3.03.2020 07:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Agrarpolitik
11% weniger Kalorien aus Pflanzenbau
Der Fokus der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) auf die Umwelt führt dazu, dass die Kalorienproduktion in der Schweiz deutlich sinken wird. Das heisst nichts anderes, als dass die Schweiz mehr Essen importieren muss.

Der Bundesrat hat am 12. Februar 2020 die Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) verabschiedet. Auf der Homepage des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) steht dazu: «Die AP 22+ positioniert die Landwirtschaft so, dass den Anliegen der Bevölkerung Rechnung getragen wird. Damit verfügt die Schweizer Landwirtschaft über den passenden Rahmen, um den Mehrwert ihrer Produkte stärker zur Geltung zu bringen. Die Effizienz der Betriebe wird gestärkt und die Umweltbelastung sowie der Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen weiter reduziert.»

Wer die Auswirkungen der AP22+ erfassen will, darf aber nicht nur solche Einleitungen lesen oder nur die  offizielle zwanzigseitige Präsentation studieren. Er muss in der Botschaft die Seiten 205 bis 2010 lesen. 

11% weniger Pflanzenbau

Mit der AP 22+ fällt die Kalorienproduktion des Schweizer Pflanzenbaus im Jahr 2025 um 11 Prozent tiefer aus als bei einer Fortführung der heutigen Agrarpolitik («Referenzszenario»). Das ergeben Modellrechnungen der Forschungsanstalt Agroscope. Die offene Ackerfläche wird 2025 um fast 5 Prozent tiefer liegen als in der Referenz. Dies sei insbesondere auf die neue Anforderung im Ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) von 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen (BFF) auf der Ackerfläche zurückzuführen.

«Zudem ist in der pflanzenbaulichen Produktion aufgrund der zunehmenden Beteiligung bei den Produktionssystembeiträgen mit teilweisem oder gänzlichem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel mit einem Rückgang der durchschnittlichen Erträge zu rechnen», heisst es in der Botschaft.  Bei welchen Kulturen mit welchen Rückgängen zu rechnen ist, kann das BLW auf Anfrage des «Schweizer Bauer» nicht sagen. Der entsprechende Bericht werde von Agroscope derzeit erarbeitet und erst im Hinblick auf die Parlamentsdebatte publiziert. 

3% weniger Tierkalorien 

Die  Kalorienproduktion in der Tierhaltung entwickelt sich mit der AP22+ gut 3 Prozent tiefer als bei einer Weiterführung der heutigen Agrarpolitik. Bis 2025 gehen  die gehaltenen Grossvieheinheiten um knapp 4Prozent zurück. Das sei insbesondere auf die Abschaffung der 10-Prozent-Toleranz bei der Suisse-Bilanz zurückzuführen.

Würde die heutige Politik weitergeführt («Referenzszenario»), wäre laut der Modellberechnung von Agroscope mit einer leichten Steigerung der Milchmenge zu rechnen. Doch mit der AP 22+ wird  für 2025 eine leicht tiefere Milchmenge gegenüber heute erwartet. Der Bundesrat will die Zahlen zur Produktion aber relativiert haben. Er schreibt: «Es ist zu beachten, dass die technologische Entwicklung im Modell nur teilweise abgebildet ist und damit der Produktionsrückgang mit der AP22+ überschätzt wird.» 

Selbstversorgung

Der deutliche Rückgang der Kalorienproduktion mit der AP22+ schlägt auf den Selbstversorgungsgrad der Schweiz durch. «Der Brutto-Selbstversorgungsgrad beträgt im Jahr 2025 bei einer konstant wachsenden Bevölkerung 52 Prozent gegenüber 56 Prozent im Referenzszenario», heisst es in der Botschaft auf Seite 205.

Zum Vergleich: Im Jahr 2017 lag der Brutto-Selbstversorgungsgrad bei 59 Prozent, davor lag er viele Jahre lang knapp über 60 Prozent. In der Botschaft zur AP14–17 war seinerzeit betont worden, die Nettokalorienproduktion werde mit der Reform erhöht. In der jetzigen  Botschaft zur AP22+ ist der Nettoselbstversorgungsgrad, für den die importierten Futtermittel abgezogen werden, mit keinem Wort  erwähnt.

Auf Nachfrage verweist das BLW auf den genannten  Bericht von Agroscope, der erst erarbeitet werde. Weil der Nettoselbstversorgungsgrad bereits 2017 nur 52 Prozent betragen hatte, ist mit der AP22+ für 2025 ein Nettoselbstversorgungsgrad von klar unter 50 Prozent zu erwarten. Im Zusammenhang mit Ernährungssicherheit werden in der Botschaft  mehrfach Aussenhandel und Importe genannt. sal

 

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