25.04.2014 10:35
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Direktsaat
Beiträge für Direktsaat ja, aber mit Auflagen
Eine reduzierte Bodenbearbeitung wird neu vom Bund mit Beiträgen entschädigt. Dafür wird aber der Glyphosateinsatz beschränkt. Für den totalen Herbizidverzicht gibts 400 Fr./ha. Dies ist eine Herausforderung.

Mit den Ressourceneffizienzbeiträgen werden in der AP 14–17 Anbauverfahren gefördert, welche die Ressourcen Boden, Wasser und Luft schonen. Dazu gehören die emissionsmindernde Ausbringung von Hofdüngern, der Einsatz von präziser Applikationstechnik im Pflanzenschutz und die reduzierte Bodenbearbeitung. Die Beiträge werden bis 2019 ausbezahlt.

Glyphosat beschränkt

Für schonende Bodenbearbeitung gibt es folgende Beiträge:

  • 250 Fr./ha für Direktsaat. Höchstens 25% der Bodenoberfläche dürfen während der Saat bewegt werden. Der Striegel mit einer Arbeitstiefe von ca. 2 cm darf eingesetzt werden.
  • 200 Fr./ha Streifenfrässaat und Strip-Till (Streifensaat). Höchstens 50% der Bodenoberfläche dürfen vor oder während der Saat bearbeitet werden.
  • 150 Fr./ha für Mulchsaat. Der Boden darf höchstens 10 cm tief und  pfluglos bearbeitet werden.

Keine Beiträge gibt es für:

  • Kunstwiesen mit Mulchsaat
  • Gründüngungen und Zwischenkulturen
  • Weizen oder Triticale nach Mais (Fusarienproblematik)

Um die Beiträge zu erhalten, darf der Pflug von der Ernte der vorangehenden Hauptkultur bis zur Ernte der beitragsberechtigten Hauptkultur nicht eingesetzt werden. Zudem ist der Glyphosateinsatz mit 1,5 kg Wirkstoff pro Hektare begrenzt. Dies entspricht:

  • 4,16 l/ha Präparat mit 360 g/l Wirkstoff (z.B. Glyfos, Touchdown System 4)
  • 3,33 l/ha Präparat mit 450 g/l Wirkstoff  (z.B. Roundup Turbo)
  • 3,125 l/ha Präparat mit 480 g/l Wirkstoff (z.B. Roundup Profi, Roundup Power Max)

Optimierter Einsatz

«Diese Beschränkung bei der Wirkstoffmenge ist je nach Kultur nicht einfach umzusetzen», sagt Heinrich Hebeisen, Pflanzenbauberater am BBZN Hohenrain LU. «Ein optimierter Glyphosateinsatz wird noch wichtiger.» Hebeisen nennt dazu folgende Massnahmen:

  • Kleinstmögliche Brühmenge (< 200 l/ha)
  • Bei hartem Wasser (> 25°fH) 0,3–5 kg Ammonsulfat pro 100 l Spritzbrühe oder Checkpoint beigeben (unbedingt vor dem Glyphosat gut ins Wasser einrühren). Dies bindet die Härtebildner und verbessert die Wirkung des Glyphosats.
  • Fahrgeschwindigkeit 7 bis 9 km/h, angepasster Spritzdruck

Zur Behandlung sollte windstilles und wüchsiges Wetter herrschen. Die Spritzbrühe soll auf trockenen oder leicht taufeuchten Zielpflanzen rasch antrocknen. Insbesondere bei der Behandlung von Kunstwiesen oder bei Problemunkräutern wie Quecken oder Disteln seien die 1,5 kg/ha Glyphosat eine Herausforderung, meint Hebeisen: «Im Mais hat man die Möglichkeit, mit Sulfonylharnstoffen eine Nachbehandlung zu machen.»

Besteht bei der tiefen Wirkstoffmenge die Gefahr von Resistenzbildung? «Grundsätzlich kann es schon sein, dass bei niedriger Dosierung Pflanzen überleben und mit der Zeit resistent gegen Glyphosat werden», sagt Frédéric Tschuy von Agroscope. Im Ackerbau mit der Fruchtfolge und verschiedenen Unkrautbekämpfungsmethoden sei die Gefahr diesbezüglich aber kleiner als zum Beispiel in Dauerkulturen. 

Herbizidverzicht: 400 Fr.

Wer ab der Ernte der vorangehenden Hauptkultur bis zur Ernte der beitragsberechtigten Hauptkultur zusätzlich zur reduzierten Bodenbearbeitung überhaupt keine Herbizide einsetzt, kann (auch auf einzelnen Flächen) einen Zusatzbeitrag von 400 Fr./ha geltend machen. 
Hebeisen sieht hier verschiedene Möglichkeiten: «In direkt gesäten Kunstwiesen dürfen bis Ende Jahr keine Herbizide eingesetzt werden. Dies ist möglich.» Allerdings sei bei Direktsaaten von Kunstwiesen darauf zu achten, dass die Parzelle  keine groben Fahrspuren aufweist und sauber ist.

Mais könnte nach Getreide und einer abfrierenden Gründüngung pfluglos mit ein bis zwei Hackdurchgängen angebaut werden. Bei Raps sei das Ausfallgetreide eine Herausforderung. Hier müsste der Raps wohl mit 50 cm Reihenabstand angebaut und gehackt werden. In Getreide im Mulchsaatverfahren mit Vorfrucht Getreide sei ein Verzicht auf Herbizide ebenfalls möglich, wenn der Unkrautdruck nicht zu hoch ist. «Die Parzelle muss aber frei von Problemunkräutern wie Blacken, Klebern oder Gräser sein», betont Hebeisen. Schlussendlich müsse jeder Landwirt selber abschätzen, was bei ihm möglich sei.

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