11.12.2013 08:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Cornelia Forrer
Aargau
Die Angst vor der Schubladisierung
Ist der heutige Bauer noch Nahrungsmittelproduzent oder eher ein Landschaftsgärtner? Die Podiumsdiskussion im Naturama zur aktuellen Ausstellung «Wir essen die Welt» ging diesen Fragen nach.

Nie waren so viele Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht wie heute. Doch ob dafür nur die völlig falsche Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Nutzfläche verantwortlich ist? Nach Andreas Bosshard, Geschäftsführer des Vereines «Vision Landwirtschaft», liessen sich mit einer Neuverteilung der Direktzahlungen die Wertschöpfung und gleichzeitig die Biodiversität erheblich steigern. «Es braucht Brot und Blumen», sagte er anlässlich der Podiumsdiskussion im Naturama in Aarau zur aktuellen Ausstellung «Wir essen die Welt».

Begründete Furcht

Die Furcht zahlreicher Landwirte, als alleinige Landschaftsgärtner abgestempelt zu werden, steckt aber tief. Die am Podiumsgespräch   unter der Leitung der Naturama-Mitarbeiterin Bea Stalder teilnehmenden Landwirte bestätigten dies auf eindrückliche Weise. Während Roman Abt vom Rütihof Bünzen und Ruedi Weber vom Trolerhof Menziken ihre Bio-Betriebe ganz nach dem ökologischen Gedanken betreiben und sich an bis zu 220 verschiedenen Pflanzenarten erfreuen, setzen Schweinezüchter und Ackerbauer Felix Gautschi aus Gontenschwil und Andreas Hitz vom Weidhof Untersiggenthal auf eine intensivere und unternehmerischere Bewirtschaftung.

Und Alois Huber, Aargauischer Bauernverbandspräsident, vom Bio-Schlosshof Wildegg, sieht eher den Mittelweg als Credo. Sämtliche Podiumsgäste haben aber gleichzeitig freiwillig mehr als die gesetzlich geforderte Ausgleichsfläche ausgeschieden – und dies auf keinen Fall nur der Direktzahlungen wegen.

Zusammenhalt ist wichtig


Rund 88 Prozent der Landwirtschaftsfläche im Aargau wird intensiv genutzt, während rund 12 Prozent dem ökologischen Ausgleich dienen. Auf weniger Fläche wird heute um einiges mehr Fleisch, Milch oder Getreide produziert als je zuvor. «Es ist nicht leicht, den gesetzlichen Auftrag möglichst gewinnbringend umzusetzen, beste Qualität zu produzieren und gleichzeitig die Ökologie ins Zentrum zu stellen», war aus den Voten der Podiumsgäste zu schliessen.

Die Pflege von Naherholungsgebieten und die Erhaltung der Artenvielfalt sind aber genauso wichtige Bedürfnisse wie die Ernährungssicherheit. Steckt hinter der kritischen Haltung vieler Landwirte, auch die «Produktion» von Naherholungsgebieten und Lebensräumen als gleichwertige Aufgabe wie die Nahrungsmittelproduktion zu werten, ein traditionell überliefertes Rollenbild?

Früher sprach keiner von Bio

Wahrscheinlich gab der älteste Besucher auf diese Frage die Antwort, als er die Geschichte der Bewirtschaftung des elterlichen Hofes vom Grossvater bis zum Sohn kurz zusammenfasste: «In der Nachkriegs- und in Krisenzeiten sprach keiner von Bio und Artenvielfalt. Damals stand die Produktion von Nahrungsmitteln im Zentrum», betonte er.

Doch es sind andere Zeiten angebrochen, Zeiten, in denen Themen wie Kulturlandschwund, Preiszerfall, Landflucht, Klimaerwärmung und Globalisierung immer mehr Raum einnehmen. «Wenn die Landwirtschaft es schafft, zusammenzuhalten und sich nicht gegenseitig  auszuspielen, dann hat sie eine gute Zukunft», fasste ein Gast beim anschliessenden Apéro zusammen.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE