24.06.2020 12:48
Quelle: schweizerbauer.ch - lid/blu
Agrarpolitik
«Widerspricht jeglicher Logik»
Die Vereinigung der Schweizer Futtermittelfabrikanten (VSF) fordert mehr Zeit und eine gründliche Überarbeitung der Agrarpolitik 2022+. Die vom Bundesrat beabsichtigte Reduktion der Tierbestände wird entschieden abgelehnt.

Nur so könnten die Ziele einer nachhaltig produzierenden Landwirtschaft erreicht werden, schreibt der VSF in einer Medienmitteilung. Die beabsichtigte Reduktion der Tierbestände und eine Senkung der Düngergrossvieheinheiten (DGVE) lehne man entschieden ab.

Hoher Selbstversorgungsgrad bei Tiernahrung

Der VSF verweist auf das im internationalen Vergleich strenge Tierschutzniveau in der Schweiz sowie die Rolle der Nutztiere bei der Verwertung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie. Die Schweiz verfüge über einen hohen Selbstversorgungsgrad für Tiernahrung, hält der VSF fest. Der Anteil an verfügbarem Futter aus der Inlandproduktion ist seit Jahren mehr oder weniger stabil bei knapp 85%. 

Die Beurteilung des Nährstoffflusses nach DGVE-Methode, wie sie in der AP22+ im Gewässerschutzgesetz angewandt werden soll, sei fachlich überholt und ungenau. Die Methode berücksichtige weder die unterschiedlichen Produktionsbedingungen, noch den unterschiedlichen Nährstoffanfall. Eine VSF-Analyse habe ergeben, dass eine Reduktion auf 2,5 DGVE die Hofdünger zugunsten der Kunstdünger bestrafen würden. 

Widerspricht jeglicher Logik


Die Reduktion von 3 auf 2,5 DGVE/ha führe im Endeffekt zu massiv mehr Gülletransporten und Kunstdüngereinsatz, kritisiert der VSF. Kunstdünger werde mit viel Energie produziert und importiert. Der Transport von Gülle führt gemäss dem VSF zu zusätzlichen CO2-Emissionen. «Die geschätzten Mehrtransporte von 1.4 Millionen Kubikmeter flüssigem Hofdünger dürften Kosten von 15 bis 20 Millionen Franken zur Folge haben», heisst es in der Mitteilung. Gülle und Mist wegführen und dafür Kunstdünger zukaufen, widerspreche deshalb jeglicher Logik.

Der VSF fordert eine Änderung des Begriffs «Phasenfütterung», Darunter könne sich kaum jemand den effektiven Nutzen der eiweissreduzierten Fütterung und damit der effektiven Reduktion von Stickstoffverlusten vorstellen. «Phasenfütterung» soll deshalb durch den Begriff «Eiweissreduzierte Fütterung» ersetzt werden.

Insgesamt begrüsst die VSF den Entscheid der WAK-S, für die AP22+ mehr Zeit einzuplanen. Die AP22+ benötige eine gründliche Überarbeitung, damit die Ziele im Sinne einer nachhaltigen, produzierenden Landwirtschaft wirklich erreicht werden könnten, fordert der VSF.

Die VSF hat bei ihren Mitgliedern mittels einer umfassenden Umfrage ihre Positionen breit abgestützt. 

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