5.04.2013 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
AP 2017
«Bergbauern kamen bisher immer zu kurz»
Nationalrat Beat Jans (SP, BS) hat in die WAK gewechselt und ist in der SP-Fraktion neu für das Agrardossier verantwortlich.

«Schweizer Bauer»: Sie haben nach der Matura eine Lehre als Landwirt gemacht. Wie sind die Erinnerungen?
Beat Jans: Ich habe sehr viel gelernt, etwa zu «chrampfen» in einer 66-Stunden-Woche. Zuerst war ich auf einem konventionellen Betrieb, dann auf einem Demeter-Betrieb. Letzterer war viel näher am Markt. Auf dem konventionellen Betrieb hatte ich ein einschneidendes Erlebnis: Ich erhielt 180 Franken im Monat und dachte, der Landwirt könne mir nicht mehr geben. Kaum aber war ich gegangen, kaufte er auf dem Betrieb von rund 2 SAK den vierten Traktor für 70'000 Franken. Seither bin ich etwas skeptisch, wenn die Bauern jammern.

Dann arbeiteten Sie 15 Jahre bei Pro Natura. Welches ökologische Zeugnis stellen Sie den Bauern heute aus?
Da hat sich einiges verbessert, etwa im Bereich der Düngerbilanz, auch wenn Probleme geblieben sind. Ich traf viele Bauern, die sich um die Artenvielfalt auf ihren Betrieben wirklich kümmern und auch Freude daran haben. Die Mehrheit der Bauern und auch der Schweizerische Bauernverband (SBV) aber sollten sich mit dem ökologischen Image noch stärker identifizieren, dieses nicht nur nach aussen verkaufen, sondern auch leben. Das gilt auch für das Bundesamt für Landwirtschaft, das den ökologischen Standortvorteil offensiver verkaufen müsste. 

Die ökologischen Aspekte sind ein Grund, warum Sie die Agrarpolitik 2014–2017 unterstützen?
Das ist sicher so. Wir haben bei den Leistungszielen, die wir uns setzen, die grössten Defizite im Umweltbereich. Und eben nicht im Produktionsbereich, wie das vom Bauernverband und besonders von der SVP immer wieder dargestellt wird.

Und die Einkommen? 
Da haben wir ebenfalls Defizite. Auch da verspreche ich mir von der AP 2017 Verbesserungen. 

Inwiefern?
Es gibt Bauern, welche die Unterstützung des Staates stärker benötigen als andere. Das sind eher Betriebe im Berggebiet oder solche, die nicht so viele Möglichkeiten haben, sich auf dem Markt zu orientieren. Diese kommen neu besser weg. Wichtig ist auch, dass wir es endlich schaffen, die Vergandung im Berggebiet wirklich zu bremsen. Ich habe nie verstanden, warum man dies nicht schafft, obwohl doch so viel Geld eingesetzt wird. Es ist tragisch, dass die Bergbauern bisher immer zu kurz gekommen sind, obwohl der durchschnittliche Steuerzahler einen Bergbauer vor Augen hat, wenn er an die Subventionen denkt. 

Viele Betriebe müssen aber mehr dafür tun, mehr Leistungen erbringen, um die Direktzahlungen zu halten. 
Ich glaube nicht, dass dies der richtige Ausdruck ist. Wenn der eine oder andere Betrieb jetzt die Tierhaltung aufgibt, hat er möglicherweise weniger Arbeit. Wer für eine hohe Milch- und Fleischproduktion kämpft, kämpft letztlich immer auch für eine sehr arbeitsintensive Produktionsform.  

Im Nationalrat kritisierten Sie kürzlich, der SBV mache die Politik der Grossbauern. Wie meinten Sie das?
Der Schweizerische Bauernverband war etwa dagegen, dass auf Flächen in Bauzonen die Eigentümer keine Direktzahlungen mehr erhalten (die Pächter aber weiterhin). Dieses Geld kommt Multimillionären zugute und fehlt allen anderen Bauern. Das Gleiche ist bei der Einkommens- und Vermögensgrenze, für deren Abschaffung der SBV kämpfte: 3% der Bauern profitieren, 97% erhalten weniger. Am Anfang war er sogar gegen die Abstufung nach der Fläche. Generell landet zu wenig Geld bei den Bauern, zu viel verschwindet bei den vor- und nachgelagerten Stufen. Auch die 160 Mio. Fr. für Investitionskredite: Natürlich hat dann der eine oder andere Bauer einen schöneren Stall, aber letztlich kommt das meiste Geld den Baufirmen zugute.

Aber nicht wenige Betriebe haben bisher überinvestiert, um unter der Vermögensgrenze zu bleiben. 
Rund um eine solche Grenze gibt es immer einige unschöne Dinge. Aber langfristig wäre es für die Bauern im Hinblick auf ihr Image wichtiger, dass es keine Riesenbezüger gibt.

Unter Ihrer Vorgängerin Hildegard Fässler hat die SP sich immer für den Agrarfreihandel mit der EU ausgesprochen. Bleibt das unter Ihnen so?
Wenn Agrarfreihandel der Wegfall aller Zölle heisst, bin ich sehr skeptisch, dass jener zum Vorteil der Schweizer Bauern ausgestaltet werden kann. Zum Agrarfreihandel hat die SP nie Ja gesagt, sondern Ja zu den Verhandlungen. Ich glaube nach wie vor, dass es Bereiche gibt, in denen eine gewisse Liberalisierung für die Landwirtschaft eine Chance sein könnte, vielleicht bei verarbeiteten Milchprodukten oder bei Bio-Produkten. Man muss die Chancen prüfen. Ich schliesse nicht aus, dass die SP am Ende Nein sagen wird, die heimische Produktion wollen wir sicher nicht aufgeben. Beim Käsefreihandel sieht man in einer ersten, vorsichtigen Bilanz doch, dass die Käsewirtschaft an Wertschöpfung gewonnen hat.

Doch der Milchpreis ist tief. 
Am Ende muss natürlich auch der Bauer davon profitieren, nicht nur der Käser. Allgemein ist es wichtig, dass die Bauern möglichst viele Rohstoffe selbst verarbeiten oder sich in die Verarbeitung einmischen.

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