30.03.2020 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - Monika Gerlach
Italien
Alte Rinderrasse für die ganze Welt
Die Leserreise des Schweizer Bauer 2020 führte eine Gruppe von 33 Personen in den Süden Italiens, nach Sizilien. Die grösste Insel des Mittelmeerraums galt als Kornkammer Roms. Heute exportieren die Sizilianer vor allem Zitrusfrüchte, Gemüse, Olivenöl, Wein und Käse.

Die Sizilien-Leserreise führte am zweiten Tag von der Hafenstadt Catania in das Landesinnere. Ziel war ein 300 ha grosser Betrieb in Polizzi Generosa, einer Gemeinde in der Bergregion des Madonien Naturpark. 

Den Beinamen Generosa bekam der Ort von Friedrich II. Er bedeutet reich oder üppig. Dies weist auf den sehr fruchtbaren Boden hin, auf dem die verschiedenen Kulturen üppig wachsen.

Familienbetrieb mit vielen Standbeinen

Das Anwesen «Antico Feudo San Giorgio» liegt auf einer Felskuppe auf 915 m. Der Betrieb der Familie Carrelli Palombi wird weitestgehend biologisch bewirtschaftet. Sie halten Mutterkühe und Esel, bauen Hartweizen und Kronen-Süssklee an, kultivieren Weinstöcke und betreiben einen «Agriturismo», also Agrotourismus. 

Als die Leserreise-Gruppe auf dem Betrieb eintraf, pflanzte eine Gruppe von fünf jungen Männern neue Weinstöcke. Die alten Reben waren bereits ausgerissen. Nun werden 32’000 neue Stöcke gepflanzt. Drei Sorten wurden für diesen Standort ausgewählt. Sorten, die an die Höhe angepasst sind und nur mit wenig Kupfer behandelt werden müssen. Beim Rundgang durch die Felder zwitscherten die Feldlerchen über unsere Köpfe.

Hartweizen-Mekka

Neben der Parzelle mit den neuen Weinstöcken breiteten sich Hartweizenfelder bis zum Horizont aus. Über 100ha wurden im Dezember angesät und erfreuten uns jetzt mit ihrem frischen Grün. Der Hartweizen hat in Sizilien eine lange Tradition. Die fruchtbaren Böden, die geringe Niederschlagsmenge und die heissen Sommertemperaturen sind für das Getreide ideal. 

Die Ernte erfolgt im Mai, in den höheren Lagen im Juni. Es gibt noch über 30 antike Hartweizensorten, welche bis heute angebaut werden. In der Region dominiert die Sorte Russello.

Mehr als Gründüngung

Die Fruchtfolge beschränkt sich auf zwei Anbaujahre. Im ersten Jahr wächst Getreide und im zweiten Jahr der Kronen-Süssklee (ital. Sulla). Die Sulla ist eine Leguminose und bindet Stickstoff im Boden. Sie ist jedoch mehr als nur eine gewöhnliche Gründüngung. Die dunkelrot-violettfarbenen Blüten sind eine ertragreiche Bienenweide, darum stehen viele Beuten an den Wiesenrändern. 

Nach der Blütezeit wird gemäht und Silofutter für die Rinder konserviert. Der Kronen-Süssklee ist trockenheitsresistent, was in diesen Breitengraden wichtig ist. Mit seiner Pfahlwurzel kommt er in tiefere Bodenschichten und versorgt sich dort mit der benötigten Feuchtigkeit.

Alte Rasse wird exportiert

Auf dem Betrieb der Familie Carrelli Polombi werden 60 bis 70 Mutterkühe gehalten. Die Rasse Marchigiana kommt aus der Region der Marken. Die weissen Rinder wurden schon vor 1500 Jahren als Zugtiere in der Landwirtschaft eingesetzt. Vor gut 100 Jahren wurden sie mit fleischigen Rassen eingekreuzt. 

Heute machen Marchigiana-Rinder gut 45% der italienischen Rinderrassen aus und werden weltweit exportiert. Der Betrieb in Polizzi setzt auf die Rasse, weil die Tiere mit ihrem weiss-grauem Fell die starke Sonneneinstrahlung tolerieren, wenig krankheitsanfällig sind und Futter gut verwerten können. Die Kälber werden mit rund  8 Monaten lebendig nach Norditalien verkauft.

Gaumenfreuden

Im feudalen Gutshaus wurden wir mit eigenen Spezialitäten verköstigt. Ein Höhepunkt waren die Antipasti. So war der Ricottakäse mit Honig und Pistazien sehr schnell aufgeteilt. Eingelegte, eigene Oliven waren eine echte Gaumenfreude, der Teller mit Teigwaren aus eigenem Anbau auf den Punkt zubereitet. Auch der Hauswein kam bei der Reisegruppe gut an. 

Nach der Stärkung und vielen Eindrücken stiegen wir in unseren Bus, um nach Palermo weiterzureisen. Seit Anfang Januar hatte es nicht mehr geregnet. So waren alle froh, als die ersten Regentropfen bei unserer Abreise auf den Boden vielen. Ein wunderschöner Regenbogen grüsste zum Abschied.  

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