5.07.2018 08:39
Quelle: schweizerbauer.ch - Julia Spahr
Bern
Wo Gemüse ein neues Leben bekommt
Seit einem Jahr steht in der Berner Altstadt der «Gmüesgarte». Dort gibts Gemüse und Früchte zu kaufen, die Landwirte nicht verkaufen können, weil sie etwa in Form und Grösse nicht der Norm entsprechen. Die Betreiber suchen weitere Landwirte.

«Ich bin auf einem Bauernhof im Seeland aufgewachsen und habe erlebt, was es bedeutet, Gemüse und Früchte zu produzieren. Dass viel davon weggeworfen wird, hat mir schon immer zu denken gegeben, und ich wollte mich dagegen engagieren», sagt Franziska Güder. Sie ist Geschäftsführerin und Gründungsmitglied des Gmüesgarte. 

40 Tonnen gerettet

Es ist ein Laden in der Berner Altstadt, in dem Gemüse und Früchte verkauft werden, die von Form und Aussehen her nicht der Norm entsprechen und keinen anderen Absatzort gefunden haben. Ebenso gibt’s im Gmüesgarte Salate, Smoothies und Suppen aus nichtnormierten Lebensmitteln. Vor einem Jahr haben Franziska Güder und ihre Partner Jan Henseleit, Geo Taglioni und Simon Weidmann den Laden eröffnet. 

Sie sind damit zufrieden, wie es gelaufen ist: Seit der Eröffnung «konnten 40 Tonnen Gemüse und Früchte verkauft werden, die sonst im Biomüll gelandet oder auf dem Feld liegen geblieben wären», heisst es in einer Medienmitteilung. Und Jan Henseleit sagte, sie hätten mit der Kundschaft durchwegs positive Erfahrungen gemacht. «Die Leute sind begeistert von der Idee. Grundsätzlich möchte niemand, dass Lebensmittel verschwendet werden.» 

Wertschätzung für Bauern

Auch für die Bauern, die die Produkte an den Gmüesgarte liefern, sei es eine Chance. «Einerseits vermitteln wir ihnen, dass alle ihre Produkte einen Wert haben, andererseits zahlen wir ihnen den marktüblichen Zweitklasse-Preis», sagt Geo Taglioni. Aus diesen Gründen hatte der Gmüesgarte keine Schwierigkeiten, Bauern zu überzeugen, mitzumachen. Nebst dem grossen Gemüseproduzenten Gutknecht Gemüse aus Ried bei Kerzers FR sind u.a. auch die Seeländerspargeln GmbH und die Terraviva AG (beide aus Kerzers) dabei. 

Ebenso wie kleinere Gemüseproduzenten wie etwa Simon van der Veer aus Sutz-Lattrigen BE. «Ich war von Anfang an dabei und liefere zum Beispiel Süsskartoffeln. Für mich ist es schön zu sehen, dass das Gemüse, das sonst verrotten würde, einen neuen Absatz findet», sagt der Landwirt.

Der Gmüesgarte ist auf der Suche nach weiteren Landwirten. «Wir sind besonders an langfristigen Partnerschaften interessiert», so Taglioni. «In speziellen Fällen nehmen wir Bauern aber auch einmalige Lieferungen ab. «Und wir nehmen das, was die Landwirte nicht loswerden können. Eine Nachfrage generieren wir nicht», ergänzt er. 

Eigenes Projekt

Für Jan Henseleit, Geo Taglioni, Simon Weidmann und Franziska Güder ist der Gmüesgarte nicht das erste Geschäft, das sie gründeten. Vor drei Jahren eröffneten sie die Ässbar in Bern. Dort werden Backwaren verkauft, die in Bäckereien am Vortag bis Ladenschluss nicht verkauft wurden. In diesem Projekt sind nebst ihnen vier auch die Oekonomische und Gemeinnützige Gesellschaft  Bern (OGG)* sowie die Ässbarholding involviert. 

«Dank der Ässbar hatten wir bereits ein gewisses Know-how, was den Aufbau eines Ladens angeht», sagt Henseleit. Den Gmüesgarte führen die vier jetzt aber ohne weitere Partner. «Simon und ich hatten schon immer die Idee, etwas mit Gemüse und Früchten zu machen», sagt Güder. Und Henseleit fügt an: «Als direkt neben der Ässbar ein Raum frei wurde, war das wie ein Zeichen, und wir haben das Projekt in Angriff genommen.»

www.gmüesgarte.ch 
*die OGG ist Herausgeberin des «Schweizer Bauer».

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