11.09.2016 09:31
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
Der Milchmarkt hat Chancen
Rebecca Scheidegger sieht als neue Geschäftsführerin der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) die grossen Probleme im Milchmarkt. Trotzdem ist sie überzeugt, dass es Produzentenorganisationen auch in Zukunft brauchen wird.

«Schweizer Bauer»: Rebecca Scheidegger, ist der Schweizer Milchmarkt kaputt?
Rebecca Scheidegger: Nein, solange wir etwas verändern können, ist der Milchmarkt nicht kaputt. Klar, die Situation ist nicht einfach. Problematisch sind die Preise.

Und international?
Im Ausland sind die Märkte sehr volatil mit Sprüngen nach oben und unten. Deshalb ist es empfehlenswert, dieses Risiko unternehmerisch einzukalkulieren. Von Preisschwankungen sind andere Märkte genauso betroffen.

Wäre es also nicht am besten, wieder zur Mengensteuerung zurückzukehren?
Nein, das ist ein Weg, der keine Zukunft hat. Auch die Schweizer Milchproduzenten müssen sich mit den wirtschaftlichen Bedingungen befassen und sich diesen anpassen.

Anpassen ja, aber mit welchen Lösungen?
Als Quelle agrarischer Rohstoffe sollten Bauern am Mehrwert ihrer Produkte stärker beteiligt werden. Ganz wichtig scheint mir dabei die Bündelung der Kräfte in ihrer Berufsorganisation, damit diese die richtigen Weichen am Markt stellen kann.

Die Optionen für erweiterte Betriebsstrategien müssen auch auf Stufe gesetzlicher Rahmenbedingungen weiter vorangetrieben werden. Als Innovationsstandort Schweiz sehe ich zudem Möglichkeiten in der Innovationsförderung der Milchwirtschaft.

Oder sollen die Grenzen auch für die weisse Linie vollkommen geöffnet werden?
Für mich stellt sich die Frage, wie wir uns auf sich öffnende Grenzen vorbereiten. Zum aktuellen Zeitpunkt würde die Öffnung der Grenzen einen Verlust der Landwirtschaft in weiten Teilen der Schweiz bedeuten.

Ich bin überzeugt, dass der Konsument eine sichere und qualitativ hochstehende Lebensmittelversorgung will. Deshalb ist die gezielte staatliche Unterstützung für eine nachhaltige, wettbewerbsfähige, regionale Milchwirtschaft und für gesunde Nahrungsmittel essenziell. Geht es den Bauern gut, geht es der Gesellschaft gut.

Sind Sie in Ihren fast halben Jahr als Geschäftsführerin auf Schwierigkeiten gestossen?
Seit längerer Zeit verweigerten einzelne Landwirte in unserem Verbandsgebiet die Zahlungen an den Fonds für die Lactofama, welche vorübergehend die saisonal überschüssige Milch auf dem Markt absetzt, um den Milchpreis zu stabilisieren. Aufgrund des Inkassoauftrages der VMMO waren viele Gespräche und Überzeugungsarbeit nötig.

Welche neuen Impulse können und wollen Sie dem Verband geben?
Unsere Aufgabe ist es, unseren Mitgliedern in ihrer Entwicklung professionell zur Seite zu stehen. Mit Infos und Beratung, mit unserem Netzwerk und Inputs können wir eine Austauschplattform bieten und neue Perspektiven eröffnen.

Die Sensibilisierung der regionalen Bevölkerung und der Politik ermöglicht uns aufzuzeigen, wie wichtig die Schweizer Milchwirtschaft für die Wohlfahrt der Schweiz ist.

Wo sehen Sie die Milchwirtschaft in zehn Jahren?
Ich glaube fest an die Zukunft der Schweizer Milchwirtschaft. Dabei sehe ich Chancen in der erfolgreichen Positionierung mit innovativen Produkten, starken regionalen Partnerschaften und authentischer Markenführung.

Warum haben Sie die Aufgabe als Geschäftsführerin übernommen?
Nach meinem Studium der Agronomie arbeitete ich im Aufbau und in Betreuung verschiedener Regionalentwicklungsprojekte mit und war gesamtschweizerisch auf Betrieben im Einsatz. Ich beschäftigte mich in der Standortförderung mit Projekten und Marketing.

 Ich war als Bereichsleiterin tätig bei Swisscofel, dem Handelsverband für Gemüse, Früchte und Kartoffeln. Dabei stellte ich fest, dass ich mich noch stärker für die Bauern und Bäuerinnen einsetzen möchte.

Inwiefern sind Sie mit der Landwirtschaft verbunden?
Ich bin nicht auf, sondern neben einem Bauernhof aufgewachsen. Schon damals half ich liebend gerne mit und genoss diese Verbindung zur Milchwirtschaft.

Später interessierte mich als Konsumentin der Hintergrund, also die Entstehung der Nahrungsmittel. So kam ich immer stärker in die Anliegen der  Landwirtschaft hinein.

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