12.02.2013 08:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
AP 2017
«Jetzt gilt es, den AP-Check zu machen»
Beratungsleiter Dietrich Bögli weiss, die AP 2017 wird Gewinner und Verlierer bringen. Jetzt müssten die Bauern die Rahmenbedingungen akzeptieren und sich ihnen anpassen. Strategische Entscheide sind gefragt.

«Schweizer Bauer»: Ab 2014 greift die neue Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017). Was bedeutet das für die Bauern?
Die Rahmenbedingungen für die Bauernbetriebe werden sich deutlich ändern. Es handelt sich dabei um die grösste agrarpolitische Änderung seit 20 Jahren. Insbesondere die neuen Direktzahlungsgefässe können zu einer Neuausrichtung führen. Der einzelne Landwirt muss sich künftig noch mehr Gedanken machen, bei welchen Programmen er teilnehmen will. Anders gesagt, muss er sich überlegen, welche öffentlichen Güter, die der Bund nachfragt, er anbieten will. Heute hat ein Bauer deutlich kleinere Wahlmöglichkeiten. Mit dem ÖLN war ein sehr grosser Teil gesetzt.

Das heisst, die Bauern müssen sich auf grundlegende Änderungen gefasst machen?
Ja. Es besteht die Möglichkeit, alles beim Alten zu belassen. Das führt in der Regel zu weniger Direktzahlungen. Es kann aber auch sein, dass ein Bauer sich für Landschaftsqualität, für Ressourceneffizienz oder Grasmilch entscheidet. Jeder Betriebsleiter muss sich für jene Beitragstypen entscheiden, die zu seiner Strategie passen.

Welche einzelbetrieblichen finanziellen Folgen resultieren?
Seit sich die Märkte liberalisieren und anstelle von Preisgarantien Direktzahlungen ausbezahlt werden, hat sich die Einkommensschere bei den Betrieben geöffnet. Ich gehe deshalb davon aus, dass sie sich mit der AP 2017 noch mehr öffnet. Der Grund dafür ist, dass die «einkommenswirksamen» Flächenbeiträge wegfallen und von den Betrieben unterschiedlich kompensiert werden.

Nicht produktgebundene Beiträge haben doch eher eine ausgleichende Wirkung? 
Ja, das haben sie auch. Diese ausgleichende Wirkung ist aber in der AP 2017 eher schwächer. Zudem spielen die liberalisierten Märkte eine grosse Rolle.

Wird es vor allem Verlierer geben?
Das kann man so nicht sagen. Es wird ganz sicher Verlierer, aber auch Gewinner geben. Das belegt schon nur die Tatsache, dass das Budget nicht gekürzt wird, die Zahl der Betriebe aber tendenziell abnimmt. Durchschnittlich wird also eher mehr Geld pro Betrieb, jedoch je Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche genau gleich viel bezahlt wie bisher. Für den Betriebserfolg sind aber bekanntlich nicht nur die Direktzahlungen massgebend.

Sondern?
Das Gesamtbetriebsergebnis. Es kann durchaus sein, dass ein Betrieb, der künftig weniger Direktzahlungen erhält, zu den Gewinnern gehören wird. Dann nämlich, wenn er sich unternehmerisch so entfaltet, dass er entweder mehr einnehmen oder die Kosten senken kann. Auf der anderen Seite wird es Betriebe geben, die dank mehr Direktzahlungen zu den Gewinnern gehören werden.

Sie beurteilen die AP also nicht nur negativ?
Nein. Sie hat viel diskutierte Vor- und Nachteile. Einen Vorteil sehe ich darin, dass mit der neuen Beitragsbezeichnung sofort klar wird, welche Leistung damit entschädigt wird. Wichtig ist, dass die Bauernfamilien die AP 2017 möglichst schnell als Rahmenbedingung betrachten und sich fragen: «Was heisst das für uns?»

Welche Weichen muss ein Betriebsleiter jetzt stellen, um sich für die AP zu wappnen?
Für grundlegende Anpassungen sind wir schon spät dran. Dank dem Anpassungsbeitrag ist es nicht zwingend, dass sich jeder bereits am 1. Januar angepasst hat. Jetzt gilt es, den AP-Check zu machen. Sprich, man muss sich jetzt entscheiden, welchen Weg man künftig gehen will, und diesen nach und nach beschreiten. Die Strategie muss zur Betriebsleiterfamilie und zum Betrieb passen. Dann muss man schauen, wie man sie unter den neuen agrarpolitischen Voraussetzungen umsetzen kann.

Wie können Sie bereits jetzt die Bauern beraten, wenn erst kürzlich der Bauernverbandspräsident riet, abzuwarten, bis die AP total beschlossen ist?
Die Grundstossrichtung ist schon lange klar. Um sich Gedanken zur Grundausrichtung zu machen, reicht das. Wir gehen noch nicht ins Detail, schauen aber, wie sich ein Betrieb mit seiner Strategie an die neuen Rahmenbedingungen anpassen lässt.

Was bringt der AP-Check einem Bauern, der sich vor kurzer Zeit für eine Betriebsstrategie entschieden hat?
Hat der Bauer seine Ausrichtung erst vor kurzem überprüft oder angepasst, ist der AP-Check weniger geeignet. Ist er aber offen für Veränderungen, ist er beim AP-Check goldrichtig. Dies heisst aber noch lange nicht, dass nach dem Check der ganze Betrieb umgestellt werden muss. Es kann durchaus auch herauskommen, dass die Ausrichtung stimmt und nur die Umsetzung angepasst wird. Das wird häufig der Fall sein.

Gehen Sie davon aus, dass Sie einigen Bauernfamilien empfehlen müssen, die Landwirtschaft an den Nagel zu hängen?
Entscheiden muss letztlich die Familie selber. Es ist aber durchaus möglich, dass man während der Beratung herausfindet, dass die Landwirtschaft gar nicht zur Familie passt. Ich gehe aber nicht davon aus, dass Bauern wegen der AP ihre Tätigkeit einstellen müssen. Da liegen die Gründe anderswo.

Eine Beratung zieht oft eine Betriebsumstellung oder zumindest Anpassungen nach sich. Dies verursacht Kosten...
Ja, das stimmt. Umstellungen machen nur Sinn, wenn sie sich rechnen. Was sich rechnet, wollen wir herausfinden.

Es wird wohl viele Bauern geben, die ihren Betrieb am besten vereinfachen und auf Nebenerwerb setzen. Werden  Nebenerwerbsbetriebe zunehmen?
Dieser Trend ist festzustellen und wird wohl anhalten. Ein Nebenerwerb kann mit einem Betriebszweig verglichen werden, nur dass er nicht auf dem Betrieb selber stattfindet. Geht man davon aus, dass die Betriebe mit der AP unternehmerischer und vielfältiger werden, nehmen Nebenerwerbsbetriebe tendenziell  zu.

Oft wird behauptet, die Politik sei für den Strukturwandel verantwortlich. Wie steht es um den Einfluss der Technik?
Die Technik beeinflusst die Strukturen sehr stark. Die Strukturen werden aber von allen Rahmenbedingungen, sprich auch von der AP und den Märkten beeinflusst.

Im Hinblick auf die AP 2017 bietet das Inforama den AP-Check an. In neuen Arbeitskreisen sollen Gruppen von 8 bis 10 Personen gebildet werden, die die Anpassungsmöglichkeiten der einzelnen Betriebe erarbeiten und diskutieren. Auch Einzelberatungen sind geplant. Informationsveranstaltungen finden an den entsprechenden Standorten jeweils um 20 Uhr statt. Am 11.März auf der Bäregg, am 13. März in Hondrich, am 14. März in Zollikofen, am 19. März in Langenthal und am 21. März in Ins.

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