22.11.2018 18:12
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Agrarpolitik 22+
AP 22+: Bauern fordern Korrekturen
Der Schweizer Bauernverband (SBV) ist mit den Vorschlägen des Bundesrates zur künftigen Agrarpolitik unzufrieden und fordert "grundlegende Korrekturen". Bei den Pflanzenschutz-Initiativen will der Verband frühzeitig Gegensteuer geben.

Die Delegierten des Schweizer Bauernverbands (SBV) haben heute an ihrer Versammlung in Bern eine Resolution verabschiedet. Diese richtet sich gegen die vom Bundesrat vorgeschlagene Agrarpolitik 2022+. Gefordert werden "grundlegende Korrekturen".

So fordert der SBV, dass die künftige Agrarpolitik konsequent auf den Artikel 104a in der Bundesverfassung ausgerichtet wird, der im September 2017 deutlich vom Volk angenommen wurde. 6 Ziele sind in der Resolution festgehalten:

  • Stärkung der bäuerlichen Familienbetriebe
  • Stabile Rahmenbedingungen
  • Höhere Wertschöpfung
  • Annäherung des landwirtschaftlichen Einkommens an vergleichbare Einkommen
  • Faire Abgeltung der gemeinwirtschaftlichen Leistungen durch die Direktzahlungen
  • Weniger Administration

Eines der grossen Probleme der Landwirtschaft sei die geringe Wertschöpfung, beklagte Bauernpräsident Markus Ritter. "Die Landwirtschaft bekommt zu wenig vom Kuchen." Ein Grund dafür ortete der CVP-Nationalrat in ungünstigen Marktstrukturen.

Viele Bauern würden wenigen Verarbeitern gegenüberstehen. Letztere würden über eine übergrosse Marktmacht verfügen. "Sie bestimmen, was zu welchem Preis im Regal landet und was nach Abzug aller Margen und Gewinne gnädigerweise noch für die Bauernfamilien übrig bleibt", betonte Ritter.

"Agrarpolitisches Extrem-Experiment"

Sorgen bereitet dem Bauernverband nicht nur die Agrarpolitik, sondern auch die beiden Pflanzenschutz-Initiativen, die voraussichtlich 2020 zur Abstimmung kommen. Martin Rufer vom SBV sprach in Bezug auf die Trinkwasser-Initiative von einem "agrarpolitischen Extrem-Experiment." Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft wären bei beiden Initiativen verheerend.

Der SBV arbeitet bereits auf Hochtouren an einer Gegen-Kampagne. Man müsse die Initiativen frühzeitig bekämpfen und nicht erst 2 Monate vor der Abstimmung, betonte SBV-Vizedirektor Urs Schneider. Deshalb startet der Verband bereits 2019 mit einer Vorkampagne. Zudem hat er Studien in Auftrag gegeben, welche die Auswirkungen der Initiativen auf die Produktion aufzeigen sollen. Weiter will der SBV eine Allianz auf die Beine stellen mit landwirtschaftlichen Organisationen sowie Akteuren der vor- und nachgelagerten Sektoren. 60 Mitglieder zählt die Allianz bereits. Markus Ritter hofft, dass die beiden Initiativen ohne Gegenvorschlag zur Abstimmung gelangen. So seien sie einfacher zu bekämpfen. Ein Gegenvorschlag könnte zu einer Spaltung der Landwirtschaft führen, warnte Ritter.

Die derzeitige Initiativen-Flut zu landwirtschaftlichen Themen stimmt den Bauernpräsident nachdenklich. In seiner Eröffnungsrede fragte er: "Warum sieht eine wachsende Anzahl Menschen unsere Arbeit in einem so schlechten Licht?" Urs Schneider bemerkte, dass die Landwirtschaft zu einer Projektionsfläche für gesellschaftliche Erwartungen und Wünsche geworden sei. "In den letzten Jahren ist vermehrt Kritik an der Landwirtschaft laut geworden", sagte Schneider.

DV ohne Gemüsebauern

An der heutigen Delegiertenversammlung des Bauernverbands kam es zu einer Premiere: Sie fand ohne die Gemüseproduzenten statt. Diese traten anfangs 2018 aus dem Dachverband aus, weil sie nicht bereit waren, höhere Beiträge zu entrichten (Agronews vom 23. Februar 2018).

Markus Ritter bedauerte den Entscheid: "Wir haben als Landwirtschaft nur eine Chance, wenn wir zusammenhalten. Nur so können wir unsere Interessen durchsetzen." Und weiter betonte der Bauernpräsident: "Wir glauben, dass wir auch für die Gemüseproduzenten grosse Leistungen erbringen, zum Beispiel beim Grenzschutz oder bei der Raumplanung."

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