29.09.2012 09:26
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
AP 2017
BLW berechnete zu positive Zahlen für AP 2017
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) räumt bei Modell-rechnungen zu den Auswirkungen der AP 2017 Fehler ein. Die heutige AP 2011 schneidet demnach nicht so schlecht ab, wie vom BLW zuerst prognostiziert.

Im März publizierte der  Schweizerische Bauernverband (SBV) eine Studie, gemäss der die meisten Betriebstypen mit der AP 2017 gegenüber der heutigen AP 2011 Einkommen verlieren würden (siehe «Schweizer Bauer» vom 14. März).

Statisch oder dynamisch?

Das BLW kritisierte daraufhin das Modell des SBV, weil dieses statisch sei und allfällige Änderungen der Rahmenbedingungen wie beispielsweise Preisänderungen nicht darstellen würde. Die Redaktion des «Schweizer Bauer» offerierte dem BLW am 2. April, die Auswirkungen auf verschiedene Betriebstypen mit dem eigenen, dynamischen «SWISSland»-Modell von Agroscope Reckenholz Tänikon (ART) zu publizieren. Auch nach mehrfachem Nachfragen lieferte das BLW die Berechnungen monatelang nicht.

Für die Ausgabe des «Schweizer Bauer» vom 15. September, also direkt vor der Agrardebatte, erstellte das BLW auf erneute Nachfrage seine eigenen Berechnungen. Die drei Betriebstypen umfassten einen Verkehrsmilchproduzenten im Tal, einen Verkehrsmilchproduzenten in der Bergzone II sowie einen Mutterkuhbetrieb in der Bergzone II. Trotz ausdrücklicher Bitte war das BLW nicht bereit, die Auswirkungen auf einen Kälbermastbetrieb zu berechnen.

Entgegen den Berechnungen des SBV, der bei der AP 2017 für sämtliche Betriebstypen sinkende Einkommen prognostizierte, schnitt die Direktzahlungsreform bei den BLW-eigenen Berechnungen viel besser ab. So prognostizierte das BLW im Artikel für den Milchviehbetrieb in der Talzone ein um  Fr. 7100.– im Jahr 2017 höheres Einkommen als mit der heutigen Agrarpolitik. Dabei stimmte schon diese Zahl nicht ganz. Denn das BLW rundete die  Differenz zwischen dem Szenario AP 2017 (Fr. 73430.–) und dem Szenario Weiterführung der aktuellen Agrarpolitik (Fr. 66398.–), welche Fr. 7032.– betrug, grosszügig auf  Fr. 7100.–.

Basis stimmte nicht

Bei erneuten Berechnungen für die Zeitung «Der Bund» fiel dem BLW auf, dass die ART für die beiden Szenarien AP 2011 beziehungsweise AP 2017  nicht die exakt gleiche Basis verwendet hatte. Deshalb fielen die Markterlöse, die Kosten und die  Einkommen in den Basisjahren und im AP-2011-Szenario jeweils zu tief aus. Die ART hat den falschen Basiseffekt eliminiert, und das BLW hat die Direktzahlungsberechnung noch einmal durchgeführt.

Das Resultat: Noch immer resultieren mit der AP 2017 gegenüber der Weiterführung der bisherigen Politik (AP 2011) höhere Einkommen, aber die Unterschiede schmelzen zusammen. Für den erwähnten Milchviehbetrieb in der Talzone bedeutet dies beispielsweise, dass er mit dem Szenario AP 2017 nicht Fr. 7032.–, sondern nur Fr. 2513.– mehr verdienen würde. Und vor allem wäre das Einkommen bei Weiterführung der bisherigen AP 2011 im Jahr 2017 nicht tiefer, wie es die ursprüngliche Berechnung behauptete.

AP 2017 überschätzt

Im obigen Beispiel sind beim AP-2017-Szenario für  2017 2048 Fr. als «Zusatzkosten freiwillige Programme» angenommen. Im viel zitierten Zusatzbericht an die WAK-N hingegen, demzufolge mit der AP 2017 im Jahr 2017 ein um 110 Mio Fr. höheres Sektoreinkommen resultiere als bei der Fortführung der heutigen Politik, sind für die Landschaftsqualitätsbeiträge, die Ressourceneffizienzbeiträge, die Graslandbeiträge und für die ÖQV-Beiträge  überhaupt keine Kosten angenommen.  Somit sind die 110 Mio. Fr. allein deswegen  eine  Überschätzung.

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