21.02.2017 09:47
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann, Raphael Bühlmann
Hochstamm
«Tausende Bäume in Gefahr»
Der Bund will nur noch für gepflegte Hochstammbäume Beiträge geben. Dadurch könnten Tausende Bäume gefällt werden. Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Geht es den Hochstammbäumen an den Kragen? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Wer ab 2018 Biodiversitätsbeiträge für Hochstamm-Feldobstbäume will, soll seine Bäume fachgerecht pflegen müssen. Das schlägt das Wirtschaftsdepartement im Verordnungspaket 2017 vor, das letzte Woche in die Vernehmlassung ging. Noch ist nicht klar, was fachgerechte Pflege genau heisst.

2,2 Millionen Hochstammbäum angemeldet

Laut dem Bund gehört dazu ein korrekter Schnitt des Baums, aber auch die Mäusebekämpfung und wo nötig der Pflanzenschutz. Schweizweit müssen sich 30'000 Bauernfamilien fragen, ob die über 2,2 Millionen Hochstammbäume, die sie für die Qualitätsstufe I angemeldet haben, den Kriterien genügen.   

Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wird immer wieder kritisiert, dass ungepflegte Anlagen Direktzahlungen erhalten. Zudem entstünden teilweise Konflikte zwischen ungepflegten Hochstammanlagen und Tafelobstanlagen, speziell in Bezug auf den Feuerbrand. Und schlecht entwickelte Bäume, die kaum wüchsen, seien für die Biodiversitätsförderung nicht geeignet, ergänzt BLW-Sprecher Jürg Jordi. Er hält auch fest, dass es für viele Landwirte eine Selbstverständlichkeit sei, einen einmal gepflanzten Baum auch zu pflegen. 

Genug reguliert

Karl Berger aus Linden BE ist einer der Landwirte, die zur geplanten Neuregelung klar Stopp sagen. Er sagt: «Bei den Hochstamm-Obstbäumen besteht kein Handlungsbedarf. Jeder Baum, der noch steht, nützt der Biodiversität mehr als jeder, der nach der Verschärfung gefällt wird.» Seine eigenen 33 Hochstammbäume wird er vorerst weiter pflegen, aber Berger befürchtet, dass wegen dieser Regelung schweizweit Tausende Hochstämmer der Motorsäge zum Opfer fallen.

Er ruft dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) zu: «Es ist genug reguliert. Ihr habt versprochen, das ganze System zu vereinfachen. Was ihr nun plant, entspricht dem Gegenteil!» Für die Bauernfamilien sei es sehr schwierig, dass die Regeln laufend verschärft und die Ziele immer noch höher geschraubt würden. 

Diese Beiträge gibt es pro Baum 

Für Hochstamm-Feldobstbäume werden aktuell in der Qualitätsstufe (QS) I Fr. 13.50 pro Baum ausgerichtet, in der QS II kommen Fr. 31.50 pro Baum hinzu. Ist ein Baum vernetzt, gibt es weitere 5 Fr. pro Baum. Dazu gits Landschaftsqualitätsbeiträge (LQB), je nach regionalem Projekt. Ohne Biodiversitätsbeiträge sind es via LQB max. 15 Fr. pro Baum, mit Biodiversitätsbeiträgen max. 10 Fr. Wichtig ist, dass die Hochstämmer auch für die Erreichung des Mindestanteils an Biodiversitätsförderflächen zählen (mit 1 Are pro Baum, bis maximal 50% des erforderlichen Anteils). sal

Bestand dürfte sinken

«Es besteht durchaus ein gewisses Risiko, dass der Bestand an Hochstammbäumen sinkt», sagte Victor Kessler vom BLW gegenüber dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst. Stephan Durrer, Geschäftsführer von Hochstamm Suisse, begrüsst die Neuregelung im Grundsatz. Aber für ihn ist die Gefahr real, dass die verschärften Anforderungen für viele Bauern das Fass zum Überlaufen bringen könnten, sodass sie ihre Motorsägen starten. Die Anforderungen an die Qualitätsstufe I dürften deshalb nicht allzu hoch sein, mahnt Durrer.  

Was heisst denn eigentlich

«Pflege»?Eine fachgerechte Baumpflege, wie sie der Bund nun für alle Hochstamm-Feldobstbäume der Qualitätsstufe I (und damit indirekt auch für die Qualitätsstufe II) vorschreiben will, umfasst laut dem Bundesamt für Landwirtschaft vor allem Formierung und Schnitt, Stammschutz bei Bäumen auf Weiden, Wurzelschutz (Mäusebekämpfung) sowie eine fachgerechte Bekämpfung von besonders gefährlichen Schadorganismen gemäss den Empfehlungen der kantonalen Pflanzenschutzstellen. So steht es auf Seite 43 des 324-seitigen Berichts zu den geplanten Veränderungen im Rahmen des Verordnungspakets 2017. Die fachgerechte Baumpflege, mit der dem Baumalter entsprechenden Pflegeintensität, werde in einem Merkblatt für die Bewirtschafter beschrieben werden. Die Kontrollorgane prüften die fachgerechte Baumpflege mittels einer Checkliste, heisst es weiter. Noch liegen weder Merkblatt noch Checkliste vor, wie das Bundesamt für Landwirtschaft auf Anfrage erklärt. sal

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