12.10.2013 17:58
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Milchpreis
49 Rappen pro Kilo - EU-Molkereien zahlen Rekordmilchgeld
Führende Molkereiunternehmen in der Europäischen Union haben im August 2013 ihre Auszahlungsleistungen an die Milcherzeuger weiter erhöht und Rekordmilchgelder gezahlt.

Der vom niederländischen Bauernverband (LTO) im Rahmen eines internationalen Vergleichs errechnete Durchschnittspreis von 16 größeren Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für eine Standardmilch mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß legte gegenüber dem Vormonat Juli um fast 1,0 Cent oder 2,6 % auf 38,79 Cent/kg (49 Rp./kg) zu. Sehr viel deutlicher fiel das Plus im Vergleich zum August 2012 aus: Binnen Jahresfrist hat sich die Auszahlungsleistung der Molkereien im Schnitt um 6,0 Cent/kg oder gut 18 % verbessert. Da einige Milchverarbeiter bereits weitere Aufschläge angekündigt haben, dürfte 2013 nach Einschätzung der LTO als Rekordmilchpreisjahr in die Geschichte eingehen.

Die deutschen Milchbauern haben laut LTO-Analyse besonders stark vom europaweiten Anstieg der Preise profitiert; sie bekamen zuletzt ihren Rohstoff gut ein Drittel höher vergütet als ein Jahr zuvor. Die Genossen des Deutschen Milchkontors (DMK) erhielten im August mit 38,06 Cent/kg für ihre Standardmilch rund 1 Cent mehr als im Juli; Lieferanten der Alois-Müller-Molkerei durften sich über ein Plus von 0,5 Cent auf 38,40 Cent/kg freuen. Damit zahlten die deutschen im Vergleich erfassten Unternehmen rund 10 Cent/kg mehr als im August 2012. Die höchsten Milchpreise ließen sich hierzulande jedoch nicht erzielen; dies blieb im August den Lieferanten des finnischen Verarbeiters Hämeenlinnan mit 44,68 Cent/kg vorbehalten. Eine überdurchschnittliche Auszahlungsleistung von jeweils mehr als 40 Cent/kg wurde auch für die französische Danone, die niederländische FrieslandCampina und die italienschen Molkerei Granarolo festgestellt. Am unteren Ende der LTO-Tabelle rangierte First Milk aus dem Vereinigten Königreich, die es teilweise auch wechselkursbedingt nur auf eine Auszahlungsleistung von 34,85 Cent/kg brachte und damit lediglich 6,8 % mehr für die Milch bezahlte als im August des Vorjahres.

Starker Preisanstieg in den Niederlanden und Belgien

Nicht nur die deutschen Milchbauern, sondern auch die niederländischen und belgischen Erzeuger konnten sich im August über Milchgeldaufschläge freuen. Nach Angaben der LTO bezahlte FrieslandCampina den Lieferanten im Schnitt 41,32 Cent/kg. Das waren aufgrund eines Saisonzuschlags 2,5 Cent/kg oder 6,3 % mehr als im Juli; das Vorjahresniveau wurde um fast 23 % übertroffen. Für September hat FrieslandCampina bereits einen weiteren Zuschlag von 1,5 Cent/kg angekündigt. Bei der DOC Kaas freuten sich die Erzeuger zuletzt über ein Plus von knapp 1,0 Cent/kg auf 36,75 Cent/kg; im September sollen weitere 2 Cent/kg hinzukommen, um den Abstand zur Auszahlungsleistung anderer Molkereien zu verkürzen. Auch die belgische Milcobel ließ sich die Rohmilch mehr kosten und zahlte im Einkauf für das Kilogramm im August 38,98 Cent/kg; das waren 1,6 Cent mehr als im Juli und fast 9,5 Cent oder 32 % mehr als vor zwölf Monaten. Vorerst nicht mehr nach oben ging es zuletzt mit den Milchpreisen der irischen Molkereien Glanbia und Kerry, die ihren Lieferanten den Rohstoff im August unverändert mit 39,01 Cent/kg beziehungsweise 37,88 Cent/kg vergüteten und damit einen Aufschlag von jeweils einem Drittel gegenüber August 2012 zahlten. Ohne Preisaufschlag blieben im August auch die Genossenschaftsmitglieder der Arla, denen jedoch für September und Oktober eine Erhöhung des Milchgeldes von jeweils 1 Cent/kg in Aussicht gestellt wurde.

Französische Molkereien holen auf

Eher enttäuschend verlief die erste Jahreshälfte 2013 für die französischen Milcherzeuger, deren Molkereien laut LTO im EU-Vergleich nur eine unterdurchschnittliche Auszahlungsleistung boten. Noch ist der Rückstand nicht ganz aufgeholt, wohl aber der Abstand zum EU-Mittel nach den kräftigen Erhöhungen im Juli kleiner geworden. Im August bekamen Lieferanten der Sodial ihre Milch um 0,5 Cent/kg besser bezahlt als im Juli und erhielten 37,86 Cent/kg; bei Lactalis waren es mit einem Zuwachs von 0,4 Cent nunmehr 37,75 Cent/kg. Beide Molkereiunternehmen vergüteten die Rohmilch ihrer Erzeuger dennoch rund 1 Cent/kg schlechter als im Schnitt aller Molkereien des LTO-Vergleichs. Etwa auf Augenhöhe bewegte sich die in der Normandie beheimatete Bongrain mit 38,46 Cent/kg. Einzig Danone schnitt mit einem Auszahlungsplus von 1,6 Cent auf 40,37 Cent/kg im August besser als im EU-Durchschnitt ab. Diesen konnte die Schweizer Emmi mit einer von der LTO kalkulierten Auszahlungsleistung von 55,88 Cent/kg für das Kilogramm Standardmilch klar übertreffen. Bei der neuseeländischen Fonterra lag der Milchpreis dagegen mit 38,97 Cent/kg in etwa auf EU-Niveau, während der Durchschnittspreis in den USA laut LTO mit knapp 33 Cent/kg deutlich darunter lag.

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