17.08.2016 13:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
AP 2017
Überproduktion auch ohne Tierbeiträge
Die Tierbeiträge wurden mit der AP 14–17 abgeschafft. Diese Beiträge seien schuld an der Milchschwemme, lautete die Begründung. Nun sind diese Beiträge abgeschafft. Die Milchschwemme aber blieb.

Am 26. September 2012 ging es heiss zu und her im Nationalrat. Im Rahmen der AP 14–17 beriet der Rat über die Abschaffung der Tierbeiträge, beziehungsweise über ein alternatives Modell mit nach Tierbesatz abgestuften Grünlandbeiträgen, welches von SVP und CVP eingebracht wurde. Doch sämtliche Anträge, welche den Besatz mit Raufutterverzehrern honoriert hätten, wurden abgelehnt. Die Tierbeiträge waren damit Geschichte (siehe Kasten).

Produktionsanreiz

Ein Hauptargument der Gegner war, dass die Tierbeiträge einen Anreiz für eine zu hohe Milch- und Fleischproduktion, damit zu tieferen Preisen und somit letztendlich zu tieferen Einkommen für die Bauern geführt hätten. «Es gibt heute also eigentlich eine Möglichkeit, diesen Bauernfamilien eine Perspektive zu geben. Es muss mit weniger Tieren, vor allem im Talgebiet, gehen», argumentierte Bio-Bäuerin Maya Graf (Grüne, BL).

Auch Martin Landolt (BDP, GL) äusserte sich aus dem gleichen Grund gegen die Tierbeiträge: «Das bisherige System hat zu einer Rekordproduktion geführt, was in der Konsequenz zu tieferen Preisen geführt hat.» Und auch Nationalrätin Kathrin Bertschy (GLP, BE) stiess ins gleiche Horn: «Die tierbezogenen Direktzahlungen führen dazu, dass deutlich mehr Tiere gehalten werden, als dies ohne diese Zahlungen der Fall wäre. Die Folgen davon sind eine Überproduktion in der Schweiz, Futtermittelimporte im grossen Stil aus dem Ausland, ein Preiszerfall aufgrund der Rekordmengen von Milch und Fleisch, welcher die Einkommen der Bauernbetriebe reduziert, sowie massive Umweltbelastungen durch die zu intensive Bewirtschaftung.»

Vergebliche Warnung

Vergeblich warnte Antragsteller Andreas Aebi (SVP, BE) vor falschen Erwartungen, wenn die Tierbeiträge abgeschafft würden. «Wenn das aktuelle System zu einer kleinen Überproduktion führen kann – seien wir ehrlich –, dann wird der Entwurf des Bundesrates nichts an den aktuellen Problemen der Agrarmärkte ändern. Die Probleme auf den Märkten können nicht durch Direktzahlungen gelöst werden, es bedarf anderer Instrumente. Es geht zum Beispiel darum, Verträge abzuschliessen, die für alle Stufen des Agrar- und des Lebensmittelsektors verbindlich sind, um Verbindlichkeiten einfacher entwickeln zu können», betonte Aebi.

Er sollte recht behalten. Trotz der ersatzlosen Abschaffung der Tierbeiträge nahm die Milchproduktion nach der Umsetzung der AP 14–17 nicht etwa ab, sondern im Gegenteil noch eher zu. 2013, also im letzten Jahr vor der Abschaffung der Tierbeiträge, betrug die Milchproduktion 3'428'611 Tonnen. 2014, also im ersten Jahr ohne Tierbeiträge, nahm die Produktion markant auf 3'540'532 Tonnen zu. Auch 2015 war die Produktion mit 3'486'177 Tonnen höher als vor der Abschaffung der Tierbeiträge.

Milchpreis 51,52 Rp./kg

Die kumulierte Milchmenge liegt gemäss Marktlagebericht immer (noch knapp) über dem Vorjahr. Und die Milchpreise sind so tief wie noch nie. Gemäss Milchpreismonitoring der Schweizer Milchproduzenten (SMP) erhielt ein Milchbauer mit einer Jahresliefermenge von 180'000 kg im April dieses Jahres gerade mal noch 49,98 Rp./kg.

Tierbeiträge

Die Beiträge für die Haltung Raufutter verzehrender Nutztiere (RGVE-Beiträge) gab es für Rinder, Pferde, sowie Schafe, Ziegen, Bisons, Hirsche, Lamas und Alpaka. Mit den Beiträgen für die Haltung Raufutter verzehrender Nutztiere unter erschwerenden Produktionsbedingungen (TEP-Beiträgen) wurden die erschwerenden Produktionsbedingungen im Berggebiet ausgeglichen. Beitragsberechtigt war, wer mindestens 1 ha LN in der Hügel- oder Bergregion bewirtschaftete und zugleich mindestens 1 RGVE hielt. sam

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