23.01.2018 08:01
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Antibiotikafreie Wurst in Kritik
Das deutsche Fleischunternehmen Reinert hat am vergangenen Donnerstag auf seiner Firmenwebseite angekündigt, Mitte Mai erstmals mit einer Wurstlinie auf den deutschen Markt zu kommen, die aus einer gänzlich freien Antibiotikaaufzucht von Schweinen stammt.

Lieferant des Schweinefleisches wird der dänische Fleischkonzern Danish Crown sein,der laut eigenen Angaben Vorreiter in der massenmarkttauglichen antibiotikafreien Aufzucht von Schweinen ist. 

Alternativen aufzeigen

„Es ist uns wichtig, dem Konsumenten die Wahlfreiheit zu geben und ihm Alternativen aufzuzeigen. Dabei geht es uns nicht darum, die konventionellen Haltungsbedingungen und Produkte zu diskriminieren, sondern zusammen zukunftsfähige Lösungsansätze zu entwickeln, die sicherlich erst einen Anfang darstellen“, erklärte Familienunternehmer Hans-Ewald Reinert. 

Ganz anders sieht das jedoch die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) und sprach von einer „Werbestrategie auf dem Rücken konventioneller Schweinehalter“. Auch Fleisch von Schweinen, die mit Antibiotika behandelt worden seien, sei frei von Antibiotika, wenn es in der Ladentheke liege, stellte die ISN klar. Dafür sorgten in Deutschland strenge Mindestwartezeiten von der Behandlung bis zur Schlachtung, was engmaschig kontrolliert werde. 

Heile Welt vorgauckeln

Reinert gaukele eine heile Welt vor, in der Antibiotika nicht notwendig seien und nutze ganz bewusst die unbegründete Angst der Konsumenten vor Antibiotikarückständen im Fleisch aus, kritisierte die Interessengemeinschaft. Wenn Tiere krank würden, müssten sie ohne Wenn und Aber behandelt werden, denn das gebiete der Tierschutz. „Deshalb ist der Verzicht auf die Antibiotikagabe als Markt- und Wettbewerbsargument nicht geeignet“, betonte die ISN. Es sei nichts dagegen einzuwenden, die Haltungsbedingungen so zu verbessern, dass weniger Antibiotika eingesetzt werden müssten. 

Klar sei aber, dass in jedem Haltungssystem auch Tiere krank würden und behandelt werden müssten. Die Devisemüsse deshalb lauten: „So viel Antibiotikawie nötig und so wenig Antibiotika wie möglich.“ Wie das gehe, hätten die deutschen Schweinehalter in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt. Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) habe sich der Antibiotikaverbrauch in der Tiermedizin von 2011 bis 2016 mehr als halbiert.

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