14.04.2015 10:36
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Klima
Anästhesiegase belasten das Klima
Die Menge der Anästhesiegase in der Atmosphäre hat in den letzten Jahren zugenommen. Dies weisen Schweizer Forschende erstmals mit Messungen unter anderem in Zürich und auf dem Jungfraujoch nach. Ob bestimmte Gase vom Markt genommen werden sollten, ist umstritten.

Anästhesiegase aus der Gruppe der Flurane kommen zwar in viel geringeren Mengen vor als Kohlendioxid (CO2), kurbeln jedoch den Treibhauseffekt um ein Vielfaches stärker an, heisst es in einer Mitteilung der American Geophysical Union. Ein Kilo Desfluran zum Beispiel erwärmt das Klima so stark wie 2500 Kilo CO2.

Klimagase vom Markt

Das Team um Martin Vollmer von der Materialprüfungsanstalt Empa hat diese Stoffe nun sogar in der Antarktis nachgewiesen. Erstmals basieren die Schätzungen zu den Betäubungsgasen nicht auf Verkaufszahlen, sondern auf effektiven Messungen in der Atmosphäre, wie die Forschenden im Fachjournal «Geophysical Research Letters» berichten.

In die Analyse flossen Daten aus abgelegenen Weltregionen seit dem Jahr 2000 ein, etwa einer Antarktis-Forschungsstation oder vom Eisbrecher Aaron im Nordpazifik. Seit 2013 erheben die Forschenden zudem zweistündlich die Konzentration dieser Gase auf dem Jungfraujoch in den Alpen und auf einem Hausdach in Zürich.

Kleine Akteure

Die daraus errechneten, weltweiten Schätzungen ergeben, dass die Menge der Anästhesiegase in der Atmosphäre seit 2000 zugenommen hat. Das Klimagas Lachgas haben die Forscher bewusst ausgelassen, da es dafür auch andere Quellen als Operationssäle gibt.

Im Vergleich seien Betäubungsgase zwar kleine Akteure beim Klimawandel, kommentiert der Anästhesist Jodi Sherman von der Yale Universität den Fachartikel. Da der Klimawandel aber ein grosses Gesundheitsproblem darstelle, gezieme es sich für den Gesundheitssektor, es besser zu machen. Er schlägt vor, zumindest das stärkste Klimagas Desfluran vom Markt zu nehmen. Andere Anästhesisten widersprechen: «Manche von uns glauben, dass Desfluran klinische Vorteile hat», urteilt Edmond Eger von der Universität von Kalifornien in San Francisco.

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