13.08.2015 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Indien
29'000 t Nudeln vernichtet und 98 Millionen Schadenersatz
Neues Kapitel im Streit um angeblich verseuchte Maggi-Instantnudeln in Indien: Umgerechnet knapp 98 Millionen Franken Schadenersatz soll der Nahrungsmittelmulti Nestlé an die indische Regierung zahlen.

Ein Vertreter des Konsumentenschutzministeriums sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, die Regierung habe wegen «unfairer Handelspraktiken» ein Verfahren bei der zuständigen Nationalen Kommission zur Beilegung von Verbraucherstreitigkeiten eingeleitet.

Ein Sprecher von Nestlé India wollte sich zunächst nicht zu dem Verfahren bei der Kommission äussern, die Strafen gegen Unternehmen verhängen kann. Seinen Angaben zufolge wurde das Unternehmen bisher nicht von offizieller Seite über das eingeleitete Verfahren informiert.

Imageschaden befürchtet

Die indische Lebensmittelaufsicht hatte Nestlé Anfang Juni die Herstellung und den Verkauf von Maggi-Instantnudeln untersagt, nachdem bei Tests in einigen Bundesstaaten erhöhte Bleiwerte gefunden worden waren. Nestlé wies die Vorwürfe zurück, nahm das Produkt in Indien aber aus dem Handel. Der Nahrungsmittelmulti geht zudem gerichtlich gegen das Herstellungs- und Verkaufsverbot vor.

Indische Justiz hebt Verkaufsverbot für Nestlé-Nudeln auf

Die indische Justiz hat am Donnerstag das Verkaufsverbot für Maggi-Instantnudeln von Nestlé aufgehoben. Gleichzeitig wurden aber neue Tests für die Produkte angeordnet. Ein indisches Gericht in Bombay hat zu Gunsten von Nestlé entschieden. Der Entscheid der Lebensmittelaufsicht sei «willkürlich» gewesen und verletze «nationale Rechtsprinzipien», entschied das Gericht. In der Begründung hiess es, Nestlé habe bereits akzeptiert, keine Maggi-Instantnudeln zu produzieren oder zu verkaufen, bis der Aufseher mit der Qualität zufrieden sei.

Das Gericht ordnete an, dass Nestlé fünf Maggi-Warenmuster jeder Lieferung an drei Labors zur Analyse schicken muss. Nur wenn, der Bleiwert unter dem vorgeschriebenen Wert liege, könnten Produktion und Verkauf wieder aufgenommen werden. Nestlé respektiere den Entscheid des Gerichtes und werde der Auflage zu neuen Tests nachkommen, schreibt das Unternehmen in einem Statement auf seiner indischen Website. Nestlé werde weiter mit der indischen Nahrungsmittelbehörde und den weitere Anspruchsgruppen zusammenarbeiten. Das Unternehmen sei bestrebt, die Maggi-Nudeln so schnell wie möglich in die Verkaufsgestelle zurückzubringen.

Unterdessen drückt der Skandal auch finanziell auf das Geschäft der Nestlé-Tochter in Indien. Ende Juli wies Nestlé India einen Quartalsverlust von 644 Millionen Rupien, umgerechnet 9,7 Millionen Franken aus. Die Nudeln stehen für 15 bis 20 Prozent des Nestlé-Umsatzes in Indien, machen aber nur einen Bruchteil des Konzernumsatzes von 91,6 Milliarden Franken aus. Dem Konzern droht wegen des grössten Lebensmittelskandals in Indien seit fast einem Jahrzehnt jedoch ein Imageschaden.

VR-Präsi: Einwandfreie Nudeln vernichtet

Erstmals hat sich Nestlé-Präsident Peter Brabeck zum Thema geäussert. In einem Interview mit der "Handelszeitung" sagt Brabeck: "Wir wurden von den indischen Behörden gezwungen, unsere Produkte zu verbrennen. Wir reden hier von 29'000 Tonnen qualitativ einwandfreien Lebensmitteln."

Nestlé habe sich nichts vorzuwerfen: "In Labors in den USA, in Grossbritannien, in Australien und in Singapur wurde nichts Schädliches in den Nudeln gefunden. Mit anderen Worten: Unsere Produkte sind sicher für die Konsumenten." Trotzdem sei der Fall in Indien "nicht harmlos und nicht zu unterschätzen".

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