28.12.2012 08:11
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
2013 wird in Deutschland neuer Index zu Milchproduktionskosten lanciert
Mit einem sogenannten Milch-Marker-Index (MMI) will die Milcherzeugergemeinschaft MEG Milch Board ab dem nächsten Jahr für mehr Transparenz in Sachen Produktionskosten für Milch sorgen und den Produzenten handfeste Argumente für die Preisverhandlungen mit ihren Abnehmern geben.

Wie der Vorsitzende des Milch Boards, Peter Guhl, vor zwei Wochen in Berlin vor Journalisten erklärte, sind die Milchproduzenten nicht zuletzt von der Politik aufgerufen worden, sich in Zukunft stärker „im Markt zu bewegen“. Ein Weg dorthin sei die Konzentration der Landwirte in Produzentengemeinschaften wie der MEG.

„Mitverhandlungsmacht“ meist zu gering

„Die Bündelung der Betriebe allein reicht aber nicht aus, das zeigen beispielhaft die jüngsten Abschlüsse mit den Molkereien“, erklärte Guhl. Blicke man auf die aktuellen Verträge, seien Milchproduzenten eher Ablieferer als Verkäufer ihrer eigenen Milch. Dies liege vor allem daran, dass die „Mitverhandlungsmacht“ von Milchbauern am Markt meist zu gering sei, um bessere Preise einfordern zu können.

Im Rahmen des deutschen Marktstrukturgesetzes werde Landwirten aber eine besondere Ausnahmestellung im Wettbewerbsrecht eingeräumt. Sie dürften sowohl in einer Genossenschaft als auch in einer Produzentengemeinschaft Mitglied sein und daher auch mit Genossenschaften in Preisverhandlungen gehen. Das deutsche Marktstrukturgesetz biete deshalb einen Weg, um den Einfluss der Produzenten gegenüber den immer grösser werdenden Molkereien zu stärken und diesen, vor allem bei Preisverhandlungen, ein Marktgewicht entgegenzusetzen, betonte Guhl.

„Bisher wird bei Milchlieferverträgen stets von oben nach unten verhandelt“, stellte ergänzend Gerhard Metz fest, Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft Ostallgäu, die rund 50 Mio. kg Milch an zwei private Molkereien vermarktet. Angesichts zunehmend liberalisierter Märkte und immer stärkerer Preisschwankungen funktioniere dieses System aus Sicht der Bauern aber nicht mehr, meinte Metz.

Es sei deshalb zwingend notwendig, dass die Milchproduktionskosten künftig in die Milchpreisverhandlungen einbezogen würden.

Objektive Datenbasis

Dazu will die MEGMilch Board die Landwirte mit dem Milch-Marker- Index als neues Serviceangebot unterstützen. Der MMI soll künftig abgesicherte Daten für die Berechnung der tatsächlichen Produktionskosten für die Rohmilch liefern und dabei sowohl regionale als auch saisonale Aspekte berücksichtigen. Die Berechnungsmethode zu den Milchprodduktionskosten wurde nach Angaben des Milch Boards von Marktexperten auf wissenschaftlicher Basis gemeinsam mit Agrarwissenschaftlern entwickelt und von einem unabhängigen Institut überprüft.

Grundlage der Berechnung sind die von der EU-Kommission ermittelten Daten aus dem Informationsnetz landwirtschaftlicher Buchführungen (INLB), die derzeit bis zum Jahr 2009 vorliegen. Zur Berechnung des MMI wurden diese Kosten weiter gewichtet und bis auf das Jahr 2012 aktualisiert. Eingeflossen sind nur die Werte von landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben, die den Grossteil ihres Einkommens aus der Milch erwirtschaften.

Das MEG Milch Board betont, dass die Zahlen aus dem INLB und die ergänzenden Werte des Statistischen Bundesamtes (Destatis) öffentliche Daten darstellten und somit eine objektive und solide Basis des MMI bildeten. Die Berechnungsmethode der Milchproduktionskosten sei ausserdem von einem weiteren Gutachter überprüft worden. Auf diese Weise hätten die beauftragten Fachleute ein Berechnungsverfahren geschaffen, das die reinen Produktionskosten auf ein Niveau hebe, welches der tatsächlichen Situation entspreche.

Einkommensansatz im Index

Neben den reinen Produktionskosten wird laut Guhl ausserdem ein Einkommensansatz hinzugerechnet, um einen realistischen Wert für die Entlohnung von fremden Arbeitskräften beziehungsweise mitarbeitenden Familienangehörigen abbilden zu können. Die Resultate der MMI-Berechnung würden für alle Bundesländer vorliegen und bezögen sich jeweils auf die Poroduktionskosten von einem Kilogramm Milch, erläuterte Guhl. Ausgegeben würden allerdings nur auf einem Ausgangsjahr basierende Indexwerte, die künftig vor allem die Kostenentwicklung nach oben oder unten anzeigen sollten. 

Eine Präsentation erster konkreter Index-Daten ist Guhl zufolge für den 17. Januar 2013 im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin geplant. Daten und Hintergrundinformationen zum Milch-Marker-Index sollen zeitgleich auf der Homepage des MEG Milch Board freigeschaltet werden. (www.milch-board.de)

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