4.09.2017 14:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: Direktzahlungen anpassen?
Die Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben ihre Erwartungen bezüglich der Agrarpolitik 2022+ beim Bund deponiert. Zusammen mit der gesamten Milchbranche fordern sie eine Anpassung der Direktzahlungen an die zukünftigen Ziele. Die SMP fordern arbeitsbezogene Direktzahlungen. Wie beurteilen Sie diese Idee? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Die Milchproduktion sei der bedeutendste Sektor der Schweizer Landwirtschaft, teilte die Dachorganisation der Milchbauern am vergangenen Mittwoch mit. Da 82 Prozent des Schweizer Rindfleisches auf Milchbetrieben produziert werde, werde die Bedeutung gar noch verstärkt. Zudem erfülle die hiesige Milchproduktion aufgrund der hohen Anforderungen an Tierwohl, Regionalität und Natürlichkeit die Erwartungen der Gesellschaft.

Standardarbeitskräfte (SAK) im Vordergrund

Bei der Ausgestaltung der künftigen Agrarpolitik 2022+ haben die SMP nun ihre Vorstellungen beim Bund deponiert. Als zentrales Element fordern sie eine Anpassung der Direktzahlungen an die zukünftigen Ziele. Diese sollen weniger flächenbezogen, aber viel mehr arbeits- und leistungsbezogen ausgestaltet werden.

«Bei den Direktzahlungen soll vermehrt der Faktor Arbeit und weniger die Fläche berücksichtigt haben. Wenn Standardarbeitskräfte (SAK) im Vordergrund stehen, wird der Arbeitsaufwand und die Leistung, die ein Betrieb erbringt, besser abgegolten als im heutigen System», sagt SMP-Sprecher Reto Burkhardt gegenüber «Schweizer Bauer».

Höhere Flächenmobilität angestrebt

Bei der Agrarreform AP 14–17 gehörten die Milchbauern, besonders jene im Talgebiet, zu den grossen Verlierern. Die Beiträge für Raufutterverzehrer (RGVE) und Tierhaltung unter erschwerten Produktionsbedingungen (TEP) wurden abgeschafft. Stattdessen führte der Bund Flächenbeiträge für Versorgungssicherheit und Kulturlandschaft ein. Höhere Direktzahlungen erhielt bis 2014, wer pro Fläche mehr Kühe im Stall (bis zu einer Obergrenze) hatte.

Die SMP möchten mit der Anpassung bei den Direktzahlungen die Flächenmobilität erhöhen.  «Heute geht ein grosser Teil der Flächenbeiträge zu den Eigentümern und bleibt nicht bei Bewirtschaftern», so Burkhardt. Da es für Kühe SAK gibt, bedeutet dies, dass wie früher gilt: Wer mehr Kühe hält, bekommt mehr vom Staat.

Konfliktpotenzial

Der Schweizer Bauerverband erachtet das heutige System auch nicht als ideal. Mit den flächenbezogenen Direktzahlungen wird nur wenig Land frei, zudem steigen die Pachtzinse. Doch eine Systemänderung birgt auch Konfliktpotenzial: Denn werden die Beiträge bei den Milchbauern erhöht, so werden diese bei andere Produktionsrichtungen gekürzt. Unter den Bauern dürfte ein Verteilkampf entstehen. Deshalb setzt der Bauernverband bei der Milch auf den Markt. Sprich, die Verarbeiter sollen kostendeckende Preise bezahlen.

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