31.07.2019 15:19
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
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Würden Sie einen Boykott befolgen?
Am Schweinefleisch- und Molkereimilchmarkt haben sich die Fronten verhärtet. Verarbeiter haben die Preise gesenkt, Bauern sind empört. Verbände fordern Bauern und Händler auf, nicht zu tieferen Preisen zu liefern. Würden Sie bei einem Lieferboykott mitmachen? Abstimmen und mitdiskutieren

In den vergangenen Wochen sind in einigen Märkten trotz ausgeglichener Marktlage dunkle Wolken aufgezogen. Bauernverbände sind zutiefst verärgert und wollen diesen Umstand nicht einfach so hinnehmen.

Molkereimilch-Preis gesenkt

Am Molkereimilchmarkt haben die beiden Verarbeiter Elsa und Emmi beschlossen, die Produzentenpreise zu senken. Die Direktlieferanten von Elsa wurden über eine Reduktion von 3 Rp./kg per 1. Juli informiert. Emmi erhöhte ab selbem Datum die Marktabzüge (Schoggigesetz) um 0.4 Rp./kg auf 2,6 Rp./kg. Anfang Juli hat Elsa die Preisreduktion um einen halben Rappen auf 2,5 Rp. reduziert.

Für die Bauern und die Bauernverbände ein Affront. Denn die Marktlage deutet nicht auf einen tieferen Preis hin. Die sinkenden Tierbestände und die tiefen Produzentenpreise haben sich auf die Erzeugung ausgewirkt. Seit August 2018 ist die Milchproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat rückläufig. In den ersten fünf Monaten von 2019 haben sich die Einlieferungen gegenüber dem Vorjahr um 2,3 Prozent zurückgebildet. Eine Trendumkehr ist derzeit nicht in Sicht.

«Abschlag nicht nachvollziehbar»

Der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten (SMP) reagierten sehr verärgert. «Es ist nicht nachvollziehbar, wenn die bestpositionierten Unternehmen im Schweizer Markt auf die milchärmere Periode hin Milchpreissenkungen durchboxen wollen, während alle wichtigen Marktindikatoren entweder auf Stabilität oder eine positive Entwicklung hindeuten», teilten sie am 5. Juli mit.

Die Migros liess verlauten, man agiere in einem Markt, der einerseits durch Importdruck und andererseits durch den Einkaufstourismus geprägt sei. Gemäss Lukas Barth, Chefeinkäufer der Migros-Tochter Elsa, kaufen Schweizer Konsumenten jährlich für 300 Millionen Franken Milchprodukte im Ausland ein. Deshalb sei man nicht «gänzlich frei» in der Preisfestsetzung, sagte Barth zum TV-Sender «SRF». Die Migros bezahle mit 62,5 Rappen je Kilo immer noch einen überdurchschnittlichen Milchpreis, sagte der Migros-Genossenschaftsbund gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. 

Milchhändler sollen nicht mehr liefern

Der SBV und die SMP hingegen unterstellen dem Grossverteiler, er verbessere seine Marge auf Kosten der Produzenten. Sie fordern die Migros auf, die Preissenkung rückgängig zu machen. Die beiden Organisationen appellierten Ende Juli nun auch an die Milchvermarkungsorganisationen und setzen Druck auf. 

«Diese müssen konsequent solidarisch bleiben und auch ihrerseits gegenüber der Elsa oder anderen Abnehmern keine Preisnachlässe gewähren», betonen SMP und SBV. Alle Milchvermarktungsorganisationen werden aufgefordert, diese Position einheitlich zu vertreten. 

Preisdruck beim Schweinefleisch

In der vergangenen Woche sorgte erneut eine Migros-Tochter für Unmut. Micarna kündigte an, die Preise für Schweinefleisch um 10 Rappen pro Kilo Schlachtgewicht (SG) auf 4.40 Fr. zu senken. Dieser Abschlag sei nicht marktgerecht, kritisierten die Schweineproduzenten.

«Der preisbestimmende Abnehmer nützt seine Marktmacht schamlos aus. Diese Preis- und Marktpolitik irritiert und enttäuscht die Produzenten stark», monierte Suisseporcs. Es handele sich hierbei um eine Margenverbesserung auf dem Buckel der Produzenten.

«Bauer kann selber Abnehmer auswählen»


Die Migros schätzt die Marktlage hingegen anders ein. Sie hat ein Überangebot an Schweinefleisch festgestellt. Deshalb hat die Detailhändlerin mehrere Tonnen einfrieren müssen. Sie führt die Marktsituation auf geringere Verkäufe beim Grillfleisch, dies wegen der Hitze, sowie auf die Sommerferien zurück.

Die Migros-Tochter erachtet die aktuelle marktwirtschaftliche Situation nicht mit dem bestehenden Marktpreis vereinbar. «Trotz der Preissenkung bezahlt die Micarna nach wie vor 60 Rappen pro Kilogramm mehr als im Vergleich zum Vorjahr», sagte die Migros gegenüber schweizerbauer.ch. 

Die Kritik, die Migros nutze die Marktmacht aus, kann der Konzern nicht nachvollziehen: «Da in der Schweizer Landwirtschaft bezüglich der Vermarktung von Schweinen grundsätzlich die freie Marktwirtschaft spielt, kann jeder Landwirt jederzeit selbst entscheiden, welchem Verarbeiter er seine Tiere liefern möchte.»

Schweine nicht liefern

«Die Produzenten haben ihre Aufgabe erfüllt und das Angebot an die Absatzmöglichkeiten von Schweizer Schweinefleisch angepasst», hält der Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs fest. Dies bestätigen auch Händler. Diese sagen gegenüber «Schweizer Bauer», dass die Schweine problemlos platzierbar seien.

Die Suisseporcs will den Abschlag nicht einfach hinnehmen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die anderen Verarbeiter die Preise senken, ist sehr hoch. Deshalb appelliert sie an Bauern und Händler, die Schweine nicht für 4.40 Fr./kg SG an die Micarna zu liefern.

Wie denken Sie darüber? Sollten Bauern vermehrt ein Lieferboykott ins Auge fassen? Oder wäre dies gar kontraproduktiv? Und würden sich Bauern bei einem Lieferboykott solidarisch verhalten? Abstimmen und mitdiskutieren

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