24.02.2013 19:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Etter
Direktzahlungen
Kleine müssen jetzt um SAK ringen
Die Anpassung der SAK-Faktoren macht vielen Bauern zu schaffen. Insbesondere solche mit wenig Tieren laufen Gefahr, die Direktzahlungen zu verlieren. Dies, ob schon sie die geforderten Leistungen erbringen.

Mit seinen 189 Zentimetern ist Jürg Mosimann nicht klein, von seinen Eltern übernahm er aber einen für heutige Verhältnisse kleinen Bauernhof. Mosimanns Landwirtschaftsbetrieb in Oberwangen BE umfasst gerade mal 9,24 Hektaren Landwirtschaftliche Nutzfläche (LN).

Nebenerwerb als Hauswart und Primarschullehrerin

Darauf baut er Winterweizen, Raps, Eiweisserbsen und Kunstwiese an. Die 80 Aren Pferdeweide gelten als Dauerwiese, die 41 Aren extensive Ausgleichsfläche und die 11 Hochstammbäume sind vernetzt, und die Hecke weist gar ökologische Qualität auf. Nebst dem Ackerbau hält Jürg Mosimann 3 bis 4 Pensionspferde und ein Pony.

Weiter bewirtschaftet er knapp 3 Hektaren Wald – ohne fremde Hilfe, wie er betont. Da der Betrieb zu wenig Einkommen für die vierköpfige Familie bringt, arbeitet er 50% als Hauswart und seine Ehefrau Jacqueline 55% als Primarschullehrerin.

Künftig weniger SAK

Beim heutigen Direktzahlungssystem respektive der heutigen Berechnung der Standardarbeitskräfte (SAK) kommt sein Betrieb auf 0,3175 SAK. Und da die Eintrittsschwelle bei 0,25 SAK liegt, erhält er die Beiträge. Mit der Anpassung der Berechnungsfaktoren im Rahmen der AP 2017 aber wird es eng, sehr eng für Mosimann. Ändert er nichts, kann er nur noch 0,2428 SAK ausweisen und verliert die Direktzahlungen.

Gerechtigkeit gefordert

Über diese Tatsache ärgert sich Mosimann sehr. «Ich komme allen Anforderungen nach, führe meinen Betrieb effizient, bin produktiv, bewirtschafte ihn nachhaltig, ökologisch und exakt», sagt er. Er gehe mausen, lasse weder Disteln noch Blacken versamen, erziele gute Erträge sowohl beim Raps, den Erbsen wie auch dem IP-Suisse-Weizen.

Jürg Mosimann ist gerne Bauer und stolz auf seine Arbeit. Er will auch keine Sonderbehandlung. Er will nichts mehr als gleich gestellt sein wie alle übrigen. «Ich erbringe die geforderten Leistungen, trage zur Landesversorgung bei und fördere die Biodiversität ebenso gut wie ein grösserer Betrieb», gibt er zu bedenken. Mosimann kann einfach nicht verstehen, weshalb seine Leistungen künftig nicht mehr abgegolten werden sollen.

Der falsche Weg

Die SAK-Untergrenze werde damit begründet, man wolle den Hobbybetrieb ausschliessen. Er sei aber kein Hobby-, sondern ein Nebenerwerbsbetrieb, wie es heute ja fast jeder sei. «Oder gilt ein Lohnunternehmen, paralandwirtschaftliche Tätigkeiten und so weiter etwa nicht als Nebenerwerb?» fragt er ketzerisch. Zudem findet er es den falschen Weg, den Strukturwandel so zu beeinflussen. Dazu gebe es bessere Möglichkeiten.

«Durch die SAK-Untergrenze werden auch effizient bewirtschaftete, finanziell gesunde Landwirtschaftsbetriebe aus dem System gedrängt. Besser wäre es, die Direktzahlungen (künftig Leistungsentschädigungen) so zu gestalten, dass nur gut geführte und anpassungsfähige Betriebe überleben. Diese wären dann auch am besten in der Lage, die verlangten Leistungen langfristig zu erbringen», sagt er.

Unternehmer findet Weg

Jürg Mosimann kommt nicht nur den geforderten produktionstechnischen und ökologischen Leistungen nach, er ist auch Unternehmer. Und ein Unternehmer passt sich bekanntlich immer den Rahmenbedingungen an. Deshalb plant er bereits jetzt, die SAK zu optimieren.

Entweder pflanzt er Hochstammbäume, sodass er über 20 Stück kommt und diese dann auch zählen. Oder er schaut, dass ein Nachbar jeweils einige Rinder für eine gewisse Zeit bei ihm hält. Lieber würde er einige Bienenvölker zulegen und das Imkern erlernen. Doch diese zählen leider nicht als Nutztiere, bedauert Mosimann. Ging es nach ihm, würden alle Grenzen bei den Direktzahlungen abgeschafft

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