11.09.2019 16:21
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sum
Umfrage
Umfrage: Dürre billiger versichern?
Mit der Agrarpolitik 2022+ will der Bundesrat Bauern bei Versicherungen gegen Ernteausfall mit Prämienverbilligungen unterstützen. Das Geld würde von bestehenden Direktzahlungen abgezweigt. Ein Experte warnt vor staatlichem Support. Wie denken Sie darüber? Abstimmen und mitdiskutieren

In den vergangenen Jahren waren die Sommer aussergewöhnlich warm und trocken. Sollten die Prognosen der Klimaforscher eintreffen, dürften solche Sommer zur Regel werden.

Bisher nur wenig versichert

Der Bundesrat will deshalb eine gesetzliche Grundlage schaffen, damit sich der Bund an Prämien von Wetterversicherungen finanziell beteiligen kann. Die Bauern sollen so vor klimatisch bedingten Ernteverlusten geschützt werden.

Bis jetzt ist nur ein kleiner Teil der Flächen gegen Trockenheit versichert. Gemäss Schweizer Hagel sind es rund 15 Prozent der Ackerflächen, beim Grasland lediglich 1 Prozent. Insgesamt hat der Versicherer 1600 Policen dazu abgeschlossen. Es gibt jedoch grosse regionale Unterschiede. Im Kanton Waadt sind über 35 Prozent der Ackerflächen gegen Trockenheit versichert. Grasland kann erst seit 2016 im Rahmen einer spezifischen Ernteversicherung mittels eines Referenzindexes abgesichert werden.

Nachfrage dürfte steigen

Sollte sich der Bund bei den Prämien künftig beteiligen, rechnet Pascal Forrer, Direktor der Schweizer Hagel, mit einer steigenden Anzahl an Versicherten. «Bereits nach den Dürreperioden der letzten fünf Jahre und angesichts des Klimawandels ist das Interesse für die Abdeckung dieses Risikos gestiegen», sagt er gegenüber «Schweizer Bauer».

Trockenheit tritt im Vergleich zu Hagel aber oft flächendeckend auf. Für die Versicherung ist dies eine Herausforderung. In ihren aktuellen Berechnungen geht Schweizer Hagel davon aus, dass es alle 15 bis 20 Jahre eine ausgedehnte Trockenperiode gibt.

Von Direktzahlungen finanziert

Tritt häufiger eine Dürre auf, muss sich die Versicherung neu orientieren. «In einem solchen Szenario müssten die Prämien sicher neu überprüft werden», sagte Forrer nach dem Hitzesommer 2018 zu SRF. Damit könnte die Prämie von durchschnittlich 120 Franken pro Hektar Ackerland ansteigen.

Der Ruf nach staatlicher Unterstützung ist nachvollziehbar. Für allfällige Prämienverbilligung durch den Staat würden aber keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt. «Das Geld für die Prämienverbilligung kommt von den bestehenden Direktzahlungen, am ehesten von den Versorgungssicherheitsbeiträgen», erklärt Jürg Jordi, Sprecher vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), gegenüber «Schweizer Bauer».

SBV: Nur Kulturen mit hohem Risiko

Der Schweizer Bauernverband (SBV), der eine Prämienverbilligung durch den Staat unterstützt, teilt die Haltung des BLW. «Der Landwirtschaftskredit soll nicht aufgestockt werden. Die Mittel für die Unterstützung belaufen sich im einstelligen Millionenbetrag. Wir gehen davon aus, dass trotz Bundesbeitrag nur Kulturen mit hohem Risiko versichert werden», sagt SBV-Präsident Markus Ritter zu «Schweizer Bauer».

ETH-Professor skeptisch

Eine Prämienverbilligung durch den Staat stösst aber auf Skepsis. ETH-Professor Robert Finger forscht über Versicherungen gegen extreme Wetterereignisse. «In der Schweiz gibt es gute Gründe, dass Versicherungen vergleichsweise wenig verbreitet sind. Nur weil Dürren häufiger vorkommen, heisst das noch lange nicht, dass sich jeder Betrieb dagegen versichern muss», sagt der Agrarökonom zur «NZZ». 

Schweizer Landwirtschaftsbetriebe hätten in der Regel mehrere Betriebszweige und seien so weniger verwundbar gegen Wetterextreme. Finger befürchtet, dass Staatseingriffe negative Nebeneffekte zur Folge hätten. 

Landwirt würde höhere Risiken eingehen

Ein Landwirt gehe höhere Risiken ein, wenn er staatlich subventionierte Versicherungen erhalte. Damit widerspricht Finger der Argumentation von Ritter. Gemäss dem ETH-Professor würden vermehrt Kulturen an ungeeigneten Standorten kultiviert. «Geht es gut, bleibt der Erfolg beim Bauern – läuft es schlecht, ist der Bauer dank staatlicher Hilfe ebenfalls abgesichert», sagt der Wissenschaftler zur «NZZ».

Zudem würden Studien zeigen, dass staatlich unterstützte Versicherungen intensivere Produktionsformen fördern, die oft einen höheren Einsatz von Pestiziden erfordern. Robert Finger fordert stattdessen, dass der Bund in Infrastruktur investiert, die bessere Markt-, Wetter- und Ertragsdaten liefert sowie den Zugang zu Satellitenbildern ermöglicht.

Was halten Sie von einer Prämienverbilligung durch Staat? Unterstützen Sie den Vorschlag? Oder finden Sie diesen untauglich? Abstimmen und mitdiskutieren

Die Schweizer Hagel als Partnerin der Landwirtschaft für die Absicherung von Wetterextremen hatte infolge der sich abzeichnenden Klimaerwärmung bereits 2009 erste Versuche mit dem Absichern von Trockenheitsschäden begonnen. Obwohl Trockenheit versicherungstechnisch anspruchsvoll sei - Dürreperioden treffen oft alle Kulturen von ganzen Regionen/Ländern - konnte dieses Risiko im Versicherungsangebot fest integriert werden, schreibt der Versicherer.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE