6.03.2013 06:08
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Futtergetreide
Ist es bereits fünf nach zwölf?
Das Schicksal der Futtergetreideproduzenten liege in den Händen des Parlaments. Sonst drohe das Aus, ist sich die Branche sicher.

Neblig war es vergangenem Freitagmorgen in Bern. Und auch für das Futtergetreide sind die Aussichten getrübt. Deshalb trat die Getreidebranche – Getreideproduzenten (SGPV), Swiss Granum, Futtermittelfabrikanten sowie Geflügelproduzenten, geeint auf, um für Unterstützung für das Futtergetreideproduktion zu werben.

Gefehlt hat aber ein (offizieller) Vertreter des Schweizerischen Bauernverbandes (SBV). Fritz Glauser, SBV-Vize, trat im Namen des SGPV auf. Doch der SBV blieb im Vorfeld zur Beratung der Agrarpolitik 2014–2017 nicht untätig. SBV-Direktor und Nationalrat Jacques Bourgeois (FDP, FR) hatte mit einem Einzelantrag im September, der Einzelkulturbeiträge für das Futtergetreide verlangt, in der grossen Kammer Erfolg. Diese Zustimmung fiel aber äusserst knapp aus (93:87).

Hält Nationalrat fest?

In der Frühjahrssession entscheidet sich nun, ob der Antrag am Ende in der Reformvorlage Eingang findet. Der Ständerat nämlich lehnte im Dezember spezielle Beiträge für das Futtergetreide ab. Nun wird am Mittwoch der Nationalrat noch einmal darüber befinden. Schliesst er sich dem Ständerat an, ist das Geschäft vom Tisch.

Vor diesem Hintergrund machte die Getreidebranche noch einmal auf den dramatischen Rückgang beim Futtergetreide aufmerksam. Die Anbaufläche (siehe Grafik) sank seit 1990 um 42% (46'000ha) auf 62'565ha im Jahre 2011. Im gleichen Masse stiegen hingegen die Anbauflächen vom Grünflächen. Die des  Silo- und Grünmaises erhöhte sich im selben Zeitraum um 20%. Im Einklang mit dem Flächerückgang reduzierte sich die heimische Futtergetreideproduktion im selben Zeitraum ebenfalls um 42% auf 470000 t. Die Futtermittelimporte stiegen hingegen um 276% auf 1,1 Mio. t. Der Selbstversorgungsgrad beim Futtergetreide sank somit auf unter 50%.

Lücke selbst verschuldet

Diese Entwicklung sei auf das Direktzahlungssystem mit einem starken Fokus auf die Ökologisierung einerseits und einer leichten Steigerung der Fleisch- und Eierproduktion andererseits zurückzuführen, sagte Ruedi Marti, Geschäftsführer der Futtermittelfabrikanten. «Bei einem Futtergetreidepreis von 38 Fr./100 kg und einem Volumen von 300'000 t verschenkt die hiesige Landwirtschaft jährlich 120 Mio. Fr», mahnte Marti. Die Politik müsse somit die Abtretung einer Ackerfläche von 40'000 ha ans Ausland verantworten. Die «Futtergetreidelücke» sei selbst verschuldet, hob er hervor. Zudem habe das Verbot von tierischen Eiweissen einen Soja-Schrot-Mehrbedarf von jährlich 200'000 t ausgelöst. Marti betonte, dass die Schweiz, im Gegensatz zu Deutschland und Österreich, keine Strategie habe, die Produktion zu fördern.

Negative Erlöse

Für SGVP-Präsident Fritz Glauser ist es bereits «fünf nach zwölf». Ohne Korrekturen in den Beratungen zur AP 2017 gehe es dem Futtergetreide an den Kragen. Glauser erinnerte daran, dass die Schwellenländer das Futtergetreide zunehmend für den Eigengebrauch benötigten. Eine einheimische Produktion diene deshalb der Versorgungssicherheit. Doch die Kultivierung von Futtergetreide ist defizitär.

Denn im Gegensatz  zu den sinkenden Richtpreise habe sich das Kostenumfeld nicht gross verändert. Die Wirtschaftlichkeit müsse deshalb deutlich verbessert werden. Die Beiträge für das Futtergetreide sollen aber nicht auf Kosten anderer Kulturen, sondern über die Übergangsbeiträge alimentiert werden. Und die Schweiz laufe Gefahr, dass das Wissen für die Produktion verloren gehe.

Auch für die Geflügelproduzenten wird die Rohstoffherkunft immer wichtiger. «Die Konsumenten sind zunehmend sensibilisiert», führt deren Präsident Peter Röthlisberger aus. Man schaffe in dieser Hinsicht seit Jahren Transparenz. Werden die Hühner aber nur noch mit ausländischem Getreide gefüttert, verliere man an Glaubwürdigkeit.

Massnahmenplan Getreidebranche

  • Einführung eines spezifischen Beitrags für den Futtergetreideanbau (Anpassung Artikel 54 LwG)
  • Erhaltung des aktuellen Grenzschutzes für Brotgetreide
  • Ausdehnung der Futtergetreide-Produktionsflächen auf Kosten des extensiven Grünlandes bis 2025
  • Angemessene Unterstützung für Ackerkulturen
  • Schutz der landwirtschaftlichen Nutzfläche
  • Intensivierung Forschung/Züchtung Futtergetreide/Eiweisspflanzen
  • Prüfung der Zulassung von tierischen Eiweissen zur Verfütterung an Geflügel und Schweine sowie von Nebenprodukten blu
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