22.01.2017 12:29
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Handel
Agrarhandel dämpft Klimawandel
Ein liberalisierter internationaler Agrarhandel kann die Folgen des fortschreitenden Klimawandels auf die globale Wirtschaft und Ernährungssicherung deutlich abfedern. Das zeigt eine aktuelle Studie, für die Prof. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) die Effekte des Klimawandels auf die Landwirtschaft untersucht hat.

Wie Lotze-Campen am vergangenen Mittwoch in Berlin bei einer Diskussion mit dem Grain Club feststellte, ist damit zu rechnen, dass Klimaschäden in den kommenden Jahrzehnten bis zu 0,8% der globalen Wirtschaftsleistung kosten werden, was sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf etwa 2'500 Mrd. USD (2'503 Mrd. Fr.) summieren dürfte.

Globaler Warenaustausch 

Offene Handelsbeziehungen und damit der Ausgleich globaler Missverhältnisse in der Agrarproduktion könnten diese Summe jedoch um mehr als die Hälfte senken, so der Potsdamer Agrarökonom. Der liberale Agrarhandel stellt laut Lotze-Campen sicher, dass die Agrarproduktion an den Orten mit den besten natürlichen Voraussetzungen und damit auch besonders nachhaltig stattfindet.

Neben der Entwicklung neuer Sorten und innovativer Produktionsmethoden stelle der globale Warenaustausch deshalb die beste Versicherung für die Ernährungssicherung dar. Eigenen Angaben zufolge setzt sich deshalb auch der Grain Club, die Allianz von Verbänden der Lebens- und Futtermittelwirtschaft, für eine Balance aus nationalem Klimaschutz und globaler Ernährungssicherung ein.

Rinder gehören zu nachhaltigen Landwirtschaft

Moralische Verpflichtung von Gunstregionen „Bestehende Agrarflächen müssen klima- und ressourceneffizient genutzt werden. Zudem stehen Gunststandorte wie Europa in der besonderen ethischen Verantwortung, ihren Beitrag zur weltweiten Agrarproduktion zu leisten“, betonte die Geschäftsführerin des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland (OVID), Petra Sprick. Der Schlüssel hierfür liegt nach ihrer Ansicht in einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung. Dafür seien aber auch weitere Fortschritte in der Präzisionslandwirtschaft und Pflanzenzüchtung erforderlich.

Eine Abschaffung ganzer Agrarsektoren, wie beispielsweise die Haltung von Wiederkäuern, kann nach Ansicht des Geschäftsführers des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT), Peter Radewahn, jedenfalls nicht die Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels sein. Insbesondere Rinder seien ungeachtet ihres Methanausstosses nicht aus der modernen und nachhaltigen Landwirtschaft wegzudenken. Die Nutzung von Grenzstandorten und insbesondere Grünland sei letztlich nur über solche Wiederkäuer möglich, erläuterte Radewahn. Die Aufgabe oder Einschränkung der Rinderhaltung gehe daher zwangsläufig auch mit einer Beschneidung der Agrarproduktion einher.

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