17.05.2020 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Bern
Zielstrebig und eine Frohnatur
Die Jungbäuerin Lisa Rothenbühler führt mit ihren Eltern den Biohof Marlenberg in Lauperswil BE. Sie plant, den Betrieb zu übernehmen und in Vollzeit zu bewirtschaften. Bezüglich Einnahmequellen hat sie schon einige Ideen.

Es ist nicht einfach, mit Lisa Rothenbühler Schritt zu halten.  Um vom Biohof der Familie Rothenbühler, Bergzone 2, auf die Weide der Galloway-Rinder zu gelangen, geht es steil hinunter. Eine Strecke, die in die Beine geht. Nicht so für die 25-Jährige. «Ich bin es gewohnt.» Angesprochen auf die Hügellandschaft, meint sie: «Mein Papa sagt immer: Nicht jammern, das Beste daraus machen.» Und das sei auch ihr Motto. 

Alle packen mit an

Die Eltern Daniela und Jürg Rothenbühler bewirtschaften den 12-Hektaren-Hof auf dem Marlenberg in Lauperswil im Nebenerwerb.  Bereits seit Kindesbeinen an helfen Lisa und ihr Bruder Sven mit. Während sich ihr Bruder jedoch beruflich anderweitig orientierte, war es für Lisa Rothenbühler schon immer klar: «Ich will den Hof übernehmen.» Doch als es darum ging, eine Lehrstelle zu suchen, rieten die Eltern von einer Ausbildung zur Landwirtin ab. Dies, weil sie so zierlich sei. «Sie hatten Angst, ich könnte es nicht prästieren.» 

Aus diesem Grund lernte sie zuerst Floristin und erst in der Zweitausbildung Landwirt. Derzeit steckt sie in den Prüfungen der Betriebsleiterschule, im Sommer geht es weiter mit der Meisterprüfung. 

Es sei manchmal schon etwas schwierig, alles unter einen Hut zu bringen, räumt Lisa Rothenbühler ein,   zumal sie als Filialleiterin in einem 80-Prozent-Pensum einen Blumenladen in Münsingen führt. «Ich kann immer auf die Hilfe meiner Familie zählen.» Auch ihr Freund Christoph  Behrens ist stets zur Stelle,  doch weniger für das Stallen und Heuen. «Als gelernter Metallbauer ist er für alles zuständig, was ich kaputt mache», sagt Lisa Rothenbühler und lacht. 

Umstellung Mutterkuh

Bis 2002 wurde auf dem Marlenberg noch gemolken und anschliessend auf Aufzuchtrinder umgestellt. 2013 folgte eine Neuorientierung in  Richtung Mutterkuhhaltung mit Direktvermarktung. Angefangen mit zwei Galloway-Rindern, entstand nach und nach eine Herde. Aktuell zählt diese 7 Kälber, 9 Mutterkühe, 9 Ochsen und 1Stier.  Die Vermarktung des Fleischs gehört in den Aufgabenbereich von Lisa und Mutter Daniela Rothenbühler.  Geschlachtet wird in der Metzgerei Nyffenegger in Zollbrück, die Veredelung des Fleischs übernimmt Marcel Soltermann aus Littewil, ein Kollege der Jungbäuerin. «Er hat auch immer offene Ohren für unsere Ideen.» Als Beispiel nennt sie die Käsewurst. «Wir wollten eine Bratwurst, jedoch ohne Schweinefleisch beizumischen, sie sollte aber nicht trocken werden.» 

Doch nicht nur bei der Fleischveredelung zeigt sich Lisa Rothenbühler ideenreich. Auch sonst hat sie Visionen, die nur darauf warten, umgesetzt zu werden.  Denn in naher Zukunft möchte sie den Biohof übernehmen und als Vollzeitbetrieb führen. «Nebst Mutterkuhhaltung und Direktvermarktung benötige ich noch weitere Einnahmequellen, um den Hof rentabel führen zu können», sagt sie. Eine   davon ist die Förderung von Agrotourismus auf dem Hof. Auch schwebt ihr vor, ein Standbein in der Event-Floristik aufzubauen.  Will heissen: Sie stellt Blumengestecke für Firmenveranstaltungen, Hochzeiten und andere Anlässe her.  

Liebäugelt mit Politik

Lisa Rothenbühler ist nicht nur zielstrebig, sie hat auch klare Vorstellungen, was sie nicht will. Obwohl sie selbst einen Isländer, ein Maultier und ein Minishetty besitzt, möchte sie keine Pferdeboxen vermieten. Indessen wäre eine Fohlenweide eine Option. Und noch etwas schwebt ihr vor.  Wie ihr Vater Jürg Rothenbühler (BDP), der im Grossen Rat sitzt, möchte auch sie in die Politik einsteigen.

Agrotourismus

Lisa Rothenbühler strebt den Ausbau von Agrotourismus an.  Seit letztem Jahr steht unweit des elterlichen Biobetriebs Marlenberg in Lauperswil BE eine Art  «Baumhaus».  Entworfen hat dieses Vater Jürg Rothenbühler, der in Zollbrück BE eine Schreinerei betreibt. Als Präsident der Regionalkonferenz Emmental war er auf der Suche nach Möglichkeiten, Touristen ins Emmental zu holen. Entstanden ist ein «Haus auf Stelzen». Gäste können die aussergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit von Mai bis Oktober buchen. Unter der Treppe befindet sich eine Biotoilette. Beim Bauernhaus können die Gäste duschen, auch ein WC ist frei zugänglich. Das Frühstück mit regionalen Spezialitäten wird auf Wunsch vorbeigebracht. jgr

www.marlenberg.ch

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