14.11.2013 06:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Biolandbau
Zu wenig Getreide, zu viel Milch
Neue Bioackerbaubetriebe produzieren meist Biofleisch und Biomilch. Doch Biomilch gibt es derzeit mehr als genug.

Schweizer Biogetreide ist Mangelware. Nur gut ein Drittel des in der Schweiz verarbeiteten Biobrotgetreides stammt aus der Schweiz. Zwei Drittel werden importiert. So tragen denn bei Coop die meisten Biobrote nur die Bio-Knospe ohne Schweizer Kreuz. Das heisst, dass über zehn Prozent der verwendeten Rohstoffe ausländisch sind.

3000 Hektaren mehr biologisch bewirtschaftet


«Das Potenzial für Schweizer Biobrotgetreide ist noch gross», sagt Martin Roth, Produktmanager Getreide bei Bio Suisse. Insbesondere Weizen fehle. Dinkel und Roggen, die sich gerade für Grenzertragslagen eignen würden, seien ebenso gefragt. Bio Suisse wünscht sich auch mehr Futtergetreide, für das bereits während der Umstellzeit Knospe-Preise bezahlt werden. Auch für Raps und Sonnenblumen, wo die Inlandversorgung sehr tief ist, gibt es einen Umstellmarkt.

Seit einigen Jahren ist Bio Suisse aktiv auf der Suche nach umstellwilligen Ackerbaubetrieben. Mit einigem Erfolg: Per Anfang 2013 wechselten 245 Bauernfamilien neu zum Biolandbau. Und im letzten Jahr wurden im Talgebiet rund 3000 Hektaren mehr biologisch bewirtschaftet, die Mengen der übernommenen Knospe-Ackerbaufrüchte steigen. Doch die meisten Umstellbetriebe betreiben nicht nur  Ackerbau, sondern bringen auch Milch und Fleisch auf den Markt. «Das lässt sich nicht verhindern – und ist ja auch sinnvoll, denn mit dem hofeigenen Dünger können die Nährstoffkreisläufe geschlossen werden», sagt Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli im Interview mit dieser Zeitung.

Warteliste für neue Biomilchlieferanten

Doch der Biomilchmarkt ist überversorgt. Ende 2012 mussten mit Geld der Biomilchproduzenten 400 Tonnen Biobutter zu konventioneller Butter deklassiert werden. Gleichzeitig gelangten 400 Tonnen konventionelle Butter verbilligt auf den Weltmarkt. Noch 2013 wurde mindestens im Frühling Biomilch deklassiert.

Emmi erhebt seit August 2012 auf der Biomilch einen Deklassierungsrückbehalt, der derzeit  1,5 Rp./kg beträgt. So führen denn alle sechs von Bio Suisse anerkannten Produzentenorganisationen eine Warteliste für neue Biomilchlieferanten. Auch der Biofleischmarkt ist in mehreren Segmenten gesättigt. Bei Geflügel, Rind und Kuh ist aber laut Bio Suisse die Nachfrage nicht gedeckt, ebenso gebe es Chancen in Nischen wie etwa den Milchschafen.

Brändli betont, dass Bio Suisse trotzdem «jede neue Familie begrüsst, die in den Biolandbau einsteigt». Es gelte, die Nachfrage zu stärken.

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