9.01.2020 11:43
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Erdmandelgras
Mit AP22+ wird Melden Pflicht
Seit Jahren kämpfen Landwirte und Lohnunternehmer gegen das Erdmandelgras – mit mässigem Erfolg. Die Bemühungen müssen verstärkt werden. Dazu wurde die Nationale Koordination Erdmandelgras gegründet.

Viel wurde in den letzten Jahren im Kampf gegen das Erdmandelgras geleistet. Bekämpfungsstrategien wurden getestet, und mehrere Kantone haben Richtlinien für die Meldung und Bekämpfung des hartnäckigen Unkrauts ausgearbeitet. Das mehrjährige Beratungsprojekt Erdmandelgras zeigt aber, dass das alles nicht reicht. 

Handeln ist bitter nötig

Die Konferenz der kantonalen Landwirtschaftsämter (Kolas), die kantonalen Pflanzenschutzdienste  und der Bauernverband  (SBV) haben nun in Absprache mit dem Bundesamt für Landwirtschaft beschlossen, die laufenden Aktivitäten in der Arbeitsgruppe «Nationale Koordination Erdmandelgras»  zusammenzufassen.  

Handeln ist bitter nötig, denn das Erdmandelgras, dessen Erdmandeln mit Maschinen und Erde von Feld zu Feld verschleppt werden, breitet sich weiter aus. «Im Mittelland und im Tessin kommt es überall, wo es Ackerbau gibt, vor», weiss Alexandra Schröder von der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Bern. «Neu sind auch  die Kantone Zug und Baselland betroffen.»

Erkennen und Ausgraben

Schröder sieht es als erschwerend an, dass kleine Befälle nicht von Anfang an entdeckt werden – «so kann sich das Erdmandelgras unbemerkt weiterverbreiten. Zudem wollen die Landwirte aus Angst vor Konsequenzen das Erdmandelgras nicht melden.» Dabei sei das frühzeitige Erkennen und Ausgraben der ersten Befallsherde das A und O. «Die Wundermethode wird es nie geben, das beste Resultat erreicht man, wenn man immer dranbleibt und es nicht vergisst.»

In die Tiefe graben

Weder Herbizide noch eine flache Bodenbearbeitung erfassen Erdmandeln in tieferen Bodenschichten. Sind Erdmandeln in tieferen Schichten vorhanden, sollte der Boden ab und zu tief bearbeitet werden, um überdauernde Erdmandeln aus der Tiefe an die Oberfläche zu befördern, wo sie besser bekämpft werden können. Sind keine Erdmandeln in tieferen Schichten vorhanden, darf der Boden nicht tief bearbeitet werden, weil sie sonst vergraben werden. Am besten kann die Tiefe der Erdmandel im Frühling nach dem Austreiben des Erdmandelgrases festgestellt werden. Mit einem Spaten wird entlang der weissen Hauptwurzel des Erdmandelgrases in die Tiefe gegraben, bis die Erdmandel zum Vorschein kommt. sum

Lücke schliessen

Der SBV und alle betroffenen Branchen haben schon 2014 und 2017 in Schreiben an den Bund die Einführung einer schweizweiten Melde- und Bekämpfungspflicht verlangt. David Brugger vom SBV: «Mit der AP22+ wird nun explizit ein gezieltes Vorgehen gegen die Ausbreitung verlangt – mit Melde- und Bekämpfungspflicht. Bis dahin schliesst die neue Koordination die Lücke. Sie wird sich mit Punkten befassen, wie eine solche Melde- und allenfalls Bekämpfungspflicht ausgestaltet werden könnte.» Sanktionen lehnt der SBV ab. 

Matthias Müller von der Kolas bestätigt: «Wir planen die Einführung einer nationalen Meldepflicht für Erdmandelgras. Es ist einfacher, diese auf nationaler Ebene rechtlich zu regeln als kantonal. Zudem wollen wir die flächendeckende Erhebung aller Bestände und eine einheitliche Bekämpfungsstrategie festlegen.»

Harte Blätter  

Die harten, braunen Mandeln des Erdmandelgrases sehen Erdkrumen ähnlich. Sie treiben mehrfach aus und überleben mehrere Jahre. Die Knöllchen sind sehr klein (2 bis 15mm) und werden leicht über Maschinen verschleppt. Warme Witterung, Bewässerung und nährstoffreiche Böden beschleunigen Wachstum und Mandelgrösse. Die Bildung neuer Knöllchen beginnt ab Juni. Das Erdmandelgras unterscheidet sich deutlich von anderen Gräsern und kennzeichnet sich durch einen dreikantigen Stängel, eine V-förmige Blattmittelrinne und durch die hellgrüne Farbe. Die Blätter sind hart und schwer benetzbar. sum

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