26.02.2017 07:23
Quelle: schweizerbauer.ch - ral
Solothurn
Fall Boningen: Veterinärdienst behält weisse Weste
Eine Untersuchung zeigt: Der Tierschutzfall Boningen hätte nicht verhindert werden können. Doch alle Fragen sind nicht geklärt.

Der Veterinärdienst hat im Tierschutzfall Boningen richtig gehandelt. Dies steht in dicken Lettern über der Medienmitteilung der Staatskanzlei Solothurn. Diese hatte am Mittwoch zu einer Medienkonferenz geladen.

Vorgaben eingehalten

Eines steht ausser Zweifel, die Zustände, die der Veterinärdienst am 28. Mai auf einem Bauernhof in Boningen angetroffen hat, waren haarsträubend: 12 teils schon seit zwei Monaten verendete und 10 abgemagerte, noch lebende Tiere. 4 fand man später im Miststock.

Gegenüber dem Landwirt wurde ein Nutztierhaltungsverbot verfügt und ein strafrechtliches Verfahren eingeleitet. «Dies ist aber nicht Gegenstand der verwaltungsinternen Untersuchung», hielt Peter Studer, Departementssekretär und Chef Rechtsdienst, fest. Die Strafakten der Staatsanwaltschaft seien umfangreicher als angenommen, deshalb sei der 15-seitige Untersuchungsbericht erst jetzt statt schon im Dezember fertig geworden.

Der Veterinärdienst des Kantons Solothurn habe die gesetzlichen Vorgaben eingehalten, hält der Bericht fest. Dennoch habe man interne Korrekturen vorgenommen. Beispielsweise würden künftig auch telefonische Meldungen festgehalten.

Dies war nach einem Anruf im Februar zum betreffenden Fall nicht erfolgt, sondern es wurde eine schriftliche Meldung verlangt, «die jedoch nie eingetroffen ist», so Studer. 2015 wurde das risikobasierte Kontrollsystem eingeführt. Diese sieht vor, alle Betriebe innert vier Jahren einmal zu kontrollieren. Werden Mängel festgestellt, wird eine Zwischenkontrolle im Folgejahr vorgemerkt und die Risikostufe erhöht.

Genauer nachprüfen

Gemäss Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan wird künftig der Tierverkehr in der Tierverkehrsdatenbank nachgeprüft, und die Mängelbehebung wird durch Kontrollorgane oder einen Tierarzt verifiziert. Als Experte wurde Michael Hässig, Professor an der Universität Zürich, beigezogen.

Schon 2014 und 2015 habe der betreffende Betrieb Probleme mit der Klauenpflege gehabt, diese jedoch behoben. Er erklärt: «Es ist richtig, dass ohne Beanstandung keine Nachkontrolle erfolgt.» Auch wenn festgehalten ist, dass die Futterqualität mangelhaft sei. Dies war im Ergebnis der Kontrolle im Februar 2016 festgehalten. Und doch: «Pantoffelklauen entstehen nicht von heute auf morgen», sagt Hässig.

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