setzen», stellt Schwager klar. Swissmooh verkauft in Ostasien Milchprodukte, die sie in der Schweiz im Lohn aus ihrer Milch herstellen lässt, unter anderem bei der Hochdorf AG in Sulgen und bei gewerblichen Käsereien. Für den Milchpreis bei den Swissmooh-Exportprodukten gebe der  Verwaltungsrat als preisliches Ziel den A-Richtpreis vor, sagt Schwager. Hier profitieren die Nordostmilch-Lieferanten also auch preislich.

Für Exportprodukte ist dies alles andere als selbstverständlich. Für die Milch in Joghurt etwa, die Emmi nach Hongkong exportiert, muss laut Segmentierungsreglement nur der B-Preis bezahlt werden. Das hindert Bundesrat Johann Schneider-Ammann nicht daran, den Export von Joghurt nach Asien öffentlich als erste Zukunftschance für die Schweizer Landwirtschaft zu bezeichnen. Bekannt ist auch, dass die Migros für die Heidi-Bergmilch, die in Estavayer FR verarbeitet wird, keinen Rappen zusätzlich bezahlt.

Gute Beispiele

Mit Alpkäse lässt sich eine recht hohe Wertschöpfung erzielen. Innovative Bergkäsereien und -molkereien – unter vielen sei hier nur die Bio-Sennerei Splügen GR erwähnt – ermöglichen den Bergbauern für ihre Milch einen Mehrwert. Auch in den Grossverteilern gibt es  Beispiele von Produkten, wo «Berg» nicht nur drauf, sondern auch drin ist und wo für das Berggebiet ein Mehrwert herausschaut. So gibt es in Berner Coop-Läden etwa Pro-Montagna-Bergmilch, die auch im Berggebiet, von der Käserei Kreuzweg in Schwarzenegg BE, hergestellt wird. Und das Lenker Gletscherbach-Fondue von der Lenk Milch AG enthält Lenker Alpkäse und Bergkäse. sal

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