11.04.2018 12:30
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Verbände
ZMP sagen Nein zu SMP-Beiträgen
Die Delegierten der Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) lehnten am Mittwoch den Verbandsbeitrag an die Schweizer Milchproduzenten (SMP) ab. 148 Delegierte sagten Nein, nur 80 stimmten zu. Wenn aber die Delegierten der SMP nächste Woche den Beiträgen zustimmen, müssen die ZMP-Bauern die Beiträge trotzdem bezahlen.

Es war ZMP-Präsident Thomas Oehen, der den Ton vorgab. Er sagte schon einleitend: «Die Reorganisation SMP kommt nur zögerlich voran.» Die ZMP hätten im Herbst 2016 im SMP-Vorstand einen Antrag eingereicht, dass die SMP sich einer Reorganisation unterziehen, die Gremien zukunftsgerichtet aufstellen und eine Vorwärtsstrategie einschlagen sollen.

Ernüchternde Bilanz

Agieren statt reagieren, müsse das Motto sein. «Nach einem Jahr ziehen wir als Antragssteller eine ernüchternde Bilanz. Bisher sind für uns kaum zielführende Resultate erreicht worden. Wir vermissen den aufrichtigen Willen, wirklich etwas zu verändern.» Die Gefahr bestehe, dass sich weitere Organisationen von der SMP abwendeten und ihren eigenen Weg einschlügen, wie das «mooh» und diverse kleinere Handelsorganisationen jetzt schon machen. Später sagte er wörtlich: «Die SMP macht durchaus auch gute Arbeit, z. B. gegenüber dem Bundesamt für Landwirtschaft und in der Branchenorganisation Milch.»

Wendel Odermatt übte Kritik

Beim entsprechenden Traktandum trat Wendel Odermatt vom Wahlkreis Ob- und Nidwalden ans Mikrofon. Zu den 0,17 Rp./kg Verbandsbeitrag sagte er: «Wir sind nicht zufrieden mit der aktuellen Arbeit der SMP. Diese müssen jetzt endlich eine vernünftige Reorganisation machen.» Denn es gebe mittlerweile neue Kräfte- und Interessenverhältnisse. Wenn es so weitergehe, müssten die ZMP die SMP-Beiträge ablehnen.

«Wir vermissen die Leadershipfunktion der SMP.» Dabei bezog sich Odermatt vor allem auf die Nachhaltigkeitsprogramme, die mittlerweile fast jeder Detailhändler lanciere. Da laufe es so, dass die Bauern Mehrleistungen erbringen müssten, aber nur einen geringen Mehrpreis erhielten. «Es kann nicht sein, dass der Labelsalat noch grösser wird.» Da müssten die SMP vorangehen. Sonst müssten die Bauern dem ZMP den Auftrag erteilen, diese Funktion zusammen mit anderen Organisationen direkt zu übernehmen, drohte er. 

Hagenbuch hielt Entgegnung

Der anwesende SMP-Geschäftsführer Stefan Hagenbuch entgegnete direkt mit ein paar Folien, die er vorbereitet und mitgebracht hatte. Zuerst betonte er, die SMP kämen sofort in ZMP-Wahlkreise, um sich zu erklären – wenn sie denn eingeladen würden. Dann sagte er, dass die 0,17 Rappen an die SMP rund 5 Millionen Franken ergäben. Rund 2 Millionen davon würden die SMP aber wieder weitergeben: Im Kalenderjahr 2018 beispielsweise fast 700'000 Franken an den Schweizer Bauernverband, 390’000 Franken an den Landwirtschaftlichen Informationsdienst, 160’000 Franken an die Basiskommunikation des Bauernverbandes etc.

Zur Organisationsstruktur sagte Hagenbuch, dass die SMP-Führung offen sei für die Diskussion. Im Mai werde die eingesetzte Arbeitsgruppe verschiedene Strukturvarianten diskutieren. Wichtig ist Hagenbuch, dass möglichst viel Milch am Tisch sitze. Eine solche Reorganisation brauche aber Zeit. Zu den Nachhaltigkeitsstandards sagte Hagenbuch, dass es das Ziel der SMP sei, «einen grünen Teppich» bezüglich Nachhaltigkeit über die ganze Schweizer Milchproduktion zu legen. Er sprach von «einer aufgepeppten Suisse Garantie».

Vertikale Lösungen (wo ein Milchverarbeiter oder Detailhändler dies direkt mit seinen Lieferanten umsetzt), die nun in Diskussionen seien, sind für Hagenbuch nicht zielführend. Er sei froh, wenn aus der Basis nun Druck für einen gemeinsamen Standard entstehe, noch vor einem halben Jahr sei das nicht der Fall gewesen. Dem ZMP-Präsidenten, der den Dichter Goethe zitiert hatte, hielt Hagenbuch zum Schluss ein Schiller-Zitat entgegen, was bei den ZMP-Bauern vielleicht nicht so gut ankam. 

Oehen: «Müssen wohl trotzdem bezahlen»

Dann kam die Abstimmung. Zur Überraschung der Chefetage und der anwesenden hochkarätigen Gäste ging sie deutlich aus, und zwar zu Ungunsten der SMP. 148 Delegierte sagten Nein zu den Beiträgen, nur 80 sagten Ja, dazu kamen rund ein Dutzend Enthaltungen. ZMP-Präsident Thomas Oehen sagte dazu: «Als Mitglied der SMP sind wir von den ZMP verpflichtet, die Entscheide der SMP-DV umzusetzen.» Die ZMP-Delegierten würden nächste Woche an der DV der SMP in Bern Nein zu den Beiträgen stimmen. Doch er gehe davon aus, dass die Beiträge trotzdem eine Mehrheit fänden.

Dann müssten die ZMP-Bauern die Beiträge trotz dem Votum vom Mittwoch leisten. Es bliebe sonst nur die Alternative, dass die ZMP aus den SMP austreten würden. «Aber das würde die ganze Milchwirtschaft schwächen, das kann kein Thema sein», so Oehen. Er ist sicher, dass in Bern oben das Zeichen, das die ZMP-Delegierten am Mittwoch gesetzt hätten, verstanden werde. Man werde das Gespräch mit den Führungskräften der ZMP erneut suchen. 

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