28.05.2019 12:19
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Ausbildung
«Landwirtschaft nicht verschulen»
Mit der Agrarpolitik 2022+ sollen die Ausbildungsanforderungen für den Erhalt von Direktzahlungen erhöht werden. Den Vorschlag des Bundesrats lehnt die Kleinbauern-Vereinigung ab. Quereinsteiger sowie Praktiker sollen weiterhin in die Landwirtschaft einsteigen können.

Mit der Agrarpolitik 2022+ schlagen Bundesrat und Bundesamt eine Erhöhung der Ausbildungsanforderungen vor. Die Anforderungen an die BetriebsleiterInnen in der Landwirtschaft seien gestiegen, so die Begründung.  Mit den neuen Anforderungen an die Ausbildung müsste ein Betriebsleiter neu über einen eidgenössischen Fachausweis (Berufsprüfung) verfügen.

Schweiz braucht vielfältige Landwirtschaft

Von den Direktzahlungen ausgeschlossen würden damit in Zukunft Landwirte, welche nur über ein Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis EFZ (Lehrabschluss) verfügen. Zudem ausgeschlossen würden Agrarpraktiker mit Eidgenössischem Berufsattest EBA (zweijährige Lehre) sowie Späteinsteiger mit einem Nebenerwerbslandwirtschaftskurs NEK/ NELA, auch Direktzahlungskurs genannt. Die Kleinbauern stellen sich nicht gegen Aus- und Weiterbildung. Diese müsse man stärken, sagten sie am Dienstag vor den Medien.

Die in der Vernehmlassung vorgeschlagene Verschärfung der Ausbildungsanforderungen wird aber abgelehnt. Dies sei der falsche Weg. Die Schweiz brauche eine vielfältige Landwirtschaft und genügend Nachwuchs. «Die bisherigen Ausbildungsvoraussetzungen erlauben eine an die Vorbildung und das Alter angepasste, solide Ausbildung. Sie ermöglicht sowohl Praktikern als auch Spätberufenen oder Quereinsteigern den Zugang zu Direktzahlungen», halten die Kleinbauern fest.

Brückenbauer-Funktion

Statt die landwirtschaftliche Ausbildung zu verschulen, fordert die Vereinigung ein breiteres Weiterbildungsangebot und eine bessere Durchlässigkeit in der Bildung. Nebenerwerbsbauern würden als Brückenbauer eine wichtige Funktion zwischen der Landwirtschaft und der übrigen Bevölkerung einnehmen. Spät- und Quereinsteiger verfügten allenfalls über weniger Praxis, könnten aber oftmals zusätzliches Wissen im betriebswirtschaftlichen Bereich vorweisen und verfügten über mehr direkte Kontakte zu den Konsumenten.

«Weder eine erzwungene Verschulung noch eine Abschottung gegenüber Menschen mit einer anderen Grundbildung ist gut für die Landwirtschaft», halten die Kleinbauern fest. Gerade diese Menschen würden neue Sichtweisen in die Landwirtschaft einbringen und könnten ebenso erfolgreich wirtschaften.

Forderungen der Kleinbauern-Vereinigung

• Beibehalten der heutigen Ausbildungsanforderungen
• Kein Ausschluss von den Direktzahlungen von Praktikern, Quer- und Späteinsteigern
• Durchlässigkeit der landwirtschaftlichen Weiterbildung fördern
• Heutigen Anforderungen und Herausforderungen stärker in die Grund- und Weiterbildung aufnehmen – insbesondere im Bereich Klima und Ökologie
• Vielfalt an Betrieben durch eine offene, modulare Bildung unterstützen
• Die sehr unterschiedlichen regionalen und betrieblichen Bedürfnisse abholen

Gemäss der Kleinbauern absolviert bloss ein Drittel der Landwirtinnen und Landwirte eine Berufsprüfung. «Wenn die Forderung des Bundesrats durchgesetzt würde, dann müssten die Anforderungen der Berufsprüfung gesenkt werden oder man würde in Kauf nehmen, dass ein grosser Teil der ausgebildeten Personen mit EFZ keine DZ geltend machen können», so die Vereinigung.  

Der Schweizerische Bauernverband (SBV) wünschte sich in der Vernehmlassung, dass die Landwirtschaftslehre Grundlage für den Erhalt der Direktzahlungen ist. Als Ausnahmen ebenfalls zulassen will er die zweijährige Attestlehre plus obligatorische Weiterbildung sowie den Fachausweis für Bäuerinnen. Ausnahmen fordert der Bauernverband zudem für Betriebe in den Bergen sowie für Härtefälle, beispielsweise für Hofübernahmen nach dem Tod der Eltern.

Die Kleinbauern-Vereinigung fordert eine Stärkung der Weiterbildungsmöglichkeiten und dass die Durchlässigkeit in der landwirtschaftlichen Bildung verbessert wird. «Für NEK/ NELA Absolventen sind Weiterbildungen heute nur sehr beschränkt möglich, was eine grosse Schwäche der heutigen landwirtschaftlichen Bildungslandschaft darstellt», halten die Kleinbauer fest. Das neu auch NEK/ NELA AbsolventInnen zu den Modulen des Fachausweises zugelassen werden sollten, unterstützt die Kleinbauern-Vereinigung.

Direktzahlungsverordnung: 

Art. 4 Anforderungen an die Ausbildung Abs. 1 Bewirtschafter und Bewirtschafterinnen müssen über eine der folgenden Ausbildungen verfügen: a. berufliche Grundbildung «Berufsfeld Landwirtschaft und deren Berufe» mit einem Eidgenössischen Berufsattest nach Artikel 37 des Berufsbildungsgesetzes vom 13. Dezember 20021 (BBG) oder einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis nach Artikel 38 BBG; b. Bäuerin mit Fachausweis nach Artikel 43 BBG; c. höhere Ausbildung in den Berufen nach Buchstabe a oder b. 

Abs. 2 Der beruflichen Grundbildung nach Absatz 1 Buchstabe a gleichgestellt ist eine andere berufliche Grundbildung mit einem Eidgenössischen Berufsattest nach Artikel 37 BBG oder einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis nach Artikel 38 BBG, ergänzt mit: a. einer abgeschlossenen, von den Kantonen in Zusammenarbeit mit der massgebenden Organisation der Arbeitswelt einheitlich geregelten landwirtschaftlichen Weiterbildung; oder b. einer ausgewiesenen praktischen Tätigkeit während mindestens drei Jahren als Bewirtschafter, Bewirtschafterin, Mitbewirtschafter, Mitbewirtschafterin, Angestellter oder Angestellte auf einem Landwirtschaftsbetrieb.

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