20.09.2012 14:22
Quelle: schweizerbauer.ch - sal/sam
AP 2017
«Beim Namen Rösti spricht man nicht von Kartoffeln, sondern von Milch»
In einer Mammutdebatte beschäftigte sich der Nationalrat am Mittwoch mit der Agrarpolitik 2014-2017. Wir haben die besten Bilder und Zitate aus dem ersten Teil der Debatte zusammengestellt.

Beenden  konnte der Nationalrat die Debatte zur AP 2017 zwar am Mittwoch nicht. Sie wird voraussichtlich am  kommenden Mittwoch fortgeführt. Der erste Teil zeigte aber bereits,  dass trotz Widerstand aus Kreisen des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV) die Hauptpunkte der Vorlage von Landwirtschaftsminister Johann  Schneider-Ammann im Nationalrat Bestand haben dürften.

Neben der fachlichen Diskussion sorgten diverse kontroverse, geistreiche und witzige Bemerkungen für Erheiterung, aber auch zum Nachdenken.

Den Spruch des Tages brachte Balthasar Glättli (Grüne, ZH): «Wenn in der Agrarpolitik der Name Rösti fällt, dann spricht man nicht von Kartoffeln, sondern von Milch.»

Der angesprochene Albert Rösti (SVP, BE) brachte einen Vergleich zu den Machtverhältnissen zwischen Molkereien und Milchbauern: «Die abgelieferte Milchmenge eines Milchbauers oder einer Milchbäuerin entspricht dann, im Vergleich zu dieser Milchpackung, im Durchschnitt allenfalls der Grösse von zwei Stecknadelköpfen.»

Mehrfach war die angebliche Macht der sogenannten Agrarlobby ein Thema. So meinte etwa Ruedi Noser (FDP, ZH): «Bitte gestatten Sie mir, mit meinem Minderheitsantrag den Gottesdienst der Agrarlobbyisten etwas zu stören».

Auch Martin Landolt (BDP, GL) kam auf das Thema Eigeninteressen zu sprechen: «Wenn ich als Bankangestellter bei einer entsprechenden Vorlage meine Interessenbindungen nicht offenlegen würde, würde mir der Spiegel entgegengehalten werden».

Definitiv nicht zur Agrarlobby gehört Kathrin Bertschi (GLP, BE). Sie will namentlich nichts davon wissen, dass die Agrarpolitik einen Paritätslohn garantieren solle: «Bei einer konsequenten Neuausrichtung der Agrarpolitik darf es nicht mehr um eine pauschale Einkommenssicherung gehen».

Ursula Haller (BDP, BE) kam zur Erkenntnis, dass es die ideale Agrarpolitik nicht gibt: «Es gibt sie nicht, die eierlegende Wollmilchsau, und wir werden sie auch heute nicht finden.»

Gespannt sein durfte man auch auf die Voten der beiden Kandidaten fürs Bauernverbandspräsidium.

Andreas Aebi (SVP, BE) hatte einen Nichteintretensantag gestellt (der im übrigen deutlich abgewiesen wurde), und ihn wie folgt begründet: «Der Bauer soll mit weniger Ressourceneinsatz mehr Leistungen erbringen und erhält dafür am Schluss noch weniger als heute - diese Rechnung geht nicht auf!»

Auch Markus Ritter (CVP, SG), der ebenfalls Bauernverbandspräsident werden will, äusserte sich zur Inlandproduktion und zum Selbstversorgungsgrad: «Betrachtet man aber den Nettoselbstversorgungsgrad, so ist zu erkennen, dass dieser Wert kontinuierlich sinkt und nun nur noch 54 Prozent erreicht.»

Letztendlich kam auch der Agrarfreihandel mit der EU zur Sprache. Für Toni Brunner (SVP, SG) ist der Fall klar: «Im Grunde genommen ist die Agrarpolitik 2014-2017 eine flankierende Vorlage für die Öffnung der Grenzen.» 

Bundesrat Johann Schneider (FDP) hingegen wollte nichts davon wissen, dass die Vorlage etwas mit allfälligen Freihandelsprojekten zu tun habe: «Herr Nationalrat Noser hat seinen Antrag zurückgezogen, aber eine Frage gestellt. Es ging in seinem Antrag um den Freihandel, insbesondere um den Freihandel mit China. Das hat nichts mit der AP 2014-2017 zu tun und gehört nicht hierher.»

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