8.04.2016 14:18
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Direktzahlungen
Geheime Gruppe plant nächste AP
Die AP 14–17 ist am Laufen. Eine AP 18–21 wird es nicht geben, weil nur das laufende System weiterentwickelt werden soll. Aber wie geht es danach weiter? Offenbar soll eine geheime Begleitgruppe für Inputs sorgen.

Das Bundesamt für Landwirtschaft  (BLW) hat eine «Denkwerkstatt» zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik einberufen. Eines der Mitglieder ist der Künstler mit dem Pseudonym Heinrich Gartentor aus Horrenbach-Buchen BE. Das machte Samuel Graber, Präsident des Schweizer Kälbermäster-Verbands (SKMV), an der DV des SKMV letzten Freitag in Landquart GR öffentlich.

Keine richtigen Praktiker

Graber, der bereits als Mitglied des Referendumskomitees gegen die laufende AP 14–17 war, ist auch hier wiederum mit diesem Vorgehen des BLW zur Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems überhaupt nicht einverstanden. So kritisiert er etwa, dass ein Künstler wie Heinrich Gartentor in einer solchen Gruppe Einsitz nehme.

Das habe nichts mit der Person Gartentors zu tun, mit dem er im gleichen Ort (Horrenbach-Buchen) lebe und sich eigentlich sehr gut verstehe: «Aber es kommt auch keinem Künstler in den Sinn, die Bauern zu fragen, wie sie die nächsten 30 Jahre überleben sollen. Nie würde der Bund einen Bauern in eine Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der Kulturpolitik einladen. Wir Bauern machen das hingegen immer.»

Gruppe bleibt im Dunkeln

Eigentlich hätte der «Schweizer Bauer» gerne Künstler Heinrich Gartentor als Mitglied der Denkwerkstatt in einer Gastkolumne zu Wort kommen lassen. Doch nachdem das BLW nicht bereit war, über die Zusammensetzung und den Auftrag der Gruppe zu kommunizieren, zog er seine Bereitschaft zum Gastkommentar zumindest für den Moment zurück.

Somit bleibt im Dunkeln, wer genau in der Gruppe ist und was sie beabsichtigt. Administrative Leiterin der Gruppe ist offenbar Christine Zundel, Stellvertreterin im Fachbereich Agrarumweltsysteme und Nährstoffe beim BLW.

«Übliche Verdächtige»

SKMV-Präsident Graber geht davon aus, dass neben Künstler Gartentor die «üblichen Verdächtigen» wie etwa die neoliberale Denkwerkstatt «Avenir Suisse» oder der ökologisch orientierte Verein «Vision Landwirtschaft» Mitglied der «Denkwerkstatt» seien.

So fand er denn vor den Delegierten deutliche Worte: «Es hat zu wenig Praktiker in der Gruppe. Diejenigen «Praktiker» in der Gruppe, welche sich Landwirte nennen, verdienen ihr Geld hauptsächlich mit Landschaftsplanungen.»  Mit letzterer Bemerkung meine er den Vertreter von «Vision Landwirtschaft», lässt er sich entlocken.

BLW lässt sich nicht in Karten blicken

Eigentlich hätte der «Schweizer Bauer» gerne mehr über die Mitglieder der Denkwerkstatt sowie deren Auftrag in Erfahrung gebracht. Doch das BLW machte nur sehr summarische Angaben. «Es handelt sich bei der erwähnten Gruppe nicht um eine Begleitgruppe im klassischen Sinn. Vielmehr hat das BLW in einer ‹Denkwerkstatt› neue Ansätze zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Agrarsystems Schweiz erarbeiten lassen. In der Denkwerkstatt sassen Persönlichkeiten mit unterschiedlichem Hintergrund, jedoch mit starker Affinität zu Landwirtschaftsfragen», sagt BLW-Sprecher Jürg Jordi.

Die Gruppe habe in einem «kreativen und moderierten Rahmen» und losgelöst von der aktuellen landwirtschaftspolitischen Agenda inspirierende Ideenskizzen und Entwicklungslinien in Richtung eines nachhaltigen Agrarsystems Schweiz entworfen. «Die Ideenskizzen werden in den nächsten Wochen finalisiert und dann einer breiteren Öffentlichkeit – auch den Medien – vorgestellt. Deshalb können und wollen wir im Moment keine weiteren Angaben zur Arbeit und Zusammensetzung der Denkwerkstatt machen», so Jordi weiter. sam

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