30.10.2017 15:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Agrarpolitik
Fertig mit Kraftfutter für Milch
Die Agrarallianz fordert mehr Nachhaltigkeit in der Agrarpolitik ab den Jahren 2022. Eine Forderung ist, dass in der Schweiz Milch produziert wird ohne Futterflächen im Ausland. Zur Agrarallianz gehören unter anderem Bio Suisse, IP-Suisse und die Kleinbauern-Vereinigung.

In einem Papier mit dem Titel «Agro Forte 2022+» will die Agrarallianz eine Debatte zur Agrarpolitik ab 2022+ lancieren. Eines der Themen im neunseitigen Papier ist die Milchwirtschaft. Die Agrarallianz ist überzeugt, dass sich die Milch- und Käsebranche profilieren kann, wenn sie schweizweit weitgehend auf Kraftfutter verzichtet. Milchproduktion ohne Futterflächen im Ausland: das muss das Ziel werden.

Flächendeckend höchstens 10% Kraftfutter

Die Fütterung der Wiederkäuer mit möglichst wenig Kraftfutter sei ein Alleinstellungsmerkmal, das vorangetrieben werden müsse, so die Agrarallianz. Das läuft unter dem Stichwort «Ressourceneffizienz»: Die Kuh soll nicht Ackerfrüchte fressen, die der Mensch essen könnte. Auf Englisch heisst dieses Prinzip «feed no food». Gelten soll dies für die gesamte Schweizer Milchproduktion. 10% Kraftfutter (wie heute im Programm für GMF und bei Bio Suisse bereits verlangt sind) sind für die Agrarallianz das absolute Maximum.

Die Agrarallianz schreibt: "Einige 100'000 Tonnen Kraftfutter in der Milchproduktion, davon mehr als die Hälfte aus dem Ausland, ergeben einige 100'000 Tonnen preisdrückende Schweizer Milch und belasten die Ökobilanz (Energie, CO2, Wasser, Tiergesundheit)." Die Agrarallianz fasst zusammen: Weniger ausländisches Kraftfutter entlastet Milchmarkt und Umwelt, spart Kosten und stärkt die Positionierung der Schweizer Milch.

Möglichst alle Kühe auf die Weide

Auch sei die Schweizer Milchviehhaltung flächendeckend mit Weide zu verbinden. Das läuft unter dem Stichwort «Tierwohl», das laut der Agrarallianz als Verkaufs- und Positionierungsargument noch wichtiger werden wird. Erreicht werden soll dieses Ziel, indem es im Tierwohlprogramm «Raus» einen höheren Beitrag gibt, wenn die Tiere auf die Weide und nicht nur in den Laufhof dürfen. Der Bund hat diese breit abgestützte Forderung allerdings per 1. Januar 2018 nicht aufgenommen, sie nicht ins Verordnungspaket 2018 integriert. 

Auch die Tierzucht ist aus Sicht der Agrarallianz gefordert. Sie soll auf die kraftfutterfreie Milchproduktion ausgerichtet werden, auf optimale Verwertung von graslandbasiertem Futter und auf gesunde, langlebige Tiere. Das heisst, dass es für die in der Schweiz weit verbreitete Holstein-Kuh künftig keinen oder einen viel kleineren Platz geben soll.

Bauern soll weniger bauen

Auch weitere Forderungen der Agrarallianz haben es in sich: 

- Die Anzahl Bauten ausserhalb der Bauzone soll abnehmen (auch jene der Landwirtschaft).  

- die bestehenden Systeme Bio und IP-Suisse sollen an Stellenwert gewinnen 

- Grössere Betriebe sollen weniger Direktzahlungen erhalten, zu prüfen sei ein Grundbeitrag pro Betrieb, der Basisbeitrag Versorgungssicherheit soll wie früher wieder ab der 40. Hektare (und nicht wie seit dem Jahr 2014 ab der 60. Hektare abgestuft werden) 

- Der Bundesrat soll Lösungen aufzeigen, wie sich Rohstoff-Produzenten und Verarbeiter stärker als bisher auf gleicher Augenhöhe begegnen 

- Der erhöhte Arbeitsaufwand von topografisch schwierigen Flächen wie Steillagen, stark coupiertes Gelände, kleinstrukturierte Gebiete soll gerechter abgegolten werden 

- Die Möglichkeiten für ausserfamiliäre Hofübernahmen sollen verbessert werden. Die Kantone sollen z. B. bei der Bereitstellung von Wohnraum für die abtretende Generation Hilfe leisten. Der Zugang in die Landwirtschaft für Quereinsteiger soll erleichtert werden. 

- Der Ökologische Leistungsnachweis (ÖLN) soll überdacht werden. Die Bauern sollen mehr für die Umwelt tun, um überhaupt Direktzahlungen bekommen zu können. 

- Die Ressourceneffizienz (fossile Energie wie Erdöl, Stickstoff, Phosphor, Pestizide) soll verbessert werden 

- der Boden soll in Umfang, Gesundheit und Ertragsfähigkeit langfristig erhalten werden 

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