17.12.2015 14:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Konjunktur
Zinswende stimmt CH-Ökonomen leicht optimistisch
Mit der ersten Leitzinserhöhung seit fast einem Jahrzehnt hat die US-Notenbank Fed den ersten behutsamen Schritt zurück in die Normalität gewagt. Der Aufwertungsdruck auf den Franken dürfte nun etwas nachlassen. Ein Ende der Negativzinsen ist aber vorderhand nicht in Sicht.

Die Fed hat die Märkte während Monaten rhetorisch vorbereitet, der Zinsschritt kommt für Experten denn auch alles andere als überraschend.

Kein Zinsfeuerwerk erwartet

Die Leitzinserhöhung sei die wohl «bestkommunizierte Notenbankentscheidung in der jüngeren Finanzmarktgeschichte», kommentiert VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. Die Fed habe getan, was man von ihr erwartet habe. «Ein Zinsfeuerwerk steht nun aber nicht vor der Tür.» Trotz der geringen Erhöhung um 25 Basispunkte auf 0,25 bis 0,5 Prozent könne man den Entscheid durchaus als historisch bezeichnen, so CS-Chefökonom Oliver Adler.

«Es ist ein erster Schritt nach sehr langer Zeit.» Auch von Seiten der UBS wird der Entscheid positiv aufgenommen. Der Schritt sei angezeigt gewesen, meint CIO Mark Haefele. Immerhin habe die US-Wirtschaft substanzielle Fortschritte gezeigt - nicht zuletzt im Arbeitsmarkt.

Dollar dürfte steigen

In den Fokus rücken nur vor allem die weiteren Schritte der Fed. Die meisten Beobachter erwarten ein sehr behutsames Vorgehen der US-Währungshüter bei den weiteren Zinsanhebungen. Die Notenbank selber teilte mit, dass das weitere Tempo der Erhöhungen vom wirtschaftlichen Ausblick und den Konjunkturdaten in den USA abhänge. «Mehr als einen bis zwei Zinsschritte erwarten wir im Wahljahr allerdings nicht», meint Raiffeisen-Ökonom Roland Kläger.

Für die Schweizer Wirtschaft ist der Zinsschritt zunächst in der Erstarkung des US-Dollars gegenüber des Frankens zu spüren. Weil der Dollar in den letzten Monaten in Erwartung dieser Zinserhöhung bereits zugelegt habe, erwarte er kurzfristig zwar keine «besondere Aufwertung», meint CS-Ökonom Adler. «Längerfristig jedoch dürfte er sowohl zum Euro als auch zum Franken weiter zulegen.»

Weiterhin Negativzinsen

Der Fed-Schritt bedeutet auch nicht, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) nun die Negativzinspolitik beenden wird. Denn weiterhin hängt die hiesige Geldpolitik stark von derjenigen der Europäischen Zentralbank (EZB) ab, die erst unlängst die Geldschleusen noch weiter geöffnet hat.

Und eine Straffung ist vorerst nicht abzusehen - eintreten könnte gar das Gegenteil: «Die EZB könnte gezwungen sein, nochmals expansiver zu werden, um einen Zinsanstieg in der Eurozone zu verhindern», hiess es am Donnerstag vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die SNB-Negativzinspolitik könnte der EZB gar als Vorbild dienen, befürchtet Ökonom Albert Steck von der Migros Bank. «Wenn nun zum Beispiel die EZB zum Schluss kommt, dass die Schweiz einen Negativzins von minus 0,75 Prozent gut verkraftet hat, dann wird sie eher versuchen, den Leitzins ebenfalls so weit zu senken.»

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