1.05.2013 06:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Samuel Krähenbühl
AP 2017
Referendumskomitee sagt: Einkommen verlieren mit AP 2017 fast alle
Samuel Graber, Präsident des Schweizer Kälbermäster-Verbandes (SKMV) und Grossrat (SVP, BE), will mit mehreren Alt-Nationalräten, Grossräten das Referendum gegen die Agrarpolitik 2014–2017 (AP 2017) ergreifen.

«Schweizer Bauer»: Warum wollen Sie das Referendum gegen die AP 2017 ergreifen?
Samuel Graber: Erstens: Die Tierbeiträge fallen weg. Wir Kälbermäster und generell die Rindviehhalter sind die grössten Verlierer. Zweitens: Die AP 2017 benachteiligt die kleinen Betriebe. Dies auch — aber nicht nur — wegen der Erhöhung der Faktoren für die Standardarbeitskräfte (SAK).  Drittens: Die Ökologisierung der Landwirtschaft fördert die Grenzöffnung. Weil weniger produziert wird, wird mehr importiert werden müssen.

Was würde die AP 2017 für Ihren eigenen Betrieb bedeuten?
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat für meinen Betrieb die Beiträge gerechnet. Ich würde 2014 rund 4000 Franken verlieren. Aber die Übergangsbeiträge gehen weiter zurück. Bis 2017 würde ich gar rund 7000 Franken verlieren. Mein Betrieb hat 10,9 ha Nutzfläche. Ich habe zu wenig Fläche, um die Ausfälle zu kompensieren. Aber es geht ja nicht um mich. Alle Kleinen haben wenig Möglichkeiten, ihre Betriebe umzustellen, damit sie nicht verlieren. Es wird behauptet, dass die Bergzone gewinne. Fakt ist aber, dass sich die Bergbetriebe verändern und wachsen müssen, um gleich viele oder gar höhere Beiträge zu holen. Es besteht die Gefahr, dass sie die zusätzliche Arbeit nicht mehr leisten können und die  Landschaft verbuscht. In 20 Jahren heisst es dann, das Berggebiet sei Lebensraum für Grossraubtiere.

Es gibt aber nicht weniger, sondern mehr Geld für die Bauern...
Generell gilt: Es gibt zwar gleich viele Direktzahlungen, aber Einkommen verlieren fast alle. Das ist nicht das gleiche. Denn um gleich viele Direktzahlungen zu erhalten, muss man entweder extensivieren. Damit verliert man Ertrag. Oder man muss in einen neuen Stall oder in neue Technik wie einen Schleppschlauchverteiler zum Güllen investieren. Weniger Ertrag und mehr Investitionen bedeuten aber weniger Einkommen trotz gleich viel Direktzahlungen. Das BLW will aber nie so recht sagen, wo die Verlierer sind. Ich weiss es aber: Die kleinen Betriebe in der Hügelzone, den Bergzonen I und II werden verlieren. Die grossen Betriebe in den Bergzonen III und IV hingegen werden tendenziell wegen der Sömmerungsbeiträge eher leicht gewinnen. 

Der Bauernverband (SBV) will sich darauf konzentrieren, die nächste Agrarpolitik, die AP 2021, zu verbessern. Was spricht dagegen?
Das kann ja nicht sein, dass man sich auf die nächste AP konzentriert. Man muss sehen, dass die grosse Weichenstellung jetzt geschieht. In vier Jahren kann man das Ganze höchstens zwei Zentimeter nach rechts oder links verschieben. Die ganze Welle der Ökologisierung können wir nicht mehr rückgängig machen. Diejenigen, welche die nächsten vier Jahre die Ökologisierungswelle mitmachen, könnten in der nächsten AP noch etwas mehr generieren. Die kleineren Betriebe aber würden verschwinden. Das BLW will mit der Erhöhung der SAK-Faktoren sowie den neuen Programmen und Beitragsarten die kleinen Bauern ausradieren und begründet dies mit dem technischen Fortschritt.  Doch vom technischen Fortschritt beim BLW spricht niemand. Man müsste auch mal im Minimum die Hälfte der Stellen beim BLW abschaffen, um dort dem technischen Fortschritt zu folgen.

Wer unterstützt das Referendum alles?
Auf dem Referendumsbogen sind namentlich Alt-Nationalrat Ernst Schibli (SVP, ZH), Alt-Nationalrat Josef Kunz (SVP, LU), Kantonsrat Martin Haab (SVP, ZH), Grossrat Fritz Ruchti (SVP, BE) und ich. Weiter stehen Nationalrat Rudolf Joder  (SVP, BE) und sieben Berner Grossräte hinter dem Komitee.

Wie wollen Sie die benötigten 50'000 Unterschriften zusammenbringen?
Wir werden in der Grossauflage des «Schweizer Bauer» vom 18. Mai  den Referendumsbogen beilegen, damit alle Bauernfamilien die Chance  haben, das Referendum zu unterschreiben.

Referendum erhält Zulauf

Noch am Freitag hat sich die Landwirtschaftskammer entschieden, kein Referendum gegen die Agrarpolitik 2014-2017 (AP 2017) zu ergreifen. Doch schon am Freitagabend beschloss der Schaffhauser Bauernverband, das Referendum zu unterstützen. Und nach dem Westschweizer Referendums-Komitee aus Uniterre-Kreisen hat sich nun ein Deutschweizer Komitee aus Alt-Nationalräten, Gross- und Kantonsräten formiert. Grossrat Samuel Graber (SVP, BE) erläutert die Beweggründe.

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