22.04.2020 06:00
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
AP22+
Rindviehbestand wird stark sinken
19000 Milchkühe und 5000 Mutterkühe: So stark dürfte die Anzahl Kühe sinken, wenn die Agrarpolitik 2022 wie geplant umgesetzt wird. Agroscope rechnet einzig beim Geflügel mit wachsenden Beständen.

Mit der  stabilen Entwicklung   des Tierbestandes in den vergangenen 20 Jahren dürfte bald Schluss sein. Grund: Die Agrarpolitik ab 2022 (AP22+). Nicht nur der Pflanzen- und Ackerbau wird ab 2022 zurückgefahren, auch die Tierhaltung dürfte von den neuen und angepassten Massnahmen mit der AP 22+ betroffen sein. Es ist damit zu rechnen, dass die Tierbestände  abnehmen werden.

Diese Entwicklung stellt eine Forschungsgruppe von Agroscope fest, die anhand der SWISSland-Methode die Auswirkungen der AP 22+ unter anderem auf die Flächennutzung, die  Tierbestände und die landwirtschaftliche Produktion analysierte. Dabei verglich sie die AP22+ mit dem Referenzszenario, unter dem die 2018 geltenden Direktzahlungsansätze bis 2025 fortgeschrieben werden.

Auch weniger Schweine

Im Vergleich zum Referenzszenario gehen die Forscher davon aus, dass der  Gesamtbestand an Raufutterverzehrern (RGVE) um rund 4 Prozent zurückgehen wird. Das bedeutet, dass im Jahr 2025 im Land knapp 34000 RGVE weniger gehalten werden: Minus 19000 Milchkühe, minus 5000 Mutterkühe und minus 10000 RGVE «Andere Rinder» wie Aufzuchtrinder, Ochsen, Stiere usw.

Unter Weiterführung der heutigen Agrarpolitik berechnete Agroscope von 2019 bis 2025 mit 4,5  Prozent einen wachsenden Schweine- und Geflügelbestand. Dieser Aufwärtstrend beim Veredlungstierbestand wird mit der AP 22+ deutlich gebremst. Vor allem die Schweinebestände sind betroffen. Anstatt 191000 GVE Schweine im 2025 soll es nur noch 182000 GVE geben (siehe Grafik).

Einzig die Geflügelbestände dürften auch mit der  AP22+ weiter ansteigen. Bei den Legehennen ist mit einer Zunahme von 37000 GVE im Jahr 2019 auf 40000 GVE im Jahr 2025 zu rechnen. Auch die Mastpoulet-Beständen dürften von 27000  auf 33000 GVE wachsen. 

Agroscope relativiert die insgesamt prognostizierte Abnahme der Tierbestände. Sie sei auf die Abschaffung  des 10%-Fehlerbereichs in der Suisse-Bilanz  zurückzuführen, heisst es.

100 Millionen Kilo Milch

Die Folge  tieferer Nutztierbestände sind eine tiefere Produktion von Kalorien. Alleine bei der Milch dürften  mit der AP22+  267 Terajoule (TJ) verloren gehen (siehe Tabelle). Unter der Annahme, dass ein Kilo Milch mit 3,5 Prozent Fett 640 Kalorien enthält, sinkt die jährliche Milchmenge um rund 100 Millionen Kilo Milch. Das ist knapp ein Drittel der  Milchmenge, die jährlich  für die Gruyère-AOP-Herstellung verwendet wird.

Die insgesamt tiefere tierische Inlandproduktion wird dazu führen, dass sie ohne Änderung des Konsums unverzüglich mit einer  Erhöhung der Importe kompensiert wird. Anfang Jahr sagte Francis Egger, Departementsleiter beim Schweizer Bauernverband (SBV), gegenüber dieser Zeitung, dass dadurch auf globalem Niveau negative Effekte der Landwirtschaft auf die Umwelt und das Klima ebenso wenig vermindert würden, nur weil in der Schweiz weniger Nutztiere gehalten werden. Dabei hatte aber der Bundesrat mit der AP22+ die Absicht, die Umweltbelastung zu reduzieren.

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