10.02.2015 06:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Samuel Krähenbühl
AP 14–17
Direktzahlungen auch an Gemeinden
Mit der AP 14–17 erhalten die Alpen neue oder höhere Beiträge vom Bund. Vielerorts sind die Alpen in Besitz von Korporationen oder politischen Gemeinden. In einigen Fällen fliesst das Geld in öffentliche Kassen, so in Chur.

Mit der AP 14–17 fliesst mehr Geld in die Sömmerungsbetriebe. Mindestens 43 Mio. Fr. flossen 2014 zusätzlich in die Alpbetriebe, wovon 24 Mio. Fr.  für die höheren Sömmerungsbeiträge und 21 Mio. Fr. für die neuen Biodiversitätsbeiträge (BDB). Dazu kamen die neuen Landschaftsqualitätsbeiträge (LQB). Bei Privatalpen fliesst dieses Geld zu den Bewirtschaftern. Was passiert aber mit den Beiträgen, welche zu den Alpen in öffentlichem Besitz fliessen? Denn insbesondere in der Zentral- und Ostschweiz besitzen politische Gemeinden oder Korporationen viele Alpen.

UR: Kommt in Fonds

Die Korporation Uri bewirtschaftet selber nur die «Rinderhirte» Ruosalp, wie Korporationsschreiber Pius Zgraggen erklärt. Die BDB und die LQB für dieses Gebiet wurden mittels Fondszuweisungen zurückgestellt für zukünftige Investitionen in die Alp. Der angestellte Hirt kann seine Mehraufwendungen, welche ihm im Zusammenhang mit den Beiträgen entstehen, mittels Arbeitsstundenrapport der Korporation Uri in Rechnung stellen.

Die Sömmerungstarife für die Ruosalp werden aufgrund der zusätzlichen Beiträge nicht gesenkt. Die Korporation Uri als Grundeigentümerin des meisten Alpgebietes im Kanton Uri erhebt ansonsten keinen Anspruch auf BDB, LQB oder Sömmerungsbeiträge, weil sie nur eine Alp selber verwaltet und die Infrastrukturen von den Bewirtschaftern instand gehalten werden müssen.

OW: Alles ausbezahlt

Die Teilsame Kleintheil hat von der Korporation Giswil OW das unentgeltliche Nutzungsrecht für mehrere Alpen, auf denen insgesamt 450 GVE gesömmert werden. Adrian Riebli, Präsident der Teilsame Kleintheil, bestätigt: «Ja, wir erhalten eindeutig mehr Sömmerungsbeiträge und auch BDB und LQB. Aber wir müssen erhebliche Investitionen tätigen, um mehrere Alpgebäude tierschutzgerecht zu erneuern.» Kürzlich sei beschlossen worden, auf der Alp Glaubenbüelen für 64 Kühe einen neuen Laufstall zu bauen und das bestehende Alpgebäude umzubauen, um dem Agrotourismus bessere Rahmenbedingungen zu bieten. 

«Die höheren Beiträge haben das Ja zu dieser grossen Investition sicher befördert», sagt Riebli. Der Kanton Obwalden verlange aber, dass alle Sömmerungsbeiträge an die Bestösser ausgeschüttet würden. Im Zuge der Investition werde dann der jährlich zu leistende Hüttenzins erhöht, der  für die Bestösser nun leichter tragbar geworden sei.

GR: Ein Teil an Stadt Chur

Die Bürgergemeinde Chur besitzt in Arosa GR vier Kuhalpen. Deren Nutzniessung liegt aber bei der Stadt Chur. Hanspeter Gisler melkt seit 2014 keine Kühe mehr, er konzentriert sich auf Spargeln und Steinobst. Er ist aber nach wie vor Alpmeister der Alp Maran und erklärt, dass ein Teil der Sömmerungsbeiträge an die Stadt Chur gehe, die für die Infrastruktur und den Unterhalt auf den Aroser Alpen aufkomme. 

Der grössere Teil der Sömmerungsbeiträge gelange aber zu den Bestössern. «Dass die Sömmerungsbeiträge jetzt etwas gestiegen sind, kann den einen oder anderen davon abhalten, die Bestossung der Kuhalpen aufzugeben», sagt Gisler. Bei den neuen LQB sei das Ziel, dass ein höherer Anteil zu den Landwirten und ein kleinerer zur Stadt Chur gelange.

Urs Crotta, Leiter Grün und Werkbetrieb der Stadt Chur, erklärt, dass die 15–20% der Sömmerungsbeiträge, die in die Kasse der Stadt Chur kommen, nicht reichten, um alle anfallenden Investitionen und Aufwände auf den Alpen zu decken. «Die nun etwas höheren Beiträge verringern das Defizit der Stadt Chur bei der Kostenstelle Alpwirtschaft», sagt er. Mit Konzessionen Bergbahnen und Zinsen der Bergrestaurants in Arosa kann die Stadt Chur allerdings einen Ertrag erwirtschaften.

BE: Evtl. Tagwerk gesenkt

Im Kanton Bern sind kaum Alpen in Besitz von öffentlich-rechtlichen Korporationen oder gar politischen Gemeinden. Die zahlreichen Alpgenossenschaften erhalten aber ebenfalls höhere Sömmerungs- und Biodiversitätsbeiträge. In der Alp Spycherberg werden davon neu 100 anstatt wie bisher 50 Fr. ausbezahlt bzw. von der Alprechnung abgezogen, wie Bergpräsident Samuel Graber erläutert.

Mittelfristig sei das Ziel, 200 Fr. an die Bewirtschafter auszuschütten, und eventuell könnte auch die Anzahl von Tagwerken von fünf auf drei gesenkt werden. «Wahrscheinlich muss man wegen der Aufhebung der Milchkontingentierung in ein paar Jahren froh sein, wenn überhaupt noch jemand Kühe auf die Alp bringt», betont er.

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